So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. (Epheser 2,19)

 Paulus spricht hier im Epheserbrief im Besonderen die Christen an, die nicht aus dem jüdischen Volk stammten und sichert ihnen zu, gemeinsam mit dem auserwählten Volk ganz eng zu Gott zu gehören.

Basis für diese Zugehörigkeit ist der Glaube an Jesus, als den Sohn Gottes.

Mich fasziniert bei dieser Aussage vor allem das Wort „Gäste“. Gäste sind ja solche, die man gerne kommen aber dann nach einiger Zeit auch gerne wieder gehen sieht. Einer soll seine Gäste mal mit den Worten begrüßt haben: „Wie lange bleibt ihr?“

Im Unterschied zum Gast, der irgendwann wieder geht, ist der Hausgenosse an diesem Ort daheim. Mit daheim sein verbinde ich den Gedanken, da darf ich so sein wie ich bin. Als Kind hieß es öfter, wenn ich mit meinen Eltern irgendwo zu Besuch war: „Sei aber auch anständig.“ Das meinte: Pass dein Verhalten den Vorstellungen des Gastgebers an.

Zuhause, das ist mein sicherer Hafen, da fühle ich mich geborgen – der Engländer sagt „My home is my castle“, – mein Zuhause, das ist meine Burg. Da darf ich mich im Schlabberlook wohl fühlen und da darf das zum Vorschein kommen was ich bin.

Oft brauchen wir in der Beratung lange um diagnostisch an diesen Punkt zu kommen und da hilft ja auch der PST-R ganz erheblich dazu. Wer bin ich und was kann ich sein, wo sind meine Entwicklungsmöglichkeiten. Wir alle brauchen solche sicheren Häfen, um uns ehrlich selber in die Augen zu schauen ohne Angst abgelehnt oder als unliebsamer Gast rausgeworfen zu werden.

So ein Zuhause bietet mir letztlich Gott an. Bei ihm darf ich Zuhause sein, zu ihm darf ich Nachhause kommen, so wie ich bin, ohne Sorge, abgelehnt zu werden, wenn ich mich falsch benehme. Zuhause bei Gott, zugehörig zu seiner Familie: das bin ich und von diesem sicheren Bezugspunkt kann ich anfangen, mich und die Welt zu erkunden. Ich wünsche euch gerade in der kommenden Woche viel Vergnügen dabei.

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jesaja 43,1)

Dieser Ruf „Fürchte dich nicht“, vor mehreren tausend Jahren geschrieben, ist heute aktueller denn je. In einer Zeit, in der Angststörungen ständig zunehmen, in einer Zeit der Orientierungslosigkeit und oftmals mangelnder Geborgenheit.
Wer ist es, der diese Zusage macht? „Der Herr, der dich geschaffen hat“ – es klingt wie eine Autorisierung dafür, dass der Herr wirklich in der Lage ist, diesen Trost zu geben. Er, der uns geschaffen hat, weiß, was uns bewegt und Angst macht.
Wenn ein gläubiger Israelit diese Verse las, dachte er vielleicht daran, dass der Schöpfer

  1. sein Volk aus Ägypten erlöst hat,
  2. dass er ihm einen Namen gegeben hat, den es vorher nicht hatte (Israel) und
  3. dass der Herr immer wieder betont, dass Israel sein Eigentum ist.

Im folgenden Vers heißt es: „Wenn du durchs Wasser gehst, ich bin bei dir und durch Ströme, sie werden dich nicht überfluten.“
Auch das hatten die Israeliten erlebt: Der Herr hatte sie trockenen Fußes durchs Schilfmeer gehen lassen und alle kamen heil ans andere Ufer, nur nicht die Feinde.
Das alles hatte ein gläubiger Israelit im Hinterkopf, wenn er diesen Vers las.

Aber auch tausende Jahre später, außerhalb von Israel, dürfen wir uns über diesen Trost und diese Zusage freuen, denn der Herr ist auch unser Schöpfer,

  1. er hat uns erlöst durch sein eigenes Blut,
  2. er hat uns zu Kindern Gottes gemacht und
  3. er hat uns erkauft durch sein Blut.

Auch wenn wir heute keine Stimme vom Himmel hören und keine Wolkensäule vor uns herziehen sehen, so wissen wir, dass unser Herr in der Geschichte gehandelt hat und dass er auch heute mit uns handelt und uns durch die Wasser hindurchbegleitet.

