Unser Konzept

„Immer mehr Menschen sind seelisch gestört“

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der seelisch leidenden und  kranken Menschen ständig zugenommen. Das Statistische    Bundesamt hat festgestellt, dass am Ende des 20. Jahrhunderts 30  Prozent aller Deutschen im erwerbsfähigen Alter psychisch gestört waren. Nicht in diese bundesweite Untersuchung einbezogen waren Kinder, Jugendliche und Senioren.

Aber auch bei diesen Altersgruppen ist das Ausmaß seelischer Leiden drastisch angestiegen. Die am häufigsten genannten Störungen sind Ängste, Depressionen und Selbstwertprobleme. Die Hälfte davon müsste dringend behandelt werden. Viele dieser Menschen brauchen nicht    nur medizinische Hilfe, sondern können auch von ausgebildeten Beratern begleitet werden.

Die Flut psychischer und sozialer Probleme macht auch vor Christen nicht halt. Sie brauchen jedoch eine Seelsorge, die auch Glaubensfragen einbezieht.

Oft verhindert das mangelnde Vertrauen zum Psychotherapeuten, über dessen Glaubenshintergrund keine Klarheit besteht, einen möglichen Heilungsprozess. Der Bedarf nach geschulten Fachkräften ist groß.

Aus dieser dringenden Bedarfslage heraus ist die BTS im Jahre 1987 entstanden. Das Konzept bestätigte sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz sehr schnell.  Weit über 10.000 Personen besuchten seither die Grundkurse der BTS und ca. 600  Personen haben die ca. 500-stündige Ausbildung abgeschlossen. Sie engagieren sich in vielfältigen Beratungsaufgaben, vom Ehrenamt in der Kirchengemeinde bis zur Vollprofessionalität in der eigenen Beraterpraxis.

Unser Auftrag

Wir verstehen die Biblisch-Therapeutische Seelsorge als notwendigen Samariterdienst an Menschen, die Lebens- und Glaubenshilfe brauchen. Unseren Auftrag dazu entnehmen wir aus der biblischen Verheißung in 1.Thess. 5,14 :

„Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet
die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid
geduldig gegen jedermann.“

Wir sehen uns zu diesem Dienst berufen, Christen so gut wie möglich für die Seelsorgearbeit zu befähigen und in der Praxis zu unterstützen.

Unsere Ziele

  •  die Aus- und Weiterbildung in Biblisch-Therapeutischer Seelsorge für die Aufgabe der Beratung von Kindern und Erwachsenen in verschiedenen Lebensabschnitten,
  •  die Förderung der Kompetenz von Fachkräften im Umgang mit psychisch gestörten und kranken Menschen,
  •  die Erarbeitung von Lehrmaßstäben und die Aufstellung von Qualifikationsanforderungen für Biblisch-Therapeutische Seelsorge,
  • die wissenschaftliche Erforschung der Zusammenhänge zwischen biblisch-theologischen Lehraussagen und empirisch-psychologischen Erkenntnissen und Methoden sowie
  • die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Gruppen aus Kirchen und Gemeinschaften.

Unsere Glaubensgrundlage

  • Wer eine Seelsorgeausbildung anbietet, muss vorab seine Glaubensgrundlage beschreiben. Wir bekennen uns (im Sinne der Deutschen Evang. Allianz):
  • zur Allmacht und Gnade Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in Schöpfung, Offenbarung, Erlösung, Endgericht und Vollendung
  • zur göttlichen Inspiration der Heiligen Schrift, ihrer völligen Zuverlässigkeit und höchsten Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung
  • zur völligen Sündhaftigkeit und Schuld des gefallenen Menschen, die ihn Gottes Zorn und Verdammnis aussetzen
  • zum stellvertretenden Opfer des menschgewordenen Gottessohnes als einziger und ausreichender Grundlage der Erlösung von der Schuld und Macht der Sünde und ihren Folgen
  • zur Rechtfertigung des Sünders allein durch die Gnade Gottes aufgrund des Glaubens an Jesus Christus, der gekreuzigt wurde und von den Toten auferstanden ist
  • zum Werk des Heiligen Geistes, welcher Bekehrung und Wiedergeburt des Menschen bewirkt, im Gläubigen wohnt und ihn zur Heiligung befähigt
  • zum Priestertum aller Gläubigen, welche die weltweite Gemeinde bilden, den Leib, dessen Haupt Christus ist, und die durch seinen Befehl zur Verkündigung des Evangeliums in aller Welt verpflichtet ist
  • zur Erwartung der persönlichen, sichtbaren Wiederkunft des Herrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit; zum Fortleben der von Gott gegebenen Personalität des Menschen; zur Auferstehung des Leibes zum Gericht und zum ewigen Leben der Erlösten in Herrlichkeit.

Die theoretischen Grundlagen

Das Konzept der BTS wurde wissenschaftlich erarbeitet und evaluiert. Die Einzelheiten hierzu sind veröffentlicht in Michael Dieterich: „Einführung in die Allgemeine Psychotherapie und Seelsorge“, Wuppertal (Brockhaus) 2001.

Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse:

  • Wenn wir über Beratung, Psychotherapie und Seelsorge nachdenken und Wege zur Begegnung suchen, müssen wir unsere persönliche Denkstruktur und diejenige unseres Gegenübers berücksichtigen.
  • Die menschliche Seele ist eine Einheit. Oder: Der Mensch ist eine Seele.
  • Seelische Störungen entstehen durch eine Vergrößerung der „Unordnung“ (Entropie).
  • Zwischen seelischer Gesundheit und seelischer Krankheit gibt es einen kontinuierlichen Übergang.
  • Menschen sind, entsprechend ihrer Persönlichkeitsstruktur, unterschiedlich verletzlich (vulnerabel).
  • Beim Gesundungsprozess gibt es immer wieder Rückschläge.
  • Es gibt keinen wissenschaftlich begründbaren Unterschied zwischen der Arbeit in Pädagogik, Beratung, Psychotherapie und Seelsorge.
  • Beratung, Psychotherapie und Seelsorge brauchen Ziele bzw. eine nachvollziehbare Anthropologie.

So wie sich die Psychotherapie in den vergangenen 20 Jahren immer mehr in Richtung auf eine schulenübergreifende integrative allgemeine Psychotherapie entwickelt hat, so war auch von Anfang an die „Methodenpluralität“ ein oft genannter Grundbegriff der BTS.