Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. (1. Joh. 4, 21)

 Kann denn Liebe geboten werden, erzwungen werden? Liebe soll doch eine freie Entscheidung sein.

Verstehen wir dieses Gebot von dem Liebenden? Gott hat sich entschlossen, uns zu lieben. Er widmet seine Kraft und seine Macht, uns zu lieben. Er befreit uns von dem Streben nach Erfolg und Anerkennung, von der Abhängigkeit des Leistungsdenkens Ihm gegenüber.

Ist die Liebe, die uns Gott anbietet durch sein Gebot, nicht eine konkrete, lebendige und tägliche Einladung zu der Agape? Und hat diese Einladung eine bestimmte Adresse?

Johannes in seinem Brief spricht uns an: die Gemeinde Christi!

Wie geht es denn zu lieben?

Versuchen wir zu lieben, indem wir die Gebote halten, die Kontrolle über Gedanken und Gefühle anderen gegenüber zu bewahren? Könnte es sein, dass die Gefahr doch lauert, wenn die Spannung von „alles selber schaffen zu müssen“ wächst, dass wir an unseren Ausgangspunkt (Leistung-Gegenleistung) gebracht werden? Das wir versuchen, das Richtige zu tun ist tugendhaft!

Liebe wird doch gelernt, indem wir die Lebenswelt unseres Nächsten akzeptieren, die Lebensgeschichte unseres Nächsten respektieren und uns für die Andersartigkeit unseres Gegenübers zu interessieren.

Vielleicht gelingt es erstmal nur einmal – für eine kurze Zeit – heute zu lieben!

Wo kommt die Liebe her?

Wir haben keine verschlüsselte Botschaft von Gott. Der Herr hat uns zu seinem Ebenbild und zur Gemeinschaft mit Ihm erschaffen.

GOTT IST Liebe. Der Liebende spricht: Liebe mich. Sein Wort liefert das Gebot der Agape.

Unsere Liebe zu Gott und seine Liebe zu uns befreit uns aus der Isolation für alles alleine gerade zu stehen.

Das leuchtende Beispiel der Liebe Gottes fungiert als Modell, das wir untereinander üben dürfen:

Begegnungen ohne Druck und Macht auszuüben, Liebe die dem Anderen Raum und Möglichkeit gibt, sich in Freiheit zu entwickeln.

Für einen Augenblick heute, den Blick zum Himmel richten, der uns helfen will, die Liebe Gottes zu erfassen und die Beziehung zu Ihm aufzunehmen.

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. 1. Johannes 5,4b

Wir alle lieben den Sieg. Wir wollen gerne Sieger sein, auf der Seite des Siegers stehen.

Doch es gibt in der Welt drei Dinge, bei denen wir den Sieg nicht erringen können – in diesen Dingen sind wir geborene Verlierer: Wir können keinen Sieg erringen über den Tod, über Versagen und über Schuld.

Wenn Gott nicht persönlich die Initiative ergriffen hätte, dann hätte sich an dieser Situation für uns nichts geändert.

Aber Gott, der liebende Vater, der treue Sohn Jesus Christus und der heilige Geist sind das Siegerteam über Tod, Versagen und Schuld. Mit ihnen dürfen wir auf die Seite des Siegerteams treten. Wann immer die Sonne über uns aufgeht, dürfen wir darauf vertrauen: Dieser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Wie kann es geschehen, dass auch du heute noch zu diesem Sieger­team kommst? – Komm unter das Kreuz. Komm zu Jesus. Sage ihm „Ich habe gesündigt. Ich bin schuldig vor dir und den Menschen.“ Und unter dem Kreuz wirst du erfahren, dass du mit diesem Wissen nicht ver­zwei­feln musst. Unter dem Kreuz wirst du erleben, wie Jesus dir Ver­gebung zuspricht, wie er deine Schuld überwindet und im tiefsten Meer versenkt und wie Jesus dir ewiges Leben verspricht.

Golgatha ist ein geheimnisvoller, wunderbarer Ort. Du kannst die­sen Ort auch heute noch im Geist erreichen und dich unter das Kreuz stellen. Du kannst dich einreihen in die große Schar derer, die schon von Jesus befreit wurden. Sei dabei.

Du, Herr, bist der Sieger von Golgatha. Und ich komme unter dein Kreuz. Mit dir zusammen überwinde ich die Welt. Amen.

 

Quelle: Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge. 2017, Freudenstadt: Fachverlag des IPP GbR, ISBN 978-3-943815-07-8 Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der IPP Fachverlags

„Erwartungsvoll blicken die Augen aller Lebewesen auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.“ (Psalm 145,15)

Erwartungsvoll und voller Hoffnung auf Gott sehen – etwas von Gott erwarten – alles von Gott erwarten.

Erntedank – oft ein Rückblick, auf das, was Gott an Segen geschenkt hat.

Der Text ist eine Gegenwartsbeschreibung von David. Etwas, das im „Hier und Jetzt“ geschieht.

Er beschreibt zwei Tatsachen, die nebeneinander stehen. Keine „Wenn – Dann – Verknüpfung“.

Der Text fordert zu der Frage auf: „Ist das so? Bin ich ein Teil dieses Tatsachenberichtes?“

Der zweite Teil des Textes ist in meinem Leben eine ständige Erfahrung. Nahrung steht mir im Überfluss zur Verfügung. Ich weiß, dass das ein Privileg ist. Deshalb wirft der Text bei mir viele Fragen auf, wenn ich auf die Menschen sehe, die hungern. Fragen, die mich ins Teilen und in die Fürbitte führe. Auf die ich keine Antwort habe.

Mich fordert eher der erste Teil des Textes heraus.

Erntedank – Dank entsteht, wo ich etwas bekommen habe, etwas, das nicht von mir oder meinem Können abhängt, wo ich vielleicht etwas beigetragen habe, mein Beitrag aber auch wieder ein Geschenk an mich ist.

Jede Sekunde auf Gott blicken, meine Erwartungen, meine Hoffnungen auf ihn richten, weg von mir selber und auch weg von anderen. Eine Blickrichtung des Dankens. Eine Blickrichtung der Stärke und der Freiheit.

Dank macht glücklich, es ist ein schönes Gefühl, es wert zu sein, ein Geschenk zu bekommen, sogar das Geschenk zu sein.

Wir sind es Gott wert!

Gibt es eine größere Motivation es Gott gleich zu tun? Und weiterzugeben, was ich geschenkt bekommen habe? Teilen verdoppelt!

Erntedank – Eine Haltung, eine Lebenseinstellung mit ungeahnter positiver Dynamik!

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. (1.Petrus 5,7)

Gott hat uns Emotionen gegeben. Dazu gehören ‚Basis-Emotionen’ und ‚gelernte’ Emotionen. Erstaunlicherweise dürfen wir auch Angst zu den Basis-Emotionen rechnen. Sie hat eine Schutzfunktion. Dann nennen wir sie eine ‚gesunde’ Angst.

Aber wir ‚lernen’ auch Emotionen. Niemand ist mit ‚lähmender’ Angst geboren. Wir dürfen Phobien und Panik-Attacken überwinden lernen.

Wir wissen auch, dass aus berechtigter Sorge Grübeln, ‚falsches’ Sorgen, Zwänge, lähmende Angst und ‚Lebens-Enge’ erwachsen kann. Die Grenzen sind fließend. Gott fordert uns auf, verantwortungsbewusst zu handeln und auch ‚die Kosten zu überschlagen’, also auch vorausschauend für die Zukunft zu sorgen („Wer einen Turm bauen will …“ in Luk.14, 28).

Was unterscheidet die einen Sorgen von den anderen?

Es gibt ‚Gegenstände’ der Sorge, bei und an denen wir durch eigenes verantwortungsbewusstes Denken und durch Tatkraft selbst handeln können. Das sollen wir auch ‚im Vertrauen darauf, dass Gott uns hilft’ (vgl. den ersten Schöpfungsbericht über den Menschen als bevollmächtigter Mensch, Ebenbild Gottes in 1.Mose 1, 26).

Aber es gibt auch ein ‚Objekt’ der Sorge, bei dem eigenes Sorgen und eigene Bemühung von vornherein zum Scheitern verurteilt sind, die Sorge um das ewige Leben, die Sorge um die unmittelbare Gemeinschaft mit Gott. Hier hilft nur das Handeln Gottes selbst. In Jesus Christus hat er es getan: Sein Menschwerden, sein Tod am Kreuz, seine Auferstehung und seine Wiederkehr geben uns ewiges Leben, das in dieser Zeit schon uns geschenkt ist und in seinen Früchten sichtbar wird. Hier gilt in ganz besonderer Weise: „Alle Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für Euch!“

Der vorliegende Vers für die Woche hat noch einen größeren Zusammenhang. Kurz zuvor ermahnt Petrus die ‚Ältesten’, ‚gut für die anvertraute Herde Gottes zu sorgen’. Diese Art der ‚Sorge’ ist ein Auftrag Gottes. Interpretieren wir ‚Älteste’ mal als in den Seelsorge-Dienst Berufene. Der Auftrag zur Seelsorge kann nur erfüllt werden im Vertrauen darauf, dass Gott selbst für uns Seelsorger sorgt.

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat  (Ps. 103,2)

David hält ein Zwiegespräch mit sich selbst.

Das Lied adressiert er an sich.

Er erkennt seine Sehnsucht zum Loben.

David hatte schon als junger Schafhüter gelernt, an Gottes Segnungen festzuhalten.

Er hatte Gottes Wunder als Sänger in Sauls Hof erlebt.

Er hatte Gottes Nähe und Trost in Zeiten der Zerrissenheit, Einsamkeit, Kraftlosigkeit, Verzweiflung erlebt.

Unter Schmerzen hatte er Stärke an seinen Pneuma, Psyche und Soma entwickeln können. Sein Schreien aus der Tiefe der Höhle blieb nicht ungehört.

David befiehlt seinem Nefesh, sich an die Wunder Gottes in seinem Leben zu erinnern:

  • körperliche Kräfte, die ihn die Angst vom Feinde verschwinden ließ und zum Sieg geleitet hat
  • Gedanken der Gerechtigkeit, die ihm neue Orientierung ermöglicht haben
  • Hilfe von Freunden, die ihn zum Altruismus geführt hat
  • Barmherzigkeit, die ihn geholfen hat sich in die Lage anderer Menschen einzufühlen

David aktiviert sein Gedächtnis: „der Herr hatte Freude dir Gutes zu tun.“

Er fordert sich selbst auf und nimmt Verantwortung: „Lobe du, meine Seele, den HERRN!“

Könnte es sein, dass diese Denkweise durch seine Lebenserfahrung und sein Wissen beeinflusst worden war, weil er sich nach Gottes Freundschaft und Verbundenheit gesehnt hatte?

Könnte es sein, dass er erkannt hatte, Gott hatte „sein“ Erbe in seinem Herzen eingepflanzt und wusste dass er die Schätze nicht achtlos liegen lassen sollte?

Es könnte so verstanden werden, dass David ein Übermensch war, sein Leben bestand aber auch aus Schattenseiten. Er hatte die Wichtigkeit erkannt an Gottes Wirklichkeit festzuhalten.

Ist es nicht eine Entscheidung die wir zu treffen haben, Gottes Herrlichkeit zu loben und wärmt es nicht unser Herz zu wissen, dass Gottes Gedanken, Gedanken des Friedens über uns sind?

Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Matth.25,40)

Müssen Christen immer anständig sein, immer gute Werke tun, sich immer um Bedürftige kümmern? So könnte man fragen, wenn man diesen Satz liest. Bei einem Burn-out-Seminar dagegen wurde geraten: „Tu doch nicht so aufopfernd! Du kannst die Welt nicht retten.“ Ja, was muss ich denn nun tun, um gerettet zu werden? Was muss ich tun, um nicht am Ende beim Weltgericht weggeschickt zu werden wie die Böcke (Matth.25, 41ff)?