Diesen Trost dürfen wir selbst felsenfest halten und unseren Ratsuchenden weitergeben!

Es gibt keine Alternative!

„Noch einmal: Durch ´Gottes` Gnade seid ihr gerettet, und zwar aufgrund des Glaubens. Ihr verdankt eure Rettung also nicht euch selbst; nein, sie ist Gottes Geschenk“. (Epheser 2,8)

Vielleicht geht es Euch, liebe BTSler, beim Lesen des Wochenspruchs wie mir: Ich lese ihn mit meinem Verstand, und innerlich hake ich ihn gleich ab: „den kenne ich in- und auswendig“ – also: weiterhasten zum nächsten Vers, bis was „Interessanteres“ kommt, was wirklich neu ist für mich.

Das kann man so machen, insbesondere, wenn man längere Bibelabschnitte liest und vor allem mit dem Verstand (Gedanken) die Zusammenhänge verstehen will. Ich glaube, dass Gott sich freut, wenn wir uns anstrengen, sein Wort auch verstandesgemäß zu verstehen und ihm Fragen stellen.

In letzter Zeit habe ich aber noch eine ganz andere Art für mich entdeckt, die Bibel zu lesen: ähnlich wie die alten Mönche die „Lectio Divina“ praktizierten. Nur einen ganz kurzen Text zu nehmen, diesen aber beständig zu wiederholen. Die Grundidee dabei ist, dass ich Gottes Wort nicht nur als Informationsquelle für die „richtige“ Theologie sehe, sondern das Wort an mir „wirken“ lasse, wie eine Medizin, mich ihm aussetze; mir neue Bedeutungsebenen von Gottes Geist zeigen lasse. Um es im Faktorenmodell auszudrücken: Statt nur neue „Gedanken“ zu suchen, kommen hier mehr die Faktoren „Spiritualität“ und „Kontingenz“ zum Tragen. Ich gebe Gottes Geist noch mehr Gelegenheit, mir sein Wort aufzuschließen und meinen kleinen, menschlichen Horizont mit seinem grenzenlosen zu verschmelzen (nach Benedikt von Nursia, 6.Jh.).

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Wahrheiten in einem kleinen Bibelvers stecken können. Nicht umsonst nennt Paulus das Wort das „Schwert des Geistes“.

So, genug der Theorie, probiert es doch einfach einmal selbst aus: Nehmt diesen „langweiligen“, wohlbekannten Vers, und wiederholt ihn eine Viertelstunde lang, immer wieder. Kopiert ihn in eine Notizen-App Eures Handys, und lest ihn auch während der Arbeit, bei Spaziergängen, beim Joggen, beim Einkaufen, in der U-Bahn. Lest ihn, sprecht ihn laut aus, formuliert ihn um als Gebet, lasst Gottes Geist damit Euer Herz verändern…und das vielleicht sogar über mehrere Tage?

Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. (Gal.6, 2)

Gleichgewicht der Lastenverteilung

Ich trage deine Last, nicht meine Last – Meine Last trägt wieder ein anderer!

Geht dieses Prinzip auf? Ist es überhaupt umsetzbar? Ist es dann nicht doch einfacher, wieder meine eigene Last zu tragen?

Ich entscheide mich heute für eine einseitige Auslegung des Bibeltextes, für die Menschen, die immer noch mehr tragen wollen, aber nicht bereit sind anderen ihre Last zu übertragen.

Jeder soll also die Last des anderen tragen und nicht seine eigene. Daraus folgt: ich kann nicht meine Last und die des anderen tragen. Wer die Lasten anderer trägt, muss eigene Lasten abgeben.

Hier geht es unter anderem um die eigene Psychohygiene. Jedes Fahrzeug hat ein zulässiges Gesamtgewicht, bei dem die Zuladung berücksichtigt werden muss. Ansonsten ist die Nutzungstauglichkeit nicht mehr gewährleistet. Ein Bild, das sicherlich auf den Menschen übertragbar ist. Mit wieviel fremder Last, auch psychischer Last, kann sich ein Mensch zusätzlich belasten, ohne unter der Gesamtlast zusammenzubrechen?

