Urlaub und Lernen in Herrnhut
Zinzendorf: Aus dem Glauben heraus fröhlich leben und den Menschen Gutes tun

Vor rund 300 Jahren gründete Nikolaus Reichsgraf von Zinzendorf die Herrnhuter Brüdergemeine. Ihm zur Seite stand Erdmuthe. Sie kümmerte sich um die Verwaltung und wirtschaftlichen Angelegenheiten. Nikolaus, der sich in Finanzfragen eher unbedarft verhielt („Geld und ich sind Sachen, die ganz weit voneinander sind“), bekam so den Rücken frei für den Dienst in der Herrnhuter Brüdergemeine und der weltweiten Christenheit. Vor 30 Jahren gründeten Hilde und Michael Dieterich die Deutsche Gesellschaft für Biblisch-Therapeutische Seelsorge. Dass auch sie ein eingespieltes, sich gegenseitig bereicherndes Team sind, davon konnten sich Ende Juni die Teilnehmer des Grundkurses „Urlaub und Lernen – auf den Spuren der Herrnhuter“ persönlich überzeugen.

Weil eine Gemeinde nur lebendig ist, wenn sich alle mit ihren Gaben einbringen, sorgte Zinzendorf in der Brüdergemeine dafür, dass auch Laien gleichberechtigt mitwirken und leiten konnten – ein Novum in der pfarrerzentrierten Kirche. Entscheidend für die Besetzung der Ämter war die Qualifikation. Fast alle Gemeindeglieder hatten ein Amt. Jeder wurde als wichtig betrachtet. Das lernten auch die Kursteilnehmer. Die Ergebnisse ihres Persönlichkeitsstrukturtests (PST-R®.) zeigten Befähigungen und auch Potentiale der Veränderung. Irritationen wandelten sich in Zuversicht und die Bereitschaft, an sich zu arbeiten. Wo wird mein Platz sein, wenn ich die Ausbildung fortsetze? Die veränderte Wahrnehmung trug erste Früchte, die Gespräche wurden intensiver.

Zinzendorf ging es nicht um große Zahlen. Er zielte bei seiner Missionstätigkeit auf „Erstlinge“ unter den Völkern, die dann zum Träger der Evangelisation unter ihresgleichen werden sollten. Deshalb empfahl der Graf, vor Ort nicht mit öffentlichem Verkündigen zu beginnen, sondern zunächst Einzelkontakte zu suchen und die Menschen „einfach liebzuhaben“. Auch Hilde und Michael Dieterich zeigten mit ihrer Art, wie sie sich um das Wohlergehen der Ratsuchenden sorgen: Den Einzelnen in seiner ganzen Persönlichkeit und voller Empathie wahrzunehmen, aufbauend auf einem reichen Schatz an Erfahrungen und fachlichem Wissen Hilfestellung geben. Die Teilnehmer folgten fasziniert ihren Erzählungen und Erlebnissen.

Vor genau 290 Jahren begaben sich die Brüder der Gemeine auf die Reise durch Deutschland. Sie warben nicht für ihr Lebensmodell, sondern wollten vielmehr Christen helfen, im Rahmen ihrer Konfession an Jesus zu glauben. Zinzendorf ging es um lebendiges Christsein in allen Konfessionen. Das Konzept der ABPS®. (Allgemeine Beratung, Psychotherapie und Seelsorge) will Menschen in Krisen dabei unterstützen, innerlich stark zu werden und ein Denken und Verhalten einzuüben, das sie im Leben gut zurechtkommen lässt, auch wenn große Schwierigkeiten da sind. Konfessionen sind da kein Hindernis sondern Bereicherung – das spürten auch die Teilnehmer des Kurses und lernten das Anderssein des Gegenübers schätzen.

Zinzendorf hat Spuren hinterlassen, die bis heute unübersehbar sind: Mission in allen Erdteilen, unzählige Lieder, die Herrnhuter Losungen. Von Zinzendorf lernen heißt, aus dem Glauben heraus fröhlich leben und in unseren Gemeinden etwas Gutes für Jesus Christus und die Menschen tun. Auch Hilde und Michael Dieterich haben bei den Teilnehmern Spuren hinterlassen. Sie haben ermutigt und bestärkt, ebenfalls Spuren zu hinterlassen, die von Jesu Liebe zu uns Menschen getragen ist.

Bernhard Limberg mit Material aus ideaSpektrum