Ernst sind Jesu Töne, wenn er Rechenschaft fordert von uns am Ende unserer Tage. Sicher möchte er seine geliebten Menschen damit umwerben und fördern. Am Ende soll nicht unfruchtbare (Ressourcen-und-) Zeitvergeudung das Fazit unseres Menschenlebens sein. Am Ende will er sich mit uns über die gelungene Entropieverringerung (gelinderte Not: Hungrige gespeist, Fremden Heimat angeboten, Gefangene besucht) freuen. Am Ende will er sehen, dass es uns nicht gleichgültig lässt, wenn unser Mitmensch leidet. Dabei überfordert er uns nie. Er weiß wohl, dass unsere „Zentner“ (Matth. 25,14ff) sehr begrenzt sind. Er zielt mehr auf unsere Haltung als auf unsere Taten ab. „Seid ihr bereit, das euch Anvertraute verantwortlich einzusetzen? Seid ihr bereit, euch für die leidenden Mitgeschöpfe so einzusetzen als ob ihr diese Leiden ertragen müsstet? Könnt ihr noch mitfühlen und Not lindern? Oder seid ihr auf dem Standpunkt: die sind doch selbst schuld. Not mit ansehen kann hart machen, Not mit ansehen kann zum Ausbrennen führen. Dagegen macht eine Liebesbeziehung zum „Erhalter“ der Welt und eine gesunde Selbsteinschätzung uns fähig, das rechte Maß der Aufopferung und die gesunde Einstellung zum Notleidenden zu finden. Dann geht es auch nicht mehr so sehr um uns; dann freuen wir uns gemeinsam an der Entropieverringerung; Gott Ich und der leidende Mensch.

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Jesaja 42,3a

Ein geknicktes Schilfrohr richtet sich nicht mehr auf. Es liegt am Boden. Taucht es ins Wasser, dann verfault es recht schnell. Es wird wertlos. Genauso erfüllt auch eine Kerze, die nur noch glimmt, nicht mehr ihren Dienst. Man löscht sie, wirft sie fort, holt aus der Schublade eine neue Kerze und zündet sie an.

Das Schwache, der Geknickte, das Glimmende hat in der Regel keine Chance mehr. Doch hier ist von jemandem die Rede, der das geknickte Rohr nicht zerbrechen wird, der den glimmenden Docht nicht aus­löschen wird. Hier handelt einer ganz anders als die Welt. Es ist unser Herr, der ganz anders handelt. Es ist Jesus, der geknickten Menschen wieder Hoffnung gibt und sie wieder aufrichtet. Jesus stellt auch einen Zachäus, der sich als ungerechter Zolleinnehmer an an­deren Menschen bereichert hat, wieder auf die Beine. Jesus stellt auch eine Ehebrecher­in, die von anderen Menschen zu Jesus herangezerrt wird, wieder auf die Beine. Jesus hört nicht auf, so zu handeln, selbst wenn er einem Ge­lähmten ge­gen­über­steht. Die Schöpfungskraft Jesu zeigt sich besonders stark, wenn ein Mensch, der seit Jahrzehnten nicht mehr laufen kann, von unserem Herrn auf die Beine gestellt wird.

Jesus sammelt die Geknickten und Glimmenden dieser Welt um sich herum. Er tut alles, dass Geknickte nicht zerbrochen werden, tut alles, dass Glimmende nicht ausgelöscht werden. Es ist ungeheuerlich, dass genau dieser wunderbare Herr von den Menschen verworfen und ge­tötet wird. Doch unser heutiger Text setzt sich so in der Bibel fort: „Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.“ Unser Vater im Himmel hat unseren gekreu­zigten Herrn schließlich von den Toten auferweckt und wieder auf die Beine gestellt. Das Aufrichten ist der Masterplan Gottes für eine gefallene Welt.

Danke, Herr, dass du auch mich aufgerichtet hast. Amen.

   Quelle: Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge. 2017, Freudenstadt: Fachverlag des IPP GbR, ISBN 978-3-943815-07-8 Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der IPP Fachverlags

Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. 1. Petrus 5,5

Demut – ein altes und unmodernes Wort. Wer kennt es oder benutzt es noch? – In einer individualistischen Gesellschaft steht das ICH im Vordergrund. Was tue ich für mich? Wie komme ich gut weg? Wie stehe ich gut da? Das sind Fragen, die Menschen heute bewegen. Und so begegnen wir tatsächlich vielen Menschen, die „groß“ von sich denken und „viel auf sich halten“. Die Luther-Bibel nennt sie „die Hochmütigen“ und andere Übersetzungen „die Überheblichen“ bzw. „die Stolzen“. Als Gegenstück zur Hochmut nennt uns die Bibel hier die Demut. Genau genommen steht an der Textstelle: „Alle aber miteinander bekleidet euch mit Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. (1.Petrus 5,5)

Demut ist also das, was Christen „kleidet“ bzw. „was ihnen steht“. Leider verbinden manche Christen mit dem Wort Demut eine falsch verstandenes Geringschätzen ihrer selbst im Sinne von „Ich bin nichts. Ich kann nichts“. Darum geht es bei dem Wort Demut nicht. Wir sind von Gott als sein Ebenbild geschaffen und wertgeschätzt. Die „Hoffnung für alle – Bibel“ übersetzt die Textstelle wie folgt: „Und für euch alle gilt: Euer Umgang miteinander soll von Bescheidenheit geprägt sein! Es heißt ja in der Heiligen Schrift: »Die Hochmütigen weist Gott von sich; aber er wendet denen seine Liebe zu, die wissen, dass sie ihn brauchen.“ Bescheiden von sich zu denken, bedeutet, dass ich um meine Grenzen weiß. Ich kenne meine Stärken und Schwächen. Ich weiß um meine eigene Bedürftigkeit vor Gott.

In der Beratung geht es häufig darum, dass Menschen angemessen von sich denken lernen. Genau dazu fordert uns dieser Bibelvers heraus. Demut spielt in der biblisch-therapeutischen Seelsorge eine wichtige Rolle, weil wir als Berater in dieser Hinsicht bewusst oder unbewusst für unsere Ratsuchenden ein Modell sind.

Wochenspruch 20. August 2017 von Rolande Galizzi

Glücklich das Volk, das den HERRN zum Gott hat, das er erwählt hat als sein Eigentum!     (Psalm 33,12)

Das Streben nach Glück!

Was macht glücklich?

Geld, Wohlstand, Genuss, materielle Gegenstände, gutes Leben, schmerzfrei sein, Freude, Lust usw.

Ist es nicht eine Tendenz von Menschen ersehnte Bedürfnisse zu erfüllen, die zu mehr Glück führen sollen? Könnte es sein, dass diese kurzzeitigen Glücksgefühle eine Ablenkung anbieten, um die wahre Befriedigung eines tieferen Verlangens zu erreichen, verhindern?

Und Gott wusste es doch schon! Nicht nur das, was dir momentan deine Bedürfnisse, deine Wünsche stillt, ist signifikant um glücklich zu werden sondern glücklich ist das Volk, das auf den Herrn sein Vertrauen setzt, ruft der Psalmist zur Erinnerung. Das Vertrauen, das den ganzen Mensch anregt, wenn es Raum im Leben bekommt. ICH habe mich für dich entschieden aus Liebe – einfach so!

Das Streben nach Akzeptanz!

Gesehen werden, ernstgenommen werden, gehört werden, Anerkennung bekommen für das, was ein Mensch leistet oder für das, was ein Mensch von sich gibt!

Im Rampenlicht mitten auf der Bühne zu stehen ist sicherlich nicht etwas, wonach sich jeder Mensch strebt. Dennoch Lob und Anerkennung stärkt, motiviert und erfreut. Wird das Streben nicht mit viel Kraft, Energie, Gedanken, Angst und Unsicherheit verbunden?

Und Gott wusste es doch schon! Nicht du hast mich gesucht, gesehen, nach mir verlangt, gehört und anerkannt für das was ICH bin, für das was ICH getan habe sondern ICH der Herr habe dich erwählt und bestimmt. ICH sehe dich, ICH nehme dich an aus Liebe – einfach so!

Das Streben nach Zugehörigkeit!

Kennen wir solche Situationen, nur ein Schatten unserer selbst zu sein? So gehemmt und angespannt bis zur Verkrampfung zu sein, wir wollen besonders gut sein und haben zugleich Angst, etwas falsch zu machen, falsche Worte zu sagen. Das Gefühl „nur geduldet“ zu sein überwältigt uns!

Und Gott wusste es doch schon! Die Beziehungen des Menschen zu seinen Mitmenschen ist der Dreh- und Angelpunkt seiner Existenz geworden. Wie gern möchten wir unsere Wünsche durch andere erfüllt bekommen. Damit kommen aber auch oft Enttäuschung und Misstrauen einher.

Können wir Gottes Stimme hören:

„Du, mein erwähltes Kind, du bist kein Außenseiter, du bist mein besondere Besitztum. ICH beobachte die Menschheit nicht, um sie in eine Falle zu stürzen! ICH gebe ihr ein Herz, das lieben lernen wird, wie ICH liebe. ICH bin die Quelle des glücklich sein, du (mein Volk) bist meine Freude“. ICH höre, ich gebe aus Liebe – einfach so!

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. (Lukas 12,48b)

In dieser Forderung Gottes geht es nicht um unsere Schuld. Der Schuld­brief gegen uns ist zerrissen, wenn wir Jesus angenommen haben.

Gott will vielmehr, dass die gute Saat, die er in uns gelegt hat, auf­geht. Gott will Ertrag sehen. Er will, dass das Kapital, das er in uns als seine Gemeinde gelegt hat, Zinsen trägt. Er will erleben, dass der gute Same, der in seine Gemeinde und unser Leben ausgesät ist, Frucht trägt.

Seiner Gemeinde hat Gott viel anvertraut und viel gegeben. Der Vater hat der Gemeinde seinen Sohn, Jesus Christus, als Haupt anver­traut. Und das muss auch so sein, sonst wären wir kopflos.

Und wer oder was ist nun die Saat, die Frucht tragen soll? – Jesus, er ist das Weizenkorn, das in den Boden der Gemeinde gefallen ist, das ge­storben ist und das nun viel Frucht tragen soll.

Jesus soll an uns, unserem Wesen, sichtbar werden. Und umso mehr Jesus in die Gemeinde und die einzelnen Menschen, die zu ihr gehören, hineingelegt hat, desto mehr wird er fordern.

Dabei hat Christus die Gemeinde geliebt und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen. Damit haben wir alles erhalten. Wol­len wir doch dann auch alles geben und nichts für uns zurückbehalten.

Herr! Du hast alles gegeben – dich selbst. Danke. Amen.

 

Quelle: Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge. 2017, Freudenstadt: Fachverlag des IPP GbR, ISBN 978-3-943815-07-8 Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der IPP Fachverlags

 Auch wenn es früher in Euch finster war, seid ihr jetzt vom Licht des Herrn erfüllt; deshalb lebt nun auch als Kinder des Lichts! Denn dieses Licht in Euch bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor. (Epheser 5, 8-9, NLB)

Auf den ersten Blick scheint alles klar zu sein: Früher, – also als die Adressaten des Briefes noch nicht gläubig waren – war es finster in ihnen. Jetzt – seit sie an Jesus gläubig sind – sind sie von Licht erfüllt. Also alles neu, hell und fehlerlos?

In gewisser Hinsicht ja: Ihre Position gegenüber Gott hat sich augenblicklich komplett verändert, vergleiche Joh. 1,12.

Die Aufforderung von Paulus hier: „Also lebt nun auch als Kinder des Lichts“ wäre unnötig, wenn sich ihre Psyche, d.h. ihr Denken, Fühlen und ihre Motivationen genauso plötzlich verwandelt hätten.

Bei Erstgesprächen mit Klienten, die gläubig sind, finde ich es daher immer wichtig, sie zu fragen, wie sie denn denken, wie die von ihnen gewünschte Veränderung erfolgen soll: Durch mich? Durch Gottes Handeln? Durch ihre eigene Anstrengung? Anhand von Ps. 18,30 und Röm. 12,2 lässt es sich gut erörtern, dass Gott sich zum einen freut, wenn wir gute Entscheidungen treffen und uns Mühe geben, die gesteckten Ziele zu erreichen. Genauso aber freut er sich, wenn wir ihn einbeziehen und um seine übernatürliche Hilfe bitten. Gott scheint ein echter Teamplayer zu sein!

Im Neun-Faktoren-Modell wird das schön verdeutlicht durch die kleinen, leicht zu übersehenden Pfeile, die auf die anderen Faktoren zeigen.

Dabei sollte die Kontingenz im Blick behalten werden, und zwar sowohl bei den Ratsuchenden, als auch bei mir selbst: Wie pflege ich zurzeit meine Beziehung zu Gott? Gebe ich diesem „Licht in mir“ auch Gelegenheit, mich zu erfüllen, mich zu „Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit“ zu inspirieren?

‚So seid Ihr also keine Fremden mehr, keine geduldeten Ausländer, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und gehört zur Familie Gottes.’ (Eph. 2, 19; nach NEU)

Europa und – wie mir scheint – besonders Deutschland hat ein besonderes Verhältnis zu Fremden und Ausländern. Erst Täter, viele mussten aus Deutschland fliehen. Millionen hatten es nicht geschafft und endeten in den Arbeitslagern und Gaskammern. Andere scheiterten an geschlossenen Grenzen zu Deutschland, die mit Waffengewalt verteidigt wurden. Später selbst Flucht und Vertreibung erlebt, grausame Winter, Hunger, Erniedrigung, Gewalt. Gefühl der Ohnmacht. Im neuen wirtschaftlichen Aufbruch Gast-Arbeiter gerufen. Es kamen Menschen. Es kamen Familien. Später weitere Wellen von Deutschen zurück in die Heimat, die Vorfahren vor vielen Generationen verlassen mussten. Auch aus Glaubensgründen. Zurück in die Heimat und dennoch wieder fremd.