Eigene Last abzugeben bedeutet die eigene Bedürftigkeit zu akzeptieren und anderen zu zeigen: „Du, ich brauche Deine Hilfe!“ Bedürftigkeit zeigen, Lasten abgeben, ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern verhindert Selbstüberschätzung. Wir sind von Gottes Idee her keine Einzelkämpfer, sondern brauchen den anderen.

Warum aber fremde Lasten tragen und nicht die eigenen? Vielleicht, weil die eigen Lasten oft schwerer erscheinen als die Lasten anderer. Vielleicht, weil wir Teil der eigenen Last sind. Die Lasten des anderen betrachten wir hingegen mit mehr Abstand, entwickeln vielleicht sogar Lösungen, so dass sie gefühlt leichter werden. Hinzu kommt, dass ich mich für die Lasten anderer entscheide. Ich bin ihnen nicht so hilflos ausgeliefert, und das macht sie erträglicher.

Die eigenen Lasten anderen aufbürden und zumuten bedeutet: Mut zum Loslassen und Vertrauen in die Stärke und Belastbarkeit des anderen. Auch der andere ist begabt zum Mittragen. Nur wenn ich bereit bin, meine Lasten an andere abzugeben, können auch sie das „Gesetz Christi“ erfüllen.

Achten Sie also in nächster Zeit darauf, wo sie anderen die Chance geben wollen, dieses Bibelwort in die Tat umzusetzen.

Gott segne Sie mit Menschen und Erfahrungen, die eine gesegnete Leichtigkeit in Ihr Leben bringen!

„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lukas 19,10)

Dieser Satz ist eine kurze und knappe Zusammenfassung, warum der Menschensohn auf diese Erde kam.

Zunächst einmal bedurfte es einer Entscheidung, den Himmel und die Herrlichkeit zu verlassen und als Mensch auf diese Erde zu kommen. Es bedeutete, sich zu erniedrigen und ohne Ende Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen. Keiner von uns Menschen wurde gefragt, ob er auf die Erde kommen möchte. Wir hatten keine Wahl. Jesus schon. Trotzdem hat er sich dafür entschieden, weil er motiviert war, das Verlorene zu suchen und zu erretten.

Etwas Verlorenes zu suchen kann oft recht mühsam sein und erfordert Geduld. Und nicht immer ist die Suche von Erfolg gekrönt. Vielleicht machen wir die Erfahrung, dass „das Verlorene“ sich nicht finden lassen will? Das kann uns schon manchmal frustrieren. Jesus selbst machte auch diese Erfahrung, dass Menschen sein Heilsangebot ablehnten.

Umso schöner ist es, wenn wir miterleben dürfen, dass ein „Verlorener“ sich finden lässt und selig wird, so wie in unserem Bibelabschnitt. Lukas berichtet uns hier die Begebenheit, wo Jesus Zachäus vom Baum herunterruft, bei ihm einkehrt und am Ende des Tages ausruft: „Heute ist diesem Haus Heil wiederfahren!“

Ich bin immer wieder begeistert über unsere Berufung in die Seelsorge, wo wir auch sehr häufig mit „Verlorenen“ zu tun haben. Wir können sie natürlich nicht selig machen, aber wir können sie mit Geduld suchen und zu unserem Herrn bringen, der sie selig machen kann.

Die Freude darüber, wenn „einem Haus Heil wiederfahren ist“, wenn Menschen gerettet werden, wenn Leben heil werden, wenn Beziehungen wiederhergestellt werden, kann uns neu motivieren, weiterzumachen in unserem Dienst.

Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. (Matthäus 11,28.29)

Es steht im Neuen Testament nicht irgendwo im Kleingedruckten. Je­sus hat es auch nicht im Geheimen hinter vorgehaltener Hand gesagt. Nein, er sagt es öffentlich – es ist sozu­sagen seine Regierungs­erklä­rung: wir sollen sein Joch tragen, ja, wir erfahren sogar, dass wir täg­lich unser Kreuz auf uns nehmen und ihm folgen sollen. Täglich sollen wir mit ihm sterben.

„Kommt her zu mir“ – das ist die Einladung unseres Herrn.

„Kommt alle“ – das ist eine Einladung ohne Einschränkung, Gott will alle Menschen zu sich rufen, die ihn brauchen.

„Kommt alle her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“ – Jesus ruft die, die eine Last mit sich herumschleppen, unter der sie vielleicht zu zerbrechen drohen.

Möglicherweise erlebst du dein Leben auch als aufreibend, kräfte­auf­zehrend oder ermü­dend. Vielleicht trägst du immer noch eine Schuld mit dir herum, die dich fast erdrückt. Vielleicht fühlst du dich verloren. Ein verlorenes Leben kannst du nicht zurückkaufen.

Doch immer steht Jesus auf deinem Weg, will deine Umkehr und sagt zu dir: „Ich habe Gutes mit dir vor. Ruhe sollst du finden für deine Seele. Vertraue mir.“

Wenn du Nervenaufreibung und Ausgebranntsein kennst, dann ahnst du, wie kostbar das ist, was Jesus hier anbietet. Doch es geht auch unter ein Joch. Sein Joch. An diesem Joch zieht gemeinsam mit dir auch Jesus. Er trägt und zieht mit dir zusammen. Deshalb ist das Joch – wie Jesus auch – sanft.

Ja, Herr. Ich beuge mich unter dein Joch. Amen.

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2. Auflage 2018, Moers: Brendow-Verlag, ISBN 978-3-96140-060-7
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Brendow-Verlags

Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. (Lukas 10,16)

Zu jeder guten Ausbildung gehören neben den theoretischen Inhalten auch die Praxisanteile. Das hat Jesus bei seinen Jüngern so gehalten, das praktizieren wir auch in der BTS-Ausbildung.

Hintergrund unseres Wochenspruches ist so ein Praxisanteil zu dem Jesus 70 seiner Jünger anleitet. Er gibt klare Anweisungen für diesen Auftrag, der sowohl Reden wie auch Handeln beinhaltet und er schickt sie jeweils zu zweit los. Vielleicht ging es den Losgeschickten damals so wie auch heute manchem der sich sagt: „Das kann ich doch gar nicht, Jesus du bist eine Autorität aber wer wird mich denn ernst nehmen?“ Da macht sich schlicht die Angst vor der Praxis breit. Jesus macht ihnen Mut.

Im Schwäbischen gibt es einen Ausdruck der heißt: Wie dr Herr so’s Gscherr“ Gemeint ist damit: Wenn ich auf den Chef schaue, weiß ich wie die Angestellten sind, nämlich ganz ähnlich. Genau das vermittelt Jesus hier seinen Jüngern, die er losschickt. Er bekräftigt die Solidarität des Meisters mit seinen Schülern. Eins sein zwischen Jesus und seinen Jüngern bedeutet, wir haben nichts anders zu sagen als das was unser Herr sagt. Dann aber sind wir auch so ernst zu nehmen wie der Herr selber. Das bedeutet einerseits die Verantwortung, sich wirklich an das zu halten was der Lehrer vorgibt, andererseits entsteht dabei aber auch die Qualitätsgarantie die von Jesus selbst ausgeht.

Ein Beispiel für die Wirksamkeit dieser übertragenen Autorität finden wir in der jüngsten Geschichte in Auseinandersetzung mit der Ideologie des Nationalsozialismus in der Barmer theologische Erklärung vom 31. Mai 1934: These 1: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“

Mit dieser Haltung sind wir auch in der kommenden Woche an der Seite von Jesus, der uns in den Alltag und in die Herausforderungen dieser Woche hineinschickt. Wünsche euch viel Spaß dabei.

„Heilig heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll“ (Jesaja 6,3)

Welch ein grandioses Spektakel bezeugt Jesaja hier in diesem Vers. Auf eine überwältigende Weise begegnet er GOTT Zebaoth.

GOTT zeigt seine Majestät sitzend auf einem hohen Thron, die Säume seiner königlichen Macht erfüllen den Tempel.

Was für eine wohltuende Beschauung musste das für Jesaja gewesen sein, in einer Zeit von katastrophalen Bedingungen in dem Land Israel. Das Volk war sehr beschäftigt seinem Unglück nachzugehen und sah sich bereits im Abgrund.

Welch eine erstaunliche Umgebung in der Gegenwart GOTTES und seinen Seraphen zu verweilen! Können wir uns das vorstellen, Zuschauer einer fantastischen, unermesslichen Begegnung zu werden, unsere begrenzten Gedanken für eine Zeit ruhen zu lassen?

Jesaja lädt uns für einen Augenblick in GOTTES Wirklichkeit ein, „brennende Lichtengel“ zu schauen, wo sie sich befinden, wie sie aussehen, wie sie sich bewegen, wie sie sich verhalten, wie sie GOTT verehren und wie sie miteinander kommunizieren!