Noch nie, so sagen Fachleute, habe es weltweit so viele Menschen auf der Flucht gegeben. Verfolgt aufgrund ethnischer Zugehörigkeiten, wegen ihres Glaubens, getrieben von wirtschaftlicher Not, vielleicht auch auf dem Weg als ‚Glücksritter’.

Aber selbst die, die hier in relativ sicheren Verhältnissen leben, sind ‚heimatlos’, sehnen sich nach Sinn, Erfüllung, Geborgenheit und wirklicher Heimat. Das größte Warenangebot unserer ‚Lebensmittel’geschäfte sind Genussmittel, keine Grundnahrungsmittel. Süßigkeiten, Alkohol, Knabbersachen. Sportgeschäfte und Fitnessstudios verkaufen ewige Jugend. Aber wir fahren bei jeder Gelegenheit mit dem Auto und dem Fahrstuhl. Für jeden Geschmack, für jede Sucht etwas. Unstet und ruhelos auf der Suche nach dem neuesten Kick. Die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden.

Ein Schrei nach Leben. Nach Ruhe. Nach Frieden. Nach Heimat. Nach Angekommen-Sein.

Etliche in meinem Freundeskreis, die ihre Heimat aufgrund ihres Glaubens verlassen mussten, z. B. Iran, Irak, ist der deutsche Pass das höchste Glück auf dieser Erde. Endlich Sicherheit, endlich Frieden, endlich Heimat… Das macht mich dankbar für unser Land. Und es tut mir immer mehr weh, wenn andere unser Land, auch Europa schlecht reden.

Um den Deutschen Pass zu erhalten, haben unsere neuen Freunde viel auf sich genommen, viel riskiert, … Ganz anders die ewige Heimat. Das Reich unseres himmlischen Vaters. Hierfür konnten weder wir noch unsere neuen Freunde einen eigenen Beitrag leisten. Der himmlische Pass wurde ihnen und uns geschenkt. Eigentlich wie auch mein eigener Deutscher Pass. Dafür konnte ich auch nichts tun. Ich habe mich nicht auf den Weg gemacht und mir meine deutschen Eltern ausgesucht.

Unsere neuen Freunde wollen unser Land mitgestalten. Sie wollen ein aktives Mitglied der Gesellschaft sein. Die Motivation: Dankbarkeit und von Gott in sie und uns gelegte schöpferische Kräfte. Aber in unserer Gesellschaft angekommen sind sie immer noch nicht wirklich.

Betrachten wir den Vers der Woche einmal aus der Perspektive des ABPS-Modells:

Der ‚grüne’ Hintergrund in unserem ABPS-Modell steht für das ‚Versetzen in das Reich von Jesus Christus’. Die ‚roten’ Felder für Sicherheit, Lebensmittel, Wohnung, Kleidung und medizinischer Versorgung. Die ‚blauen’ Felder bedürfen einer näheren Betrachtung:

‚Lernen durch Einsicht’ ist auf beiden Seiten notwendig, um kulturelle Schranken zu überwinden. Bewahren, was bewahrenswert ist. Aber auch ‚Abschneiden alter Zöpfe’. Welcher kulturelle Aspekt stellt einen allgemeinen Wert dar, für den es auch eine biblische Grundlage gibt. Welcher ist ‚Folklore’, welcher nur ein Schutzwall ohne eigentlichen Wert.

‚Lernen durch Konditionieren’: Reflexe wie typisch deutsch oder typisch arabisch oder … gehören auf den Prüfstand. Neu Konditionieren ist für das ein oder andere Reiz-Reflexions-Schema angesagt, wenn uns ‚Einsicht’ etwas Neues lehrte.

‚Lernen im System, am Modell’: Weder Rückzug in Getthos noch Verbannung in solche helfen weiter. Als unsere Gemeinde auf Bitten der Stadt die Verantwortung für ein Flüchtlingsheim in unmittelbarer Nähe unseres Gemeindehauses übernahm, stieß uns manches unangenehm auf. Bis einer mal sagte, hat jemand schon einmal vermittelt, was Deutschen, was uns wichtig und ‚wert’ ist? Und haben wir schon einmal hinterfragt, ob diese ‚Werte’ es auch ‚wert sind’?

In Deutschland und Europa ist viel von Bewahrung unserer Werte die Rede. Freiheit. Gleichheit. Menschenrechte. Ja, aber kaum einer spricht von den Wurzeln unserer Werte: Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser und Herr, Quelle der Liebe. Das ist die Wurzel unserer Werte. Werden die Wurzeln eines Baumes nicht genährt, vertrocknen die Früchte und fallen mit den Blättern ab.

Gott hat uns nicht ohne Grund zwei Beine gegeben: Ein ‚Standbein’. Fest auf dem Grund der Wurzel unserer Werte in Deutschland, der Liebe Jesus Christi. Der Boden für dieses Standbein ist bereits die ewige Heimat. Und ein seelsorgerliches Bein hat uns Gott gegeben, das ‚Spielbein’. Mit dem gehen wir in dieser Welt auf die zu, die unsere Hilfe benötigen. Ich bin froh, dass es für diese praktische Seite bei der BTS gute Literatur gibt: ‚Integration von asylberechtigten Menschen’ von Nadia Mizziani (Hrsg. Michael Dieterich).

Gott sei Dank, dass er uns den himmlischen Pass gegeben hat. Wir haben damit eine ‚doppelte Staatsbürgerschaft’. Nämlich im Himmel und in der Welt, in Deutschland, der Schweiz oder Österreich oder … Aber eine doppelte Staatsbürgerschaft in ganz anderem als dem üblichen Sinne: unseren Mitmenschen dienen. Aus der Autorität der himmlischen Staatsbürgerschaft. Aus Dankbarkeit.

 

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Jesaja 43,1

Dieses Wort verspricht die Nähe deines Herrn, der dich kennt, deinen Namen nennt und dich erlöst. An der Seite dieses starken Herrn kann man es wagen, zu leben.

So vieles will unser Leben bedrohen, so viele Gefahren lauern. Jesaja benennt ein paar dieser Gefahren: tiefe Wasser, fortreißende Ströme und Feuer. Vielleicht kannst du in deinem Leben die Liste fortsetzen: bedrohliche Arbeitskollegen, kranke Nachbarn, ver­ständnislose Ge­schwis­ter in der Familie oder auch in der Gemeinde. Dazu mögen auch noch Sorgen um die eigenen Finanzen oder deine körperliche Unver­sehrt­heit in einer gewalt­tätigen Umwelt kommen.

Dem Retter und Erlöser namentlich bekannt zu sein, macht die Seele still und gefasst. Und mehr noch: als Kind Gottes hat der Herr dei­nen Namen auch in das Buch des Lebens geschrieben. Ja, im Himmel gibt es sogar eine gut gesicherte Datenbank – davon bin ich über­zeugt – die auch die schönen Momente deines Lebens bewahrt. Nichts Schö­nes, keine wertvolle Erinnerung, kein erhebendes Erlebnis geht vor dem Thron Gottes jemals verloren.

Deshalb brauchen wir niemals wehmütig oder furchtsam auf unser Leben zurück­schauen. Wir brauchen uns an kein Andenken zu klam­mern. Nichts geht verloren. Alles wird bei unserem Erlöser bewahrt: Name, Stammdaten, Vorlieben, schöne Erin­nerungen. Denn du bist sein. Du darfst Jesu Eigentum sein. Und über sein Eigentum wacht Gott zuverlässig und sicher.

Ich gehöre dir, Herr. Ich bin dein Kind und Eigentum. Amen.

 

Quelle: Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge. 2017, Freudenstadt: Fachverlag des IPP GbR, ISBN 978-3-943815-07-8 Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der IPP Fachverlags

Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft – Gott hat es geschenkt – (Epheser 2,8)

 

Ein Geschenk! Kann es sein, dass es nicht immer einfach ist, es anzunehmen? Dadurch werden wir gesehen wenn wir uns lieber nicht sehen lassen wollen.

Ein Geschenk! Kann es sein, dass wir davon nicht genug bekommen: gesehen zu werden, angenommen zu werden, gehört zu werden, dazu zu gehören?

Ein Geschenk! Kann es sein, dass wir uns hemmen es anzunehmen denn eine Gegenleistung könnte erwartet werden?

Gerettet aus dem alten System,  einst…

…wart ihr begierig nach Anerkennung, Lob, Macht, Besitz, Selbstverwirklichung.

…hatten die Triebe des Leibes, die Statussymbole und die Gedanken, Orientierung, Inhalt und Sinn eurem Leben gegeben.

Gott aber…

…hat sich erbarmt und seine „poiema“ (kreative Kunstwerke) geliebt und lebendig gemacht.

…hat den Weg der Krisensituationen aufgedeckt.

…hat den Weg der Hoffnung gebahnt.

…hat den Weg des Ist-Zustand zum Soll-Zustand vorbereitet: ein Geschenk!

Willkommen im neuen System, jetzt…

…habt ihr neue Schritte gewagt durch Sündenerkenntnis- und Bekenntnis.

…habt ihr das Geschenk der Vergebung angenommen.

…könnt ihr mit der Hand des Herzens (durch den Glauben) die Gnade Gottes begreifen.

…seid ihr befreit von kraftvollen Bemühungen, Gott zu beeindrucken.

…seid ihr frei von Gedanken die euch gefangen hielten.

…seid ihr zu neuem Leben erwacht.

…könnt ihr eure Sinne erneuern.

…lernt ihr neue Ziele zu beschreiben und zu praktizieren.

…erfahrt ihr Heilung.

Die Gnade Gottes gibt, die Gnade Gottes ist soterios (heilbringend).

 

„Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Galater 6,2)

 

Der Auftrag der BTS ist die Seelsorge.

Dieser berühmte Vers aus dem Galaterbrief bringt Seelsorge auf den Punkt. In einem Satz fasst Paulus zusammen, was das Gesetz Christi erfüllt, nämlich dass einer des anderen Last trage.

Was heißt das? Wir werden dem entsprechen, was Jesus Christus von uns will, wenn wir uns umeinander kümmern. Wir können, wir müssen dabei in die Schule Jesu gehen. Denn, man kann es mit dem Kümmern auch übertreiben.

Wie macht Jesus das?

  • Er sieht den Menschen an. An anderer Stelle heißt es, „es erbarmt ihn (Jesus). Jesus schaut hin. Jesus schaut wirklich hin. Er sieht dahinter. Jesus sieht dem Menschen ins Herz.
  • Jesus fordert in der Regel die Aktivität des anderen ein. Der Empfänger der Hilfe wird nicht zur Passivität gedrängt, sondern muss sich am Geschehen der Veränderung beteiligen.
  • Jesus fragt immer wieder nach, was denn der andere nun will oder bereit ist einzubringen. Er eilt dem anderen nicht voraus. Ein wichtiger Aspekt der Aktivierung und der Klärung im Geschehen des Helfens und des Tragens.
  • Jesus ist natürlich letztlich frei von all diesen Schablonen, die ich hier aufzähle, und verhält sich hier und da auch anders. Dennoch glaube ich, dass wir gewisse Regelhaftigkeiten des Lastentragens bei Jesus abschauen können.
  • Beispielsweise dass Jesus dem Hilfebedürftigen stets so begegnet, dass dieser seine Würde erhält bzw. dessen Würde wiederhergestellt wird.
  • Jesus hat gedient, aber sich manchmal auch unterstützen lassen. Er war auch bedürftig, als er beispielsweise im Garten Gethsemane in all seiner Not um Unterstützung durch die Jünger bat.Bonhoeffer schreibt in „Nachfolge“ dass Gott ein Gott des Tragens ist. So ist es. Er trägt uns und stattet uns aus, andere zu tragen, manchmal auch zu ertragen. Und wir sollen auch von anderen empfangen dürfen. So klappt es, dass wir bei allem Lasten tragen nicht ins Burnout geraten.
  • Wen kannst Du unterstützen, wessen Last kannst Du erleichtern? Und von wem lässt Du dir dienen in deiner Bedürftigkeit und Not?
  • „Einer tage des anderen Last“ bedeutet in diesem Sinne, dass Seelsorge keine Einbahn- sondern eine Zweibahnstraße ist. Wir erfüllen das Gesetz Christi, wenn wir geben, unterstützen und mittragen, aber auch uns tragen lassen und ebenfalls zu Empfängern der Unterstützung werden.

„Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und Urteilsvermögen.“ (Phil. 1,9)

Wofür betet Paulus hier eigentlich?

Paulus hat die Qualität der Liebe im Blick, zunächst die der Philipper, aber sicher auch allgemein die Liebe aller Christen. Kein: „ Piep, Piep, Piep, wir haben uns alle lieb!“

Paulus spricht von einer Liebe, die gegründet ist in Erkenntnis, Erfahrung und Urteilsvermögen. Das ist keine blinde oder naive Liebe, sondern eine Liebe, die hinschaut und Durchblick hat.

Ganz ehrlich, ich bin schon so manches Mal froh gewesen, dass ich mich einfach aus Liebe eingelassen habe, ohne im Voraus gewusst zu haben, worauf ich mich eigentlich einlasse. Ich musste dann oft im Nachgang um diese Liebe ringen, von der Paulus hier spricht. Eine Liebe, die durchhält, die dennoch liebt, die dran bleibt am anderen, trotz gemachter Erfahrungen, trotz Erkenntnis und Neubeurteilung.

Ich hoffe das ist kein Widerspruch, sondern eine Ergänzung. Sich vertrauensvoll, liebend einzulassen auf Menschen und gleichzeitig zu wissen: meine Liebe kann immer auch an Grenzen stoßen, die ich mir von Christus erweitern lassen darf und will. Dafür brauche ich manchmal das Gebet anderer.

Überall da, wo Menschen miteinander unterwegs sind, in der Beratung, in Freundschaften, ganz besonders übrigens auch in der Ehe, braucht es Liebe mit Qualität.

Paulus wünscht uns darüber hinaus eine Liebe, die in der Lage ist zu prüfen worauf es ankommt, worauf es geistlich ankommt. Ein Leben zu führen, zur Ehre und zum Lob Gottes.

Es kommt auf die Liebe an – denn Christus hat uns zuerst geliebt!

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28)

Stellen wir uns diese Einladung auf einem Werbeplakat vor: Ein Gratis-Wellnesspaket für ausgebrannte Seelen!

Bisher bin ich noch auf kein vergleichbares Angebot gestoßen. Menschen in unserer Gesellschaft sind bereit, Unsummen für Wellness in allen möglichen Formen auszugeben. Man müsste meinen, Jesus könnte sich nicht retten vor Menschen, die dieses einmalige Angebot annehmen!

Die Realität zeigt jedoch das Gegenteil. Und es ist in unserer Zeit nicht anders als zu Jesu Lebzeiten auf der Erde: Die Menschen lehnten Jesus und sein Angebot ab, weil sie eigene Vorstellungen vom Leben hatten, die sich nicht mit denen eines lebendigen Gottes deckten. Jesu Einladung geht noch weiter: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Joch klingt in unseren Ohren nach Druck und Unterordnung. Sanftmut und Demut wurden, soweit ich weiß, noch nie zum „Wort des Jahres“ gekürt. Und so verliert das Angebot Jesu an Attraktivität, weil man zwar Erquickung haben möchte, doch ohne sich IHM unterzuordnen.

Menschen in unserer Zeit kümmern sich vorrangig um Soma und Psyche und deren Wohlbefinden, doch was ist mit Pneuma? Jesus bietet ganzheitliche Erquickung und Heilwerden an, im Sinne von „Soteriogenese“. „Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden?“ (Markus 8,36)

In unserer Aufgabe als Seelsorger begegnen wir täglich „mühseligen und beladenen“ Menschen. Wir selbst können unseren Ratsuchenden diese „Erquickung“ nicht geben, aber wir können sie hinweisen auf unseren guten Herrn, der besser weiß, was sie brauchen, als sie selbst.

Wenn wir selbst zu ihm gekommen sind und diese Erquickung erfahren haben, dann sind wir auch fähig, unsere Ratsuchenden dahin zu begleiten, wo sie echte Erquickung erleben können.

„Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ (Lukas 10, 16)

 In Kapitel 9 lesen wir, dass Jesus seine zwölf Jüjnger zusammenrief und er gab ihnen Gewalt und Macht über alle Dämonen und dass sie Krankheiten heilen konnten und sandte sie aus, zu predigen das Reich Gottes und zu heilen die Kranken. (Lk. 9,1-2)

In Kapitel 10 geht sein Sendungsauftrag an weitere 72 Menschen, die ihm nachfolgen wollten und er sandte sie je zwei und zwei vor sich her in alle Städte und Orte, wohin er gehen wollte und sprach zu ihnen: Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte. (Lk. 10,1-2)

Es geht in diesem Wochenvers um den Sendungsauftrag Gottes. Da muss ich mich fragen, was hören die Menschen, – durch mich -, wenn ich zu ihnen spreche. Hören sie von Jesus? Ich mag daran zweifeln und mich nicht als ein wortgewaltiger Prediger fühlen, das waren seine Jünger auch nicht alle. Sie waren aber gehorsam und vertrauten ihm, dass er sie ermächtigen würde, in dem Augenblick, wenn es darauf ankam, sein Wort zu sprechen. Das wussten sie aber nicht vorher, sondern erlebten es erst im Gehen. Das ist ein unvorstellbarer Gedanke, dass Gott uns gebrauchen will, im Alltag, in unseren beruflichen Verpflichtungen, in der Familie und im Freundeskreis, immer dann wenn wir für ihn unterwegs sein wollen. Es braucht Mut, darauf zu vertrauen, dass unsere Worte und manchmal unser Schweigen ein Fingerzeig für unseren Herrn sind. Gott traut uns mehr zu als wir uns selbst, wenn wir nur daran glauben wollen. Es braucht Demut anzuerkennen, dass andere Menschen durch uns Gott hören können. Wir sind seine Werkzeuge, auch dann wenn es uns nicht bewusst ist….. oder vielleicht gerade dann erst recht!

„…und wer euch verachtet, der verachtet mich“. Wir sind nicht gesandt, um mit Menschen zu streiten, wenn sie unsere Gute Nachricht nicht hören wollen. Ihre Ablehnung gilt niemals uns, sondern unserem Herrn. Dieser Satz macht mich frei, ich muss mich nicht rechtfertigen, ich muss Kritik nicht persönlich nehmen, ich muss nicht besser argumentieren können, ich muss mir keine Gedanken machen, ob ich überhaupt etwas über meinen Glauben hätte sagen sollen. Ich darf aber wissen, dass die Ablehnung der Menschen gegen unseren Herrn gerichtet ist, wenn sie sein Wort nicht hören wollen. Dann darf ich auch all meinen Groll gegenüber diesen Menschen an Gott abgeben und mich nicht von den Gedanken ersticken lassen, dass ich sie nicht überzeugen konnte. Ich will unterwegs sein, stets bereit die Wahrheit zu sprechen und meinen Auftrag erfüllen. Ich muss nur gehen, so wie die 72 Menschen, die ihm nachfolgen wollten und mich von meinem Herrn ermächtigen lassen. Er lässt uns nie im Stich.

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. (Jesaja 6,3)

Können wir uns diesen Mann Jesaja als Bild vorstellen, in dem Jahr von Usijas Tod, als der mächtige König und Feldherr abberufen und er zum Propheten berufen wurde?

Er stellt sich Gott zur Verfügung und macht sich auf dem Weg, spricht Worte der Hoffnung und des Trostes.

Jesaja beschreibt, dass er Gott sieht. (Es handelt sich um Theophanie= die Erscheinung Gottes).

Gott zeigt sich im Tempel auf dem hohen und erhabenen Thron sitzend. Der Saum seines Gewandes erfüllt der Tempel.

Jesaja beschreibt das, was er in der Nähe Gottes sieht. Er ist von Engeln umgeben. Sie stehen über Gott, decken sich mit zwei Flügeln das Gesicht zu, mit zwei Flügeln die Füße und mit zwei Flügeln fliegen sie.

Jesaja beschreibt das, was er hört.

Die Engel berichten von Gottes Heiligkeit. Sie loben Gott und rufen sich gegenseitig zu: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.

Ist diese Beschreibung nicht ein Bild das Mut macht, dass wir in der majestätischen Gegenwart Gottes sein dürfen?

Das beschriebene Bild ist eine Realität, die wir in unruhigen Zeiten schnell vergessen. Braucht unsere Wirklichkeit nicht immer wieder einen neue Bewertung, einen Perspektivenwechsel, ein Refraiming?

Gott lässt es zu, dass wir uns auf seine Heiligkeit fokussieren indem Er sich zeigt.

Er teilt seinem majestätischen Ausblick auf den Himmel, weil Er uns für würdig erklärt.

Seine Gedanken über uns sind Gedanken des Friedens und des Wohlergehens und der gesunden körperlichen und seelischen (Nefesh) Befindlichkeit.

Ich bin der Herr, dein Gott, von Ägyptenland her. Einen Gott neben mir kennst du nicht, und keinen Heiland als allein mich. Hosea 13,4

Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. 1. Johannes 4, 13-14

Manchmal ist das Wort Gottes mehrdeutig. Dann dürfen wir dies nicht vereinseitigen. Andererseits ist die Bibel an bestimmten Stellen vollkommen eindeutig. Dies dürfen wir dann wiederum nicht in die Mehrdeutigkeit zerren. Unser Text ist total eindeutig. Gott duldet keinen anderen Gott neben sich. Und Jesus ist der Heiland der Welt. Jesus ist der Retter. Sonst gibt es keinen Retter. Es gibt keinen Weg zu Gott, es gibt keinen Weg zur Erlösung und zur Errettung denn durch Jesus Christus.

Das ist für unsere modernen Ohren sperrig. Nur eine Option, nur ein Weg zum Heil. Durch Jesus. In einer multioptionalen Welt ist dies eine Zumutung. Es war allerdings schon immer eine Zumutung für die Welt, zu allen Zeiten.

Dabei ist es genau das Gegenteil von Zumutung – es ist Ausdruck echter und unüberbietbarer Liebe Gottes zu den Menschen, genau diesen enggeführten Weg zum Heil über Jesus so gewählt zu haben. Solange wir blind sind für unsere Verlorenheit ohne Gott, solange können wir nicht verstehen was am Kreuz von Golgatha für uns geschehen ist. Solange wir nicht verstanden haben, wie elend unser Leben ohne Gott ist, muss das ganze Evangelium eine Torheit, eine Dummheit für uns sein. Quatsch.

Wenn Gott uns aber die Augen öffnet über uns selbst, über unsere Verlorenheit in und an dieser Welt, dann erschließt sich uns die Liebe Gottes zu uns und der Sinn in allem was das Evangelium uns zuspricht bzw. von uns fordert. Das macht Gott durch seinen guten Geist. Er nimmt den Schleier von uns. Und der Geist Gottes ist unser Tröster, der unserem eigenen Denken auf die Sprünge hilft.

Keine Psychologie und Psychotherapie kann leisten, was das Evangelium zu leisten im Stande ist. Erlösung. Vergebung unserer Sünden. Frieden mit Gott (und damit auch mit uns selbst). Perspektive für dieses Leben vor dem Hintergrund der Ewigkeit. Gibt es irgend etwas besseres, ein lohnenderes Ziel für unser Leben ? All unsere Seelsorge muss diesen inneren Ziehpunkt haben. Auf Christus zu, von Christus her. Auch die Seelsorge an uns selbst. Gott lädt uns unablässig ein. Mensch lass Dich einladen.

„Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle nachziehen“. (Übers. Berger/Nord). Mit diesen Worten deutete Jesus an, auf welche Weise er sterben würde. (Joh. 12, 32-33)

Die Worte Jesu stammen aus einem Gespräch mit seinen Jüngern und mit Pilgern aus Griechenland, die zum Passahfest nach Jerusalem kamen und Jesus sehen wollten. Aber auch viele jüdische Bürger waren anwesend. Denn erst vor kurzer Zeit hatte Jesus den Lazarus vom Tode auferweckt. Ja, wer vom Tod erwecken kann, der ist der wahrhaftige Repräsentant Gottes und der Besieger Satans. Diesen Mann wollten alle sehen und hören. Sie wollten an diesem außerordentlichen Geschehen teilhaben.

Aber die Herrlichkeit Jesu sieht anders aus, als Menschen es sich vorstellen. Jesus spricht vom Sterben des Weizenkorns, das nur durch den Tod viel Frucht bringt. Und er meint damit seinen eigenen Tod. Nur durch Loslassen und Hingabe entsteht neues Leben. Das ist auch Jesu Botschaft an alle seine Jünger bis auf den heutigen Tag. Wer Jesu nachfolgt, wird mit Jesus auch sein Geschick teilen. Was könnte es bedeuten für uns? Loslassen, was Jesus nicht ehrt. Das könnten überzogene Strebungen sein, Selbstsucht, sich in allem anpassen an den Zeitgeist u.a. Sterben kann auch bedeuten, auf sein Recht oder seinen guten Ruf verzichten, wenn es um Jesu willen geschieht.

Jesus ist seinen Weg konsequent bis zum fürchterlichsten Tod gegangen aus Gehorsam seinem Vater gegenüber und aus Liebe zu den Menschen. Dafür wird er von Gott vor den Menschen durch seine Auferstehung geehrt. Er allein kann Menschen zu sich ziehen. So sind sein Tod und seine Auferstehung ein unerhörtes Geschehen, das uns Menschen die Tür zur ewigen Herrlichkeit geöffnet hat.

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir nimmt“  (Psalm 66,20)

 Es gibt Augenblicke in meinem Leben, an denen ich mir nicht immer ganz sicher bin, ob Gott mein Gebet wirklich hört und ob er es gut mit mir meint. Meine Gefühle schreien laut und Gott scheint in weiter Ferne zu sein. Kennen Sie solche Gedanken? Gedanken bohren sich langsam in uns ein und wenden sich wie eine Spirale, die uns all das vergessen lässt, was uns an anderen Tagen Mut gemacht hat.

Gedanken – sie können Macht über meine Gefühle und über meine Wahrnehmungen haben, ….wenn ich ihnen nicht widerspreche. Eine ganz praktische Anleitung dazu finden wir im heutigen Wochenspruch. Er soll uns zeigen, dass wir unseren manchmal verirrten Gedanken nicht ausgeliefert sein müssen, wenn wir uns an die zeitlosen Zusagen aus diesem Psalm erinnern und in unserem Denken manifestieren.

Gelobt sei Gott“…. unabhängig davon, wie es mir gerade geht. In einer schwierigen Situation mit diesem Lobpreis zu beginnen heißt nicht einfach leichtfertig zu glauben, dass es Gott egal ist, in welcher Not ich mich gerade befinde. Dieser Lobpreis ändert meinen Blickwinkel, weg von mir und meinen scheinbar unüberwindbaren Hindernissen, hin zu meinem Bekenntnis, dass Gott auch für mich immer noch derselbe ist, gestern, heute und auch morgen (Hebr.13,8). Mein Lobpreis zu ihm zieht mich nach oben.

„…der mein Gebet nicht verwirft….“ Auch dann nicht, wenn ich ihn schon so häufig um etwas gebeten habe. Wenn wir zu Gott schreien, wenn wir ihm klagen und ihn um etwas bitten, dann sieht er nicht zuallererst das Objekt unserer Begierde, sondern er sieht uns selbst…an. Er sieht unser Verlangen, in einer Beziehung zu ihm zu stehen und er sieht unsere Hoffnung auf Ihn, dass er in meinem Leben eingreifen darf. Dann kann ich mit großer Zuversicht sagen, dass Gott mein Gebet niemals verwirft.

„…noch seine Güte von mir nimmt“ – in diesem einen Wort „Güte“ steckt all das, was Gott über seine Beziehung zu uns zum Ausdruck bringen möchte. Es ist sein Wunsch, uns mit seiner Liebe, Gnade, Freundlichkeit, Wohltätigkeit, guten Willen, Gefallen, Treue an jedem neuen Tag zu beschenken. In seiner Güte gibt er uns Antwort auf unsere Beziehung zu ihm. ER entzieht sich uns niemals.

In meinem stillen Lobpreis, in der absoluten Gewissheit dass Er mein Gebet hört und in dem Zuspruch Seiner unendlichen Fürsorge um mein Leben kann ich meinen verirrten Gedanken widersprechen, denn Sein Wort ist wahrhaftig und es bringt jedes andere Gefühl zum Schweigen.

„Die Güte des Herrn hat kein Ende, sein Erbarmen hört niemals auf, es ist jeden Morgen neu! Groß ist deine Treue, o Herr! (Klagelieder 3:22-23)

Ich will euch annehmen zu meinem Volk und will euer Gott sein.  (2. Mose 6,7)

Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch! (1. Johannes 3,1)

Können wir es so erfassen, dass Gottes Entschlossenheit und glorreiche Versprechung für uns Heilung, Hoffnung und Zukunft bedeuten?

Gottes Entscheidung „ICH WILL“ euch achten; „ICH WILL“ meine Liebe in euch ausgießen; seine Sehnsucht mit uns in Beziehung zu kommen, mit uns auf dem Weg zu sein, sind Aspekte seiner Identität.

Gott bekennt sich als unser Gott und nennt uns seine Kinder.

Kann es sein, dass Gott uns durch diese Bejahung unseren Selbstwert, unsere Selbstachtung stärken will? Können wir es so verstehen, dass Gott sagt: „Ja, ICH WILL, dass du Wer(t) bist!“.

Gott glaubt an uns und an unsere Fähigkeit, Ihn anzunehmen.

Gott kommt an sein Ziel, löst in uns den Wunsch der Veränderung aus, gibt uns Seine Gedanken, bietet eine andere Art von Freundschaft an, hilft uns dabei, in der von ihm angebotenen Beziehung zu Ihm zu bleiben. Er verstärkt seine Beziehung zu uns dadurch, dass wir das Vorrecht haben, seinen Name zu tragen: wir sind seine Kinder! Seine Sehnsucht nach uns lässt nie nach!

Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

Den gegenteiligen Effekt kennen wir nur zu gut: Das Neue ist vergangen, siehe alles ist alt geworden. Das ist der Gang der Welt. Aber hier ist nun von einer Gegenbewegung die Rede. Das Alte vergeht. Neues wird. Diese Bewegung ist so ganz gegen jede Entropie, nach der alles altert und die Unordnung größer und größer wird. Wie wird diese Gegenbewegung eingeleitet und gefördert? Alles geschieht in Christus. Das ist das Geheimnis. Von Jesus geht diese starke Kraft aus, in der Altes vergeht und Neues wird. Es geschieht in der Nachfolge. Es geschieht im Vertrauen, in der Verbundenheit und im Glauben. Diese Kraft fließt aus Jesus in uns, um unsere Ansichten, unsere Einstellungen, unser Denken, Sprechen und Handeln zu verändern. Veränderung kommt ganz automatisch in Gottes Gegenwart. Der Beginn des neuen Lebens in Christus ist ein tiefer Einschnitt im Leben eines Menschen. Zunächst einmal wird alles auf eine neue Grundlage – ein neues Fundament – gestellt. Dieses Fundament ist Christus selbst. Und was wird nun am Lebensbau auf diesem Fundament neu? Vor allem kommt es zu einer neuen Gewissheit: Gott liebt mich. Ja, ich werde geliebt. Ich muss nicht mehr um Liebe kämpfen. Gott schenkt sie mir. Aus Gnade. Und ganz bedingungslos. Und dann werde ich ein Gotteskind. Das ist dann neu. In dieser Gotteskindschaft wird vieles Alte abgelegt: Hass, Vergeltung und Zorn. Denn das sind Gefühle, die zu dem zarten Gefühl, geliebt zu werden, ganz und gar nicht passen. Gottes Zärtlichkeit ändert uns so ganz und gar. Das Alte vergeht. Neues wird. In Christus.

Danke für das Leben, das du gibst, mein Herr. Amen.

Aus: Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge. Freudenstadt: Fachverlag des IPP GbR, 2017. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Fachverlags des IPP.

Christus spricht: ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.   (Joh. 10,11.27.28)

Ich bin doch kein blödes Schaf! Mit dieser Überzeugung verließ der Theologiestudent die Universität.

Bin ich ein blödes Schaf, wenn ich einen guten Hirten kenne und mich ihm anvertraue? Einen Hirten, der mit seinen „Schafen“ redet und ihnen zuhört, der ihnen Halt und Orientierung gibt in einer Welt, die sich zunehmend selbst in Frage stellt. Das Wissen um den Hirten ist zu wenig, nur die Verbundenheit mit ihm schenkt Leben. Diese Beziehung zu dem guten Hirten und ganz starken Helfer wurde schon König David zu einem Halt, als er ins Bodenlose zu versinken drohte. Seine feste Gewissheit, die er mit den Worten „DU bist bei mir“ im Psalm 23 zum Ausdruck bringt, wurde und ist für unzählige Menschen ein Fels unter den Füßen, um in ihren Ängsten, Depressionen und vielfältigen Nöten nicht in Hoffnungslosigkeit versinken zu müssen. Dieses DU ist kein unbekanntes Etwas. Dieses DU hat einen Namen. Es ist der, der von sich sagt: ICH, Jesus Christus, bin es, der dich kennt, der weiß was für dich gut und notwendig ist. In dieser Zeit und in Ewigkeit, in der keine Entropie mehr sein wird, sondern unvergängliches Leben.

Auch ich will heute und am Ende nicht der sein, der das kostbarste versäumt.

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Amen.

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten (1.Petrus 1,3)

Vor wenigen Tagen haben sich weltweit Christen an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten erinnert. Das Kreuz und die Auferstehung sind die zentralen Ereignisse, auf die sich unser Glaube gründet. Paulus beschreibt in 1.Korinther 15,17 den Fall, wenn Christus nicht auferstanden wäre: „Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig.“

Welche Folgen hat nun die Auferstehung für unser Leben? Vielleicht können wir unser ABPS-Modell zu Hilfe nehmen.

Wenn wir die Auferstehung Jesu Christi als Auslöser betrachten, dann ist die Folge davon die Wiedergeburt, die nur auf der Grundlage der Auferstehung möglich geworden ist. Unser Zustand ist jetzt, als Wiedergeborene „in einem neuen Leben zu wandeln“, wie es in Römer 6,4 heißt.

Und was ist die Konsequenz der Wiedergeburt? Eine lebendige Hoffnung! Diese Hoffnung wird im folgenden Vers genauer beschrieben: “ein unvergängliches und unbeflecktes und unverwelkliches Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel“

Wenn uns diese Bedeutung bewusst wird, dann stimmen wir mit Petrus in sein Lob ein: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus!“

Erklären und verstehen kann man das nicht – Gottes Plan ist begründet „auf seiner großen Barmherzigkeit“.

Was hat Gott uns durch seinen Sohn alles geschenkt!

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offenbarung 1,18)

Kennst Du den, der den Schlüssel hat?

Der Tod ist etwas, mit dem wir uns nicht gerne beschäftigen. Viele Menschen haben Angst davor. Ist der Tod die Endstation? Gibt es etwas nach dem Tod? Gefühle und Fragen wie diese werden häufig ins Abseits geschoben. Manchmal tauchen Sie in der Seelsorge wieder auf. Sie kommen offen zur Sprache oder verstecken sich z.B. in einer Panikstörung.

Es ist gut, dass wir als biblisch-therapeutische Seelsorger Antworten dazu in der Bibel finden. –

Jesus Christus selbst hat den Weg durch den Tod zum ewigen Leben gebahnt. An Karfreitag und Ostern machen wir uns das bewusst. Jesus hat dem Feind Gottes keinerlei Recht auf sich gegeben, weil er als Einziger ohne Sünde war, als er starb (dazu Römer 6,23). Deshalb hatte der Feind mit Tod und Hölle auch keine Macht über ihn. Jesus kennt „das Gefängnis des Todes“, aber er hat nun den Schlüssel für die Hintertür, die er für die Seinen aufschließt. Der Tod ist damit für uns Christen nur noch ein kleiner Durchgang, ein dunkler zwar, aber Du kannst rasch hindurchgehen, wenn Du zu Jesus gehörst.

Paul Gerhardt bezeugt dies in einem Lied: „Ich hang und bleib auch hangen an Christus als ein Glied, wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit. Er reißet durch den Tod, durch Welt, durch Sünd, durch Not, er reißet durch die Höll, ich bin stets sein Gesell“.

Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Joh.3, 14-15

„Verstehst Du, was Du liest?“, wird der Finanzminister Äthiopiens gefragt, als er stirnrunzelnd in das Buch des Propheten Jesaja vertieft war. Vieles in dem Bibelvers für diese Woche ist Menschen unserer Zeit auch unverständlich. Und das trifft nicht nur Migranten und Asylanten, auch unsere Nachbarn, unsere Kollegen, unsere Gesellschaft selbst. Damals erklärte Philip dem Finanzminister, worum, genauer: um wen es geht.