Sie betonen untereinander, in der unsichtbaren Welt, die Heiligkeit Gottes durch ihr ständiges Lob.

Sie berichten von der Herrlichkeit GOTTES auf der Erde, der sichtbaren Welt, in der GOTT überall in Glanz, Ruhm, Macht und Kraft erscheint.

Heiligkeit und Herrlichkeit personifiziert in Jesus Christus, der am Kreuz hoch erhoben worden war und in Jesus Christus, dem Auferstandenen.

Hören wir das Bekenntnis der Seraphen trotz Sorge, Ängste, Bekümmertheit, Eile, Seufzen, trotz all das was uns gefangen hält?

Vergebung, Heil, Frieden, neuer Anfang sind Gottes unermüdliche Einladungen.

Glaube an GOTTES Wirken in uns und durch uns ist unser sicherer Trost.

Gewissheit, Anteil an seinem Reich zu haben, ist unsere ungetrübte Hoffnung.

Lassen wir uns heute motivieren durch diese Verstärker, uns mit anderen Gedanken zu imprägnieren.

Lassen wir uns den Segen Gottes zusprechen und seine Heilung in der Gemeinschaft.

Lassen wir zu, dass jeder Tag heute ist.

Seien Sie ganz lieb gegrüßt.

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“     (Sacharja, 4,6)

Es soll geschehen!

Es soll geschehen durch meinen Geist!

Es soll anders geschehen als üblich oder erwartet.

Was aber genau ist dieses „Es“, von dem Gott verspricht, dass es eintritt?

In Sacharja ist es eine Zusage an Serubbabel, den Statthalter von Juda, der ein Nachkomme Davids und ein Vorfahre Jesu ist, für den Tempelbau und dessen Fertigstellung.

In der Bildsprache der Bibel steht der Tempel für Gottes Gegenwart, überall dort, wo Christen sich treffen und Jesus Christus durch seinen Geist anwesend ist. Der Tempel ist auch ein Sinnbild für die Gemeinde.

Gemeinde/christliche Gemeinschaft soll nicht durch Heer oder Kraft geschehen, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr Zebaoth.

Auch der einzelne Christ wird als Tempel bezeichnet.

Gemeinde und jeder Einzelne soll geschehen, entsteht, wird gebaut und vollendet durch den Geist Gottes. Der Geist Gottes handelt an uns.

Das ist eine Zusage, ein Versprechen Gottes an uns, es geschieht unabhängig von äußeren Einwirkungen und scheinen sie noch so stark zu sein. Das Entscheidende geschieht auf der geistlichen Ebene. Nicht ich oder andere sind die Akteure, sondern Gottes Geist.

Ich bin Kraft Gottes Zusage ein fertiger Tempel. Aus diesem geistlichen Sein heraus, darf ich mein Leben gestalten und mich zum Guten in diese Welt einbringen.

Diesen Tempel wird auch kein Heer und keine Kraft einreißen können, er ist ein fester Bestand in Gottes Wirklichkeit. Äußere Mächte und Kräfte mögen noch so furchterregend für uns sein, sie können uns nicht von Gottes Geist und seinem Wirken entfremden.

„Gott hat den Heiligen Geist durch Jesus Christus unseren Retter über uns ausgegossen. So sind wir durch seine Gnade gerecht gesprochen und zu Erben des Ewigen Lebens eingesetzt worden, auf das wir voller Hoffnung warten.“ (Titus 3,6 und 7)

Bange machen gilt nicht! Gottes Geist ist ein Geist der begründeten Hoffnung.

Gesegnete Pfingsten!

„Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, dann werde ich alle zu mir ziehen.“ (Johannes 12,32)

Am Ende einer anstrengenden Fahrradtour sag ich manchmal zu meinem Mann: „Kannst Du mich bitte einmal ein Stück ziehen?“ Oder ich sage zu meiner Enkeltochter aufmunternd: „ Das schaffst Du und den Hügel rauf ziehe ich Dich.“

Ziehen kann ganz schön anstrengend sein – gezogen werden dagegen sehr entlastend.

Christus will uns zu sich ziehen!

Wo er ist, da sollen wir auch sein!