Unser Seelsorge-Konzept ABPS® ist keine Geheimwissenschaft; wir bekennen uns zu Didaktik und erklären. Gehen wir mal an diesen Text ‚diagnostisch’ mit unseren ‚W-Fragen’ heran – wer, was, wann, wo, wer war dabei – :

Wer spricht hier? Jesus selbst spricht. Er nennt sich ‚Menschensohn’. Eine uns fremd oder gar komisch erscheinende Selbst-Bezeichnung. ‚Menschensohn’ kommt in der Bibel, genauer im Alten Testament, sehr oft vor. Vielfach steht auch statt dieser Bezeichnung eine andere: ‚Menschenkind’. Z. B. in dem Buch des Propheten Hesekiel. Wenn dort Gott zu Hesekiel spricht und ihm Botschaften für das Volk Israel gibt, spricht ihn Gott als ‚Menschenkind’ an. In unserer Kultur und Sprache würden wir sagen: „Du, Hesekiel, hör mal zu, …“. Ist Jesus also eine Reinkarnation des Propheten Hesekiel? Nein. Jesus bezieht sich auf eine andere Stelle in der Bibel: Der Prophet Daniel berichtet im 3. Kapitel seines Buches von einer Vision: Ich sah jemanden, der kam mit den Wolken des Himmels und sah aus wie eines Menschen Sohn. Über diesen ‚Menschensohn’ heißt es weiter: Ihm wurden Herrschermacht, Ehre und das Königreich verliehen. … Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die niemals vergehen wird. … Fromme Juden sahen und sehen in dieser Stelle die Ankündigung des kommenden Messias. Jesus gibt sich als der Messias zu erkennen.

Um was geht es? Da müssen wir wohl mehrere Punkte beleuchten. Jesus muss erhöht werden. Aus dem Zitat des Bibelverses für diese Woche erschließt sich nicht sofort, worum es eigentlich geht. Das ist wie in der Seelsorgearbeit; wir müssen nachfragen, tiefer bohren. Manchmal auch in die Vergangenheit gehen. Im Satz vor dem Zitat steht nämlich: Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat… Aha, jetzt haben wir etwas zum weiter nachforschen (4. Mose 21): Damals hatte das Volk Israel gegen Gott revoltiert. Gottes Reaktion: Eine Plage tödlich giftiger Schlangen. Daraufhin schob das Volk Panik und flehte Mose an, Gott um Gnade zu bitten. Gott war gnädig, gab die Anweisung, eine Schlange aus Metall herzustellen und diese an einem Stab aufzurichten. Wer auch immer vertrauensvoll auf dieses Zeichen schaute, starb nicht an dem Schlangengift. Und wie zugesagt so geschah es auch. Jesus sagt also mit anderen Worten: „Ich muss erhöht werden, damit Ihr von dem Tod in Euch entgiftet werdet!“. Als Jesus das damals sagte, konnte noch niemand ahnen, geschweige denn wissen, dass das Erhöhen sein Hängen am Kreuz vorhersagte. Der nächste Punkt ist glauben. Auch zu Zeiten des Mose werden manche die Aufforderung als aberwitzig abgetan haben. Und sie starben. Andere haben das Aberwitzige getan: Auf die an dem Pfahl Stab aufgerichtete eherne Schlange gesehen. Und sie lebten. Das ist mit Glauben gemeint: Das Aberwitzige nicht ab-tun, sondern tun. Was gab und gibt es schon zu verlieren? Hier kann man nur gewinnen! Nämlich … das ewige Leben. Manche sehen in ‚ewig’ einen Zeitbegriff, eine bis in’s Unendliche verlängerte Zeitachse. Ich finde, keine sehr prickelnde Vorstellung. Zum Glück ist etwas anderes gemeint: Gott ist ‚ewig’. ‚Ewiges Leben’ bedeutet nicht ein langes Leben, sondern ein Leben in unmittelbarer Nähe und Gemeinschaft mit dem ewigen Gott, dem Geber aller guter Gaben, bei dem wir wirkliches Leben haben. Dort endet alles, was uns selbst leiden lässt und andere leiden macht.

Kommen wir zur Frage Wer war dabei? Da ist zuerst einmal Nikodemus, ein Theologe seiner Zeit. Und nicht nur irgendeiner. Ein ganz bedeutender, ein ‚Oberster’, einer, auf dessen Meinung andere etwas geben. Ein ‚Leader’ also, würden wir heute sagen. Der stellte die eigentlich alle interessierende Frage: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Und wie heute viele Menschen auch stellte Nikodemus sie nicht direkt. Man gibt sich ja nicht gerne eine Blöße. Etwas, was wir auch aus der Seelsorgearbeit kennen. Nikodemus also schmeichelte Jesus zum Auftakt. Jesus aber überhörte das; er kam direkt auf den Punkt. Er sah die existentielle Frage hinter der Schmeichelei und redete Klartext: „Du musst neu geboren werden, um Gottes Herrschaft zu sehen!“, also um ewig zu leben. Sind wir ‚resilient gegen Schmeicheleien’ Ratsuchender? Haben wir ‚erleuchtete Augen des Herzens’ (vgl. Eph.1, 18)? Es war nicht nur Nikodemus dabei. Sicher auch die Freunde und Anhänger von Jesus. Ob die alles wussten und schon verstanden hatten? So wurde auch das seelsorgerliche Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus zu einer ‚Ko-Notation’. Jesus sprach zwar mit Nikodemus, aber die Botschaft galt und gilt bis heute auch den Zuhörern. Sind wir selbst empfänglich für ‚Ko-Notationen’ oder hören wir als Seelsorger nur für andere?

Bleibt noch die Frage nach dem Wo und Wann. Nikodemus kam bei Nacht zu Jesus. Ich kann ihn in meiner Vorstellung richtig durch die Gassen schleichen sehen. Immer im Schatten der Häuser. Bloß nicht gesehen werden von den anderen. Ganz anders Jesus. Nikodemus wusste, wo Jesus zu finden war. Jesus hielt sich nicht verborgen. Wissen Ratsuchende, wo wir zu finden sind? Und geben wir Ihnen einen Schutzraum der Vertraulichkeit (‚Seelsorge-Geheimnis’)?

Betrachten wir das Ganze von einer anderen Seite, jenseits von diesen diagnostischen Übungen: Hat der Blick auf die eherne Schlange den durch einen Schlangenbiss tödlich Verwundeten damals geheilt? Ja und Nein. Ja, denn immerhin musste erst einmal die Einsicht da sein, dass der Schlangenbiss tödlich ist. Und nochmals Ja, denn die Entscheidung musste gefällt werden, sich auf das Angebot einzulassen und den Blick zu wenden. Aber auch Nein, denn der gewendete Blick (‚Methodik’) selbst heilte nicht. Es war und bleibt in diesem Falle ein übernatürliches Wunder. Die Antwort in Form des ‚Blick-Wendens’ ist und bleibt irrational. Das wird Ihnen jeder Arzt bestätigen. Aber die Heilung war auch nicht ohne Beteiligung und schon gar nicht gegen den Willen der Vergifteten. So ist auch die Überwindung der Sünde – Trennung von Gott, ‚geistlicher Tod’ – etwas Übernatürliches, das Wunder schlechthin: Wer seinen Blick wendet und auf Jesus, den am Kreuz Erhöhten sieht, gewinnt das ewige Leben. Selbst wenn er hier (weiter) leidet, nicht geheilt wird oder gar stirbt. Die Botschaft vom Kreuz ist und bleibt irrational. Für die einen ist sie Schwachsinn. Für die anderen bedeutet sie Leben (vgl. 1.Kor.1, 18). Hier und in Ewigkeit. Weil Jesus erhöht ist und lebt. Glauben wir ihm. Es gibt nichts zu verlieren.

Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für alle Menschen hinzugeben

(Matth.20,28) Gute Nachricht Bibel

‚Dienen -Helfen – Heilen‘

Doch wer dient hier wem?

Ich erinnere mich an einen Gründonnerstagabend in unserer Gemeinde.

Wir wollten in einer Abendveranstaltung die Einsetzung des Abendmahls nachempfinden und haben mit einer Lobpreiszeit begonnen, parallel dazu gab es die Möglichkeit sich die Füße waschen zu lassen. Doch das wurde kaum angenommen.

Wie sieht das aus? Können wir den Dienst eines anderen Menschen an uns aushalten?

Der Mensch hat das Streben in sich „groß-sein“ zu wollen. Jesus weiß das.

Er hat uns aber nicht verurteilt, sondern einen guten Weg gegeben damit umzugehen.

Er zeigt uns, dass Christ sein heißt elementar den Dienst Jesu an sich zuzulassen. Und in Anspruch zu nehmen und ebenso heißt es zu dienen und den anderen die Füße zu waschen.

Der Blick auf Jesus und auf das, was er für mich und alle Menschen auf dieser Welt getan hat, ist das, was mich trägt und was meinen Hochmut endgültig den Rest gibt.

Lasst uns also auf Jesus schauen und einfach einen Moment staunen.

Ein Bibeltext wie der Philipper-Hymnus (Phil 2,6-11) kann uns dabei helfen

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Johannes 12,24

Landwirtschaftlich gesehen eine klare Sache. Korn in die Erde, Wachstum der neuen Pflanze, Ernte, Zufriedenheit allenthalben. Was bedeutet dieses Wort bezogen auf uns? Viel Frucht bringen – gerne. Aber dafür zuvor sterben müssen – hat einen trüben Beigeschmack. Wasser auf den Mühlen all derjenigen, die am christlichen Glauben den „da gibt es doch sicher noch einen Haken“ Vorbehalt hegen. „So einfach ist das alles nicht. Da gibt es doch bestimmt noch irgendwelche versteckten Klauseln.“ So und ähnlich lauten die Vorbehalte gegen Gott. Und nun dieser Text. Frucht bringen setzt Sterben voraus.

Genau betrachtet stirbt das Weizenkorn nicht wenn es in die Erde fällt. Es verändert sich. Aus dem Korn spitzt eine neue Pflanze, die wiederum Früchte trägt. Man kann sagen, in der Erde findet das Weizenkorn seine eigentliche, seine tiefere Berufung.

Es geht nicht ums Sterben, es geht darum in die eigentliche, tiefere Berufung zu kommen. Dem entgegen zu streben, für das man in des Wortes bestem Sinne berufen ist. Sich auf diesen Prozess einzulassen, kann Schmerzen verursachen. Fokussierung auf das Eigentliche schließt das Uneigentliche immer mehr aus. Wenn ein Mensch weiß was ihn ruft, weiß er auch immer mehr, was ihn nicht (mehr) ruft.

Gott hat uns geschaffen und bevollmächtigt Frucht zu bringen. Dies sollen wir froh tun. Zur Ehre Gottes. Zum Dienst am Nächsten. Zur eigenen Freude. Mit Gottes Hilfe.

„Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lukas 9,62)

Wenn der Bauer schöne gerade Furchen in den Boden pflügen möchte, dann muss er nach vorne schauen. Schaut er nach hinten zurück, dann gehen die Furchen nach vorne durcheinander. Und was hilft es auch, zurückzuschauen, wenn man ein Ziel erreichen will? Das Ziel ist hier, den Acker zu bestellen, Reich Gottes auszusäen.

Jesus spricht dieses heutige Wort zu zwei Männern, die er zu Jüngern machen möchte – so wie Petrus, so wie Johannes und all die anderen Jünger: „Folge mir nach.“ Der erste Mann antwortet Jesus jedoch: „Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.“ – Jetzt wird Jesus sehr streng: „Lass die Toten ihre Toten be­graben; du aber gehe hin und verkündige das Reich Gottes!“

Der zweite Mann antwortet: „Herr, ich will dir nachfolgen, aber er­lau­be mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind.“ – Daraufhin erklärt ihm Jesus, wie man mit einem Blick nach vorne pflügt.

Meine Freunde Hilde und Michael Dieterich haben sich das Wort aus Philipper 3,13 nicht nur als Hochzeitsspruch, sondern auch als Le­bensmotto zu eigen gemacht: „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt.“ Eine ganze Seel­sorge­bewegung, die Biblisch Therapeutische Seelsorge, haben sie damit ins Leben geru­fen.

Ja, auch in der Seelsorge ist es anfangs wichtig, über Schmerzliches, das man erlebt hat, in behüteter, geschützter Atmosphäre sprechen zu können. Aber dann muss der Blick nach vorne gehen. Diesen Blick­wech­sel muss man schaffen. Und dann muss man auch bei dem Blick nach vorne bleiben, wenn man neue Schritte wagt. Und wir wissen ja, wer uns nach vorne hin erwartet: Jesus.

Herr, lehre mich die rechte Blickrichtung in meinem Leben. Amen.