Nähe herzustellen, zu ihm, zu Gott, unabhängig von unserer Kraft und unserem Vermögen, das ist sein Auftrag, seine Mission. Das bewegt Jesus, das lässt ihn durchhalten.

Dieses Ziel verfolgt er bis zu seinem bitteren Ende, bis zu seinem Tod am Kreuz.

Der Kontext beschreibt auch, dass Jesus diese Mission hinterfragt. Er überlegt, ob es ihn nicht doch zu viel kostet. Aber im gleichen Moment verwirft er jeden Zweifel und auch Gott bekräftigt seinen Weg zum Ziel.

Jesus Christus zieht uns an den Ort, wo er ist.

Errettung braucht keinen Kraftaufwand von unserer Seite. Errettung ist Gnade; ist, sich ziehen lassen.

Bin ich eine Gezogene oder eine die zieht? Vielleicht sogar in die entgegengesetzte Richtung?

Auf welche Richtung hin zielt mein Leben? Will ich auch da sein, wo der auferstandene Christus ist? Oder möchte ich nur, dass er da ist, wo ich bin?

Christus ist auferstanden, damit wir bei ihm leben können. Er entlastet uns, befreit uns von der Sorge verloren zu gehen und setzt dadurch in uns Kräfte frei, die wir in die Gestaltung unseres Lebens hier und heute stecken können und auch in das Leben anderer.

Mir macht der Text bewusst: Ich will eine Gezogene sein, mich ziehen lassen mit der Zielrichtung auf Jesus Christus hin. Das gibt meinem Leben Sinnhaftigkeit und Orientierung.

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“ (Ps. 66,20)

Als Kind habe ich es oft stressig erlebt, wenn meine Familie zu einem Event aufgebrochen ist. Dann auf einmal waren Eltern ungehalten, wurden Geschwister störrisch und es verlief sehr ungemütlich.

Saßen wir dann jedoch im Auto, stimmte meine Mutter ein fröhliches Lied an und aller Stress und Jammer war vergessen. Mir ist das meistgesungene Lied noch gut im Ohr: „O lasst uns mit Jauchzen erheben, den Schöpfer und Herrscher der Welt.“ Eine wunderbare Melodie, ein erhebender Inhalt, ein Loblied auf unsern Gott.

Dieses Lied erinnert an unseren Psalm, dessen Abschlussvers unser neuer Wochenspruch ist. Am liebsten würde ich Ihnen dieses Lied vorsingen.

Es ist ansteckend, wenn Menschen Gott loben. Der Blick wird auf die Güte und Größe unseres Gottes gelenkt. Die unliebsamen „Kleinigkeiten“ des Alltags werden verschwindend klein, die Erinnerung an die herrlichen Taten Gottes im Leben gewinnen wieder an Gewicht. Wer wollte da noch an der Klage festhalten?

Aber offenbar waren auch im Leben des Psalmisten und seiner Gemeinde Zweifel, ob denn Gott seine Auserwählten noch liebt, ob er denn noch auf ihre Gebete hört? Menschen in der Krise stellen diese drängenden Fragen. Auch ausgebildete BTS-Seelsorger.

Doch bleibt der Psalmist offenbar nicht in der Krise stecken. Er muss/darf neues lernen. Wie hilfreich ist es, wenn er dabei von außen unterstützt wird und Geborgenheit und Verständnis bei seinen Mitglaubenden findet. Hier in der Gemeinde findet er wieder zur Rückbesinnung auf die guten Taten Gottes und seine Wunderwege.

Er lässt sich davon überzeugen, dass er einen Gott hat, der sich für jede Kleinigkeit seines individuellen Lebens interessiert. Er lässt sich davon überzeugen, dass all die Not, die er erlebt, nicht zum Ziel hat, ihn zu zerstören. Niemals würde unser Gott uns, die wir seine Geschöpfe sind, grundlos schädigen, nein, all diese Prüfungen sind „nur“ die Schmelze, damit reines Silber übrig bleibt. So jedenfalls kann der Psalmbeter seine Geschichte im Nachhinein interpretieren.

Sein Fazit: Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet, ein Anstoß für dich und mich, ihm dein ganzes Vertrauen wieder neu zu schenken?

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.    (Psalm 98,1)

In der Fußgänger Zone sang eine ältere Dame alte Lieder, Lieder von damals als sie jung war und die von Generationen her weiter gegeben worden waren. Ihre Gedanken bewegten sich in andere Zeiten, sie sang melodiös fast ohne Lippenbewegung.

Sie bewegte sich elegant zur Musik, ihr Gesicht strahlte, sie schöpfte Kraft. Sie war in ihren Liedern versunken, sie wurde ein Teil von ihnen. Die warme Melancholie, die sie ummantelte, harmonierte mit einer erobernden Begeisterung.

Lieder, alte Lieder, neue Lieder werden unermüdlich gesungen.

Ein Psalm Kommentar von Samson Raphael Hirsch sagt:

„Ein neues Lied ist in den Psalmen im Hebräischen  ein Lied, das aus einer Gott schauenden Begeisterung kommt.“

Es geht also nicht um das Alter des Liedes und der Stil. Es scheint eher um die Haltung und das Erleben des Herzens und das Ziel des Singens zu gehen.

Kennen wir solche Momente der Begeisterung, der Lebendigkeit wenn wir Gottes Gegenwart ganz nah spüren, wenn wir die Zuversicht haben, dass seine feste, liebende Hand uns hält? Ist es dann nicht leicht Gott zu loben, Gott zu lieben, begeistert von GOTT zu sein?

Kennen wir solche Momente der Schwere in einer Krise, wenn wir auf unsere Schmerzen und Schwierigkeiten sehen? Fokussieren wir auf Klage, Schmerzen, Einsamkeit und Sprachlosigkeit, wird das Singen vergehen. Schauen wir aber auf Gottes Eigenschaften werden die Schmerzerfahrungen weniger Raum einnehmen und unsere individuelle Melodie wird sich entfalten.

Der Psalmist zündet ein wärmendes Licht an:

“ Singt dem Herrn ein neues Lied!“

Können wir diesen Ruf als einen Appell an unsere Gedanken verstehen, uns auf GOTTES persönliche Entscheidung für uns zu besinnen?

ein Appell an die tiefe Sehnsucht in uns, zur Quelle zurückzugehen

ein Appell an unser Verlangen, mit Gleichgesinnten zusammen zu singen und um GOTTES Wunder zu erleben: sein Handeln an unserer ganzen Nefesh zu erfahren.

GOTT loben: eine tiefe innere individuelle Entscheidung

GOTT loben: eine innere Haltung als Echo seines Handelns

GOTT loben für die Erlösung durch den Sieg Jesus Christus, die bei uns angekommen ist

GOTT loben für Sein Wirken in der Geschichte und für seiner Gegenwar, in uns

GOTT loben für die erwartete gloriose Zukunft.

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.  (2.Korinther 5,17)

Dieser biblischen Satz hat mir einige Zeit in meinem Leben Mühe gemacht. Unter „neuer Kreatur“ habe ich damals so etwas verstanden wie: vorher Eichhörnchen, nachher Giraffe. Also etwas völlig anderes. Und dann habe ich bemerkt, als ich mich entschieden hatte Jesus nachzufolgen, dass sich eigentlich gar nicht so richtig etwas verändert hatte. Ich war immer noch irgendwie der alte. Mit meinen alten Gewohnheiten, Vorlieben und vor allem auch mit meinen alten Defiziten. Also nichts da vom Eichhörnchen zur Giraffe (mit dem besseren Überblick).

Heute verstehe ich den Satz etwas anders und kann damit auch etwas anfangen. Es geht um eine neue Situation durch die ich in der Nachfolge von Jesus hineingekommen bin. Ich möchte das mit einem Bild verdeutlichen. Stellen Sie sich vor, sie sind ein Stück Land.  Wachsen tut da nicht viel außer Unkraut, Disteln, Sträucher, wildes Gras. Keiner kümmert sich so richtig um dieses Stück Land, entsprechend sieht es auch aus.

Nun bekommt dieses Stück Land einen neuen Besitzer. Der steckt eine Menge Arbeit in dieses Land, entfernt das Unkraut, fährt guten Boden heran, liest Steine heraus, und dann legt er in den vorbereiteten Boden neuen Samen hinein: Erdbeeren, Zwiebeln, Tomaten ein paar Reihen Kartoffeln. Mit der Zeit zeigen sich auf dem Acker die gesäten und gepflanzten Früchte.