 Quelle: Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge. 2017, Freudenstadt: Fachverlag des IPP GbR, ISBN 978-3-943815-07-8 Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der IPP Fachverlags

„Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5, 8)

Gott sagt: „Ich habe Dich lieb!“

Ich entscheide mich für meine Liebe zu Dir. Ich will Dich lieben, bedingungslos. Ich liebe Dich, obwohl Du meine Liebe noch nicht erwiderst. Ich liebe Dich, obwohl ich Deine Schuld und Dein Versagen kenne. Ich liebe Dich!

Gott bringt seine Liebe zu uns Menschen durch das Leben, Sterben und Auferstehen von Jesus Christus, seinem Sohn, zum Ausdruck. Er setzt ein unumstößliches Ausrufungszeichen! Gott sagt: „Das ist es, was ich, will! Ich gehe in Vorkasse, reiße alle Mauern nieder, schütte alle Gräben zu. Ich entscheide mich für Dich!“

Liebe verändert einen Menschen, bringt Saiten in ihm zum Klingen, die nie vorher geklungen haben. Liebe ist eine Motivationsquelle, die positive Kräfte freisetzt und Veränderung bewirkt.

Gott sieht mit den Augen seiner Liebe auf mich, sein Bild von mir, ist nicht das, was ich sehe und auch nicht das was andere in mir sehen, sondern das, was nur er sehen kann, gerechtfertigt und verändert durch seine Liebe.

Die Frage lautet also nicht, ob Gott mich liebt – das ist geklärt – sondern ob ich ihm seine Liebe glaube und mich auf seine Sicht einlasse. Ein Perspektivenwechsel der Liebe.

Gott sagt: „Ich habe Dich lieb!“

Das ist seine bahnbrechende Entscheidung für uns Menschen, seine Entscheidung für mich.

Wann entscheide ich mich, für mich – und damit auch für Gott?

Es gibt kein anderes FÜR MICH!

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Joh 3,8b)

Zerstörung-Werke des Teufels-sehen wir als Seelsorger mehr als genug. Wir sind oft die einzigen Menschen, denen die Ratsuchenden einfach so drauf los klagen können, was ihnen Schweres und Zerstörerisches zugemutet wurde. Und sie sind uns so dankbar, wenn sie endlich ein offenes Ohr und ein verstehendes Herz gefunden haben. Was aber richtet solch ein Einblick in die Abgründe der Zerstörung in uns als Seelsorger an?

Sind wir gefährdet, uns überall nur noch mit zerstörenden Kräften zu beschäftigen, als ob es nicht in unserem Leben auch Sonnenschein und Unbeschwertheit gäbe? Sind wir überkritisch, wenn es uns oder andern gut geht und warten letztlich nur darauf, bis sich die zerstörenden Einflüsse bemerkbar machen? Dürfen wir dem Leben überhaupt noch trauen?

„Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre“. Der Sohn Gottes macht der Zerstörung ein Ende. Er hat es bereits gemacht, macht es in der Gegenwart und in der Zukunft.

Da können wir mit unserer Macht nicht allzu viel bewirken, „wir sind gar bald verloren; es helfe uns der rechte Mann“: Christus. Christus hat sich auf diesen Kampf bereits eingelassen und hat den Teufel besiegt.

Deshalb darf ich mir sagen: nimm eine Haltung der Gelassenheit ein. Du musst der Zerstörung nicht selbst das Ende bereiten. Des Weiteren singe ich vor mich hin: „ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh, Gottes Macht hält mich in Acht; Erd und Abgrund muss verstummen, ob sie noch so brummen.“(aus : Jesu , meine Freude).

Der Sieg ist bereits errungen über die Zerstörung, und wenn einer sich dem Sohn Gottes verschrieben hat, dann ist er auf der Siegerseite. Mag es noch so katastrophal aussehen, letztlich sind die Zerstörungsmächte nicht größer als unser Herr.

Wie aber kann ich mich als Seelsorger schützen? Indem ich meine Gedanken bewusst abwende nach solch anstrengen Gesprächen. Indem ich mir Gutes einplane und es selbst dann versuche, auch wenn ich kaum dazu in der Lage bin. Indem ich nicht zu viel „Schweres“ annehme und dann auch ohne schlechtes Gewissen „nein“ sage.

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.  

(Lukas 18,31)

„Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf…“ D.h. Jesus nimmt seine Nachfolger beiseite, um ihnen etwas Besonderes mitzuteilen. Bereits zum dritten Mal kündigt er sein Leiden und Sterben an. Sie verstehen ihn nicht. – Viele Menschen heute verstehen dies nicht. Warum musste Jesus sein Blut vergießen? Das widerstrebt uns. Wir hätten lieber einen Helden, der sichtbar für Gerechtigkeit auf Erden sorgt, den Hunger stillt und heilt. Dabei ist uns nicht bewusst, wie schwer die Sünde wiegt, die uns von Gott trennt.

Dabei ist das Leiden des Messias bereits durch die Propheten vorhergesagt. Viele Aussagen des Alten Testaments sprechen von dem Menschensohn, dem Messias, dem Erlöser. Eine dieser Verheißungen steht in Jesaja 53 (hier die Verse 4 und 5) „Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Zunächst richten sich diese Verheißungen an das Volk Israel. Jeder einzelne ist vor Gott ungenügend und erlösungsbedürftig. Gott hat mit diesem Volk und mit allen Völkern einen Plan. Dieser Plan zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel. Der 3. BTS-Grundkurstag beinhaltet dieses wichtige Thema. Denn für Seelsorger ist es wichtig zu wissen, Gottes Plan erfüllt sich… Wir haben im Gegensatz zu den Jüngern den Vorteil, dass das Ereignis von Jesu Passion und Auferstehung bereits hinter uns liegt und wir so Zusammenhänge aus dem Alten und dem Neuen Testament erkennen. Der Wochenspruch bezieht sich auf die Zukunft „…es wird vollendet…“, d.h. es wird sich erfüllen. Am Kreuz sagt Jesus: „Es ist vollbracht.“ Er hat stellvertretend die Sünde aller getragen. Er hat uns „ausgelöst“. – Wer das begriffen hat, kann über Jesus nur staunen, ihn lieben und anbeten.

Als BTS-Seelsorger glauben wir, dass Gott alle seine Verheißungen erfüllen wird. Das gibt uns Kraft, Schweres mitzutragen, z.B. wenn wir mit chronischen Krankheiten und langanhaltendem Leid konfrontiert sind. Wir wissen, dass es noch besser kommt, weil in Offenbarung 21,4 steht: „und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht. (Hebräer 3, 15)

Der Schreiber des Hebräer-Briefes zitiert den Psalm 95 (Verse sieben und acht). Dieser Psalm beklagt eine Auflehnung des Volkes Israel kurz nach dem Auszug aus Ägypten (2.Mose 17). Das Volk ist in der Wüste, es hat Durst und findet kein Wasser, und schon ist die Befreiung aus der Sklaverei vergessen.

Nehmen wir das ABPS-Modell zur Hilfe, können wir folgende Beobachtungen machen:

Mit den „Gedanken“ fängt es an, sie geraten auf Abwege, obwohl das Volk Gottes seine Allmacht, seinen Schutz und seine Fürsorge erfahren hatte. Es wird „verstockt“; ein anderer Begriff ist „verhärtet“. Verhärten bedeutet so viel wie Nicht-Sehen-, Nicht-Hören-, Nicht-Wahrhaben-Wollen.

Bei Mose lesen wir, dass das Volk Israel auf die Trockenheit in der Wüste („Stimulus“) statt mit Vertrauen auf die Fürsorge Gottes mit Auflehnung und Anklage reagiert („Verhalten“).

Der Schreiber des Hebräer-Briefes mahnt seine Leser, anders als damals das Volk Israel auf die Durststrecken des Lebens zu reagieren („Lernen am Modell“), um Ruhe bei und in Gott zu finden. Aber auch ein anderer systemischer Gedanke wird deutlich: die Auflehnung des Volkes Israel richtete sich damals nur vordergründig gegen Mose; in Wirklichkeit ging es um eine Auflehnung gegen Gott selbst. Das führte sogar zur Namensgebung des historischen Ortes mit Massa („Probe“) und Meriba („Streit“).

Das Verhalten des Volkes Israel ist so typisch für Kinder Gottes, und zugleich so gefährlich, dass allein im Alten Testament dieses Ereignis ca. zehnmal angesprochen wird („Wiederholen“). Und auch der Schreiber des Hebräer-Briefes belässt es nicht nur bei einer Erwähnung; zweimal mahnt er die Leser, also auch uns, „unsere Herzen nicht zu verstocken“.

Mit „Herz“ sind nicht unsere Gefühle gemeint, auch wenn diese nicht unbeteiligt sind. In der hebräischen Bibel, sowohl in Psalm 95 als auch in unserem Text, steht das Wort „Levav“. Dieses Wort steht zwar einerseits für das Organ Herz, andererseits aber in hebräischem Verständnis für Wille, Mut und Denken.

Im Auftrag Gottes sorgt Mose für Wasser („Medizin, Organismus“). Das macht zwei Dinge deutlich: Nicht die Klage über den Durst und fehlendes Wasser ist das Problem, sondern der „Widerstand“ und Undank gegen Mose („Seelsorger“), eigentlich gegen Gott. Zum anderen aber auch, dass Gott treu ist und barmherzig durch Mose handelt.

Achten wir als Seelsorger/innen zuerst auf uns, dass unser Herz (Denken, Wille und Mut) nicht „verstockt“. So werden wir ein Vorbild für Leidtragende. Und nicht nur ein Vorbild; in Gottes Auftrag und im Vertrauen auf ihn dürfen wir praktisch handeln („erste Hilfe“).

Wochenspruch 12. Februar 2017 von Adrian Lenkner

„Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“ (Daniel 9,18)

Unsere Ratsuchenden befinden sich oft in sehr verfahrenen Situationen, ähnlich wie damals das Volk Israel „in Schutt und Asche“ lag (Vers 18, NL-Übers.): Das Denken „verkorkst“, in Süchten gefangen, , Beziehungen ruiniert, belastet mit körperlichen Symptomen, ungünstige Verhaltensweisen über Jahre antrainiert, ggf. Kontingenz bis in die Kindheit zurück… und ich soll ihnen jetzt aus dem Schlamassel raushelfen?

Auch wenn ich mir als „guter Seelsorger“ der Wichtigkeit von Gebet für meine Klienten bewusst bin, kämpfe ich doch immer wieder mit Gedanken und Gefühlen der Hoffnungslosigkeit: „Will Gott hier wirklich helfen? Sind die Ratsuchenden nicht selbst schuld an ihrer Lage und wollten von Gott nichts wissen? Warum sollte Er ihnen nun nachlaufen?

Ja klar weiß ich, Gott tat früher große Dinge, bei historischen Erweckungen, und auch heute, irgendwo in China oder Afrika. Aber hier und heute in Europa? In Deutschland? Wir haben doch Gott schon lange den Rücken gekehrt. Ausgerechnet hier bei meinen Ratsuchenden? – Sicher nicht, da hat Gott wichtigere Projekte…

Aber die Situation bei Daniel war ganz ähnlich: Die Israeliten waren Gott untreu gewesen, deshalb musste er sie bestrafen und „brachte über die Bewohner Jerusalems ein so großes Unheil“(V12). Sie wurden zum Großteil verschleppt und mussten in einem heidnischen Umfeld leben, weit weg von ihrem Zuhause und vom Tempel.

Daniel war sich dessen voll bewusst, er „brachte die Schuld des Volkes vor ihn“ (V4) und stellte fest: „es betrifft alle“(V7).

Trotzdem betete er sehr erwartungsvoll, da ihm genauso die Größe von Gottes Barmherzigkeit bewusst war: „Du hattest selbst dann noch Erbarmen mit uns, wenn wir nichts mehr mit dir zu tun haben wollten“ (V9). Sehr kühn finde ich seinen Satz: „Das gilt auch noch heute.“ (V15). Wow – kann ich das auch so sagen und meinen?

Gott sei Dank müssen wir dabei weder auf die Gerechtigkeit unserer Ratsuchenden, noch auf die unsere vertrauen – sondern allein auf „seine große Barmherzigkeit“(V18)!

Wochenspruch 05. Februar 2017 von Silke Berg

„Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jesaja 60,2)

Die biblische Botschaft kennt meistens ein „Entweder – Oder“, ein „Schwarz – Weiß“, keinen beliebigen Mittelweg. Das mag uns, die wir geprägt sind vom humanistischen Denken, hart erscheinen. Finsternis und Dunkel sind Begriffe, die für unsere Ohren radikal klingen. Und doch ist es das Urteil, das der Herr über Völker spricht, die ihn nicht kennen. Im Gegensatz zu seinem Volk, das seine Herrschaft anerkennt und sein Licht und seine Herrlichkeit genießen kann.

Im Paulus-Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy wird dieser Vers in einem wunderschönen Chorsatz an der Stelle plaziert, als Saulus sich bekehrt. Welche Veränderung könnte größer sein, als von einem Saulus, dem Christenverfolger, zu einem Paulus, der mit Leidenschaft das Evangelium predigt. Eine Veränderung von Finsternis zum Licht.

Das ist etwas, das ich mir für meine Beratung und alle Seelsorger wünsche: Dass Gottes Herrlichkeit aufstrahlt und wir miterleben dürfen, wie dunkle, kaputte Leben heil und licht werden. Wie Menschen, die ohne Hoffnung zu uns kommen, eine Perspektive auf eine herrliche Zukunft erhalten.

Unser ABPS-Modell ist grün unterlegt – wir wollen den geistlichen Anteil in unserer Beratung nicht vernachlässigen! Wir möchten Licht sein und den Menschen helfen, Gottes Licht wieder (neu) zu erleben!

Wochenspruch 29.Januar 2017 von Florian Mehring

„Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern“  (Psalm 66,5)

Psalm 66 ist in der Zürcher Bibel mit „Gott der treue Beschützer seines Volkes“ eingeleitet und gibt Zeugnis von schrecklichen Erfahrungen der Bedrängnis einerseits und Gottes treuer rettender Hilfe andererseits. Ein Ergriffen-Sein von der Größe und Treue Gottes durchzieht diesen Psalm. Und darum geht es heute wie damals.

Den Gott der Bibel als unseren treuen Vater im Himmel zu kennen. Und staunend seine Werke und sein wunderbares Tun an den Menschen glaubend zu erfassen. Natürlich muss auch Klage und Jammer über all das Elend dieser Welt und über unseren eigenen Schmerz seinen Platz haben. Wie wunderbar und richtungweisend, wenn wir neben der Klage unseren Blick schärfen für all das Gute, Segnende, Schaffende, Bewahrende, durch das Leben tragende, was Gott je und je getan hat, und auch künftig tun wird. Wenn wir darauf schauen, was wir Gott zu verdanken haben. Im Gelingen und auch im Schmerz unseres Lebens.

Es gibt kein Leben ohne Schmerz und Leid. Es gibt aber auch kein Leben ohne Gelingen.

Aus der neurobiologischen Forschung wissen wir, dass Lernen unter anderem mit Aufmerksamkeit verlötet ist. Unser Aufmerksamkeitsfocus bestimmt den Lernfocus. Psalm 66 lädt uns ein unseren Focus auf den treuen Gott zu legen. In allem. Trotzdem und dennoch. Dankbarkeit ist der Wächter am Tor der Seele.

Siehst Du die Spur Gottes in Deinem Leben ?

Wochenspruch 22. Januar 2017 von Rüdiger Marmulla

Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes“. (Lukas 13,29)

Das Reich Gottes kommt für die ganze Welt. Da gibt es dann keine Län­dergrenzen mehr. Und die Menschen kommen von überall her, aus al­len Himmelsrichtungen, vom gesam­ten Globus, um an Gottes Tisch Platz zu nehmen. Es kommen Menschen ganz unter­schied­licher Haut­farbe, ganz unterschiedlicher Prägung, unterschiedlicher Bildung und unter­schiedlicher Sprache. Menschen unterschiedlicher Konfessionen wer­den dabei sein.

Mit diesem Ausblick steht es uns nicht mehr zu, über die Anders­artig­keit der anderen zu richten. Gott liebt die vielfältige, bunte Ge­mein­de. Gott akzeptiert ja sogar dich und mich an seiner Tafel, warum dann nicht auch die, die uns in ihrem Wesen und ihren Sitten fremd vor­kommen? Noch fremd. Denn das Fremde verliert sich in der Gegen­wart unse­res Herrn und Königs.

Und die Tafel wird in vollem Schmuck sein. Das Fest wird wunder­voll sein. Dort, am Tisch des Herrn, wird allen Geladenen reichlich ein­geschenkt, ja, Gott be­wirtet seine Kinder überreichlich.

Nicht nur unser gemeinsamer Herr, nicht nur unser gemeinsamer Glaube an Jesus, den wahren Gott und wahren Menschen, auch die Freude auf dieses Fest im Himmel verbin­det uns Gotteskinder schon heute mit­ein­ander. Und umso besser wir uns das vor Augen führen, desto mehr verstehen wir, dass uns Gotteskinder mehr eint als heute noch trennt.

Wir sind gemeinsam auf dem Weg zu diesem Fest. Das soll uns schon heute einen. Und die noch nicht auf diesem Weg sind, die wollen wir freudig einladen.

Du hast auch mich, Herr, nicht verworfen. Ich danke dir für deine Liebe zu mir und meinem Nächsten. Amen.

 Quelle: Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge. 2017, Freudenstadt: Fachverlag des IPP GbR, ISBN 978-3-943815-07-8 Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der IPP Fachverlags

Wochenspruch 15. Januar 2017 von Silke Berg

„Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden  (Joh. 1,17)

In diesem Wochenvers werden zwei Dinge gegenübergestellt: einerseits das Gesetz, welches durch Mose gegeben wurde und andererseits die beiden Begriffe Gnade und Wahrheit, die durch Jesus Christus gegeben wurden. Als Gott durch Mose seinen Bund des Gesetzes ankündigte, antwortete das Volk Israel, dass es alles tun werde, was der Herr sagt. Ihre Motivation war gut, aber wir sehen in der Geschichte, dass sie keine Chance hatten, das Gesetz zu halten. Es hätte ihnen viel Leid erspart, wenn sie das Gesetz eingehalten hätten, aber sie waren dazu nicht in der Lage, genauso wenig wie alle anderen Völker und Menschen. Da muss erst ein neuer Bund gegeben werden, ein Bund, der nicht vom Menschen abhängig ist, sondern der nur von Gottes Seite ausgeführt wird und deshalb auch nicht scheitern kann. Nur auf der Grundlage der Gnade können wir zu Gott kommen und nur durch die Wahrheit in Person, durch Jesus Christus.

Für uns als Seelsorger besteht die Herausforderung, unseren Ratsuchenden kein „Gesetz“ zu vermitteln, sondern sie mit unserem gnädigen Gott in Verbindung zu bringen. Nicht das äußere Einhalten von Regeln und Gesetzen verändert sie, sondern die Veränderung muss im Herzen geschehen durch die Kraft des Evangeliums. Immer wieder begegne ich in der Seelsorge falschen Gottesbildern, begegne ich Vorstellungen von einem Gott, der überwacht und fordert. Das ist nicht die Freiheit, zu der uns Christus berufen hat. Vermitteln wir unseren Ratsuchenden etwas von dem Angebot und der Größe Gottes, die Gnade ohne Limit gewährt, jedoch keine billige Gnade, welche die Ansprüche herunterschraubt, sondern eine Gnade, die untrennbar mit der Wahrheit, mit Jesus Christus verbunden ist. Weil Er das Gesetz 100% erfüllt hat, sind wir durch die Verbindung mit Ihm vollkommen gemacht. Das Weiterzugeben gelingt uns am Besten, wenn wir selbst täglich diese Gnade genießen und in Seiner Gnade und Erkenntnis wachsen.

Artikel zum Thema „Gesetz und Gnade“: http://www.bibelstudium.de/articles/973/Gesetz-und-Gnade.html

Wochenspruch 08. Januar 2017 von Elke Grapentin

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“. (Römer 8,14)

Schon wieder ein Bibeltext, der von Motivation spricht. Von der Motivation, Jemand zu sein oder auch nicht zu sein, nämlich Gottes Kind. Wenn ich gar nicht das Ziel habe, Gottes Kind zu sein, dann kann ich hier aufhören weiterzulesen. Oder aber, das Thema packt mich.

Ich bin hängengeblieben an dem Wort „treibt“. Treiben, sich treiben lassen, hat etwas Passives, ich tue nichts von mir aus, ich lasse mit mir geschehen, chillen würde man das wohl heute nennen. Das Wort „treiben“ beinhaltet aber auch: sich antreiben lassen, auf ein Ziel hin. Ich werde aktiv. Ich fälle die Entscheidung etwas zu wollen, ein Ziel zu erreichen.

Gemeinsam verbindet beide Aspekte, sowohl die passivere als auch die aktivere Variante, dass der Antrieb von außen kommt, und ich mich darunter stelle. Antreiber können auch aus mir selbst heraus kommen. Wir, als Berater, kennen diese Antreiber in uns selbst und auch bei unseren Ratsuchenden. Nicht selten werden sie zum Thema in unseren Beratungen, oder auch in der Supervision. Aber auch die inneren Antreiber sind letztlich eher eine Kraft von außen; Sätze, die wir erlernt und übernommen haben, und manche von ihnen machen uns das Leben schwer.

Das Bibelwort bringt es auf den Punkt: „Sage mir, wer oder was Dich antreibt, und ich sage Dir, wer Du bist!“ Entscheide Dich für den Antreiber „Heiliger Geist“, er ist das Markenzeichen für Gottes Kinder. Das heißt nichts anderes, als Gedanken, Motivationen und Gefühle und sogar Erfahrungen immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, ob sie Konsens gehen mit Gottes Geist. (Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang das ganze Kapitel 8 des Römerbriefes zu lesen.)

Für mich ist das eine lebenslange, spannende Herausforderung, mit Gott, meinem Vater, unterwegs zu sein. Es ist ein Prozess des Werdens und des GesegnetSeins, der mich als ganze Person betrifft und in alle Lebensbereiche ausstrahlt.

Ich will vom Geist Gottes angetrieben werden!

Ich will Gottes Kind sein!

Und ich bin es schon, nach seiner Verheißung!

Wochenspruch 01. Januar 2017 von Lieselotte und Pfr. Ernst Beißwanger

„Alles, was ihr tut mit Worten oder Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“  (Kol. 3, 17)

Die Frage der Motivation wird uns am Anfang des Jahres gestellt. Alles, was wir tun oder reden soll einem andern, nämlich dem Herrn zuliebe getan werden. Manchmal frage ich mich: Warum tu ich mir das an, mich mit dem „Seelenmüll“ anderer auseinander zu setzen? Tu ich es dem Herrn zuliebe? Vielleicht habe ich einst mit dieser Motivation angefangen, vielleicht ist meine Motivation auch erstarrt, wie das offenbar bei den Gemeindemitgliedern in Kolossä der Fall war? Gerade am Anfang des Neuen Jahres fordert mich der Wochenspruch zum ehrlichen Motivationscheck heraus.

Jesusnachfolger können offenbar erstarren, wie das in Kolossä der Fall war: die einen konnten im Namen der Freiheit sich zum Maßstab aller Dinge machen; die anderen betonten Gesetzlichkeit und Selbstdisziplin als das Non plus ultra ihres Lebens. Eins hatten und haben erstarrte Jesusnachfolger gemeinsam: sie stellen sich in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns.  Alles wird an ihrem eigenen Maßstab festgemacht. Woran aber erkennt man lebendige Jesusnachfolger? Woran erkennt man meine Motivation?

Zuallererst an der ehrlichen Beziehung zum Mittelpunkt: Christus. Die tägliche Beziehungspflege mit Christus verbindet uns, so wie das der Fall ist bei einem lang vertrauten Freund oder Partner. Je länger wir uns kennen, desto mehr wird der andere zum immer wieder neu überraschenden Gegenüber .Die Treue und Liebe in der Beziehung zahlen sich aus. Distanz und Nähe gehören auch in eine solche lebendige Beziehung, genauso wie Harmonie und Disharmonie. Aushalten und Dranbleiben in der Beziehung zu Christus zahlen sich aus. Wie dem auch sei, wer sich mit Christus abgibt, der kann nicht an sich hängenbleiben.

Einen lebendigen Jesusnachfolger erkennt man nämlich des Weiteren daran: Er will mit ganzem Herzen und Gemüt seinem Herrn zur Verfügung stehen. In guten und in schlechten Zeiten. Wer sich mit Christus abgibt, nimmt manche Unannehmlichkeit auf sich. Wer sich mit Christus abgibt, für den sind die eigenen Motivationen (Besitz, Ehre, Macht, Selbstverwirklichung) zweitrangig. Wer sich mit Christus abgibt, muss manchmal schmerzlich erleben, dass seine wichtigsten Strebungen frustriert werden und er dadurch noch einsatzfähiger für Christus wird. Der lebendige Jesusnachfolger lebt erstrangig für seinen Herrn. Was ihm gelingt und was ihm misslingt, kann er dann gelassener ertragen, ja, er kann sogar dafür seinem Herrn danken.

Christus, hier bin ich, deiner Ehre soll mein Tun und Lassen in der Seelsorge und in allem andern dienen. Amen