Das ursprüngliche Land ist nicht mehr wiederzuerkennen. Aus wildem unfruchtbarem Acker wurde eine blühende Landschaft mit wunderbaren Früchten. Das Alte ist vergangen, etwas Neues ist geworden.

Diese Veränderung braucht einen Herrschaftswechsel, das heißt, die Entscheidung etwas Neues zu wollen und es braucht Investition und natürlich auch den neuen Samen und es braucht Geduld, das Neue auch wachsen zu lassen.

Das ist es auch, was ich in seelsorgerlicher Arbeit wiederfinde. Gott macht nicht mit Fingerschnipsen aus einem Eichhörnchen eine Giraffe – oder etwas anders. Aber er kann aus meinem wilden untauglichen unkrautbehafteten Lebensacker ein blühendes fruchtbares Lebensfeld machen. Dazu braucht es aber Arbeit und Gott möchte uns als Mitarbeiter in diese Arbeit mit hineinnehmen. Unkraut jäten, Altlasten beseitigen, neues pflanzen und wissen, dass Gott das Gedeihen dazu schenkt. Leben ist Arbeit mit Gottes Hilfe am eigenen Lebensacker und dann wird wirklich aus dem alten Acker eine völlig neue Kreatur – nicht wiederzuerkennen. Ich wünsche euch allen viel Freude an dieser Arbeit in der wir uns natürlich auch gegenseitig unterstützen dürfen – und sollen.

Jesus Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe Ihnen das ewige Leben. (Joh. 10, 11.27.28)

Willst Du ein Schaf sein?

Ich meine, nur wenn Du ein Schaf sein willst, kannst Du einen Hirten gebrauchen. Es könnte ja sein, dass Du vielleicht selbst gerne bestimmen willst, wo es lang geht. Vielleicht hast Du sogar in der Gemeinde, im Beruf oder in der Seelsorge die Aufgabe, andere zu führen? D.h. Du selbst siehst Dich eher in der Rolle eines Hirten. Du trägst Verantwortung.

Als ich vor einigen Jahren gefragt wurde, ob ich die Leitung des örtlichen CVJM übernehmen könnte, wurde für mich das Bild von Jesus als dem guten Hirten sehr bedeutsam. Ich dachte mir, wenn Jesus sagt: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, dann gibt es für mich als Schaf nur eins: Ich muss ganz nah bei dem Hirten bleiben, damit ich seine Stimme gut hören kann. – Wie sieht das praktisch aus? Es geht darum, viel Zeit mit dem Hirten zu verbringen. Es muss in der Stille eingeübt werden, seine Stimme zu erkennen, um sie von anderen Stimmen unterscheiden zu lernen. Anstatt Gott ganz viele Gebetsanliegen vorzutragen, kann es auch mal nötig sein, Stille auszuhalten und auf sein leises Reden zu warten. Es kann bedeuten, sehr wachsam die Bibel zu lesen mit der Erwartung, dass der Hirte Nahrung für sein Schaf hat. Tagsüber bedeutet es, im Kontakt mit dem Hirten zu bleiben, immer wieder auf seine Impulse zu achten. – Natürlich bin ich ein ganz normales Schaf, manchmal laufe ich etwas weg oder ich bleibe zurück…Doch je mehr ich auf seine Stimme konditioniert bin, desto eher höre ich seinen Ruf im Alltagsgetümmel.

In der inneren Auseinandersetzung mit dem Amt der 1. Vorsitzenden kam mir der Gedanke, dass die Rolle eines Leithammels sehr passend ist. Bei meiner Internetrecherche stieß ich auf ein Foto, das einen Leithammel zeigte, der gefolgt von seiner Schafherde ein Sportgeschäft erkundete. Bei aller Situationskomik wurde mir der Lage klar: Als Leithammel hast Du einerseits eine besondere Verantwortung, nah beim Hirten zu bleiben und andrerseits entlastet es Dich. Da der gute Hirte weiß, wo es lang geht, wirst Du nicht im Sportgeschäft landen.

Wenn Du Dich entschließt, die Rolle des Schafes zu übernehmen und Jesus nachzufolgen, dann verspricht er Dir ewiges Leben. Ist das nicht ein guter Verstärker für Nachfolge? Plötzlich beginne ich das Veränderungsmodell der ABPS auf das Ziel „Nachfolge/in Jesu Nähe leben“ auszufüllen. Was könnten die einzelnen stützenden Faktoren sein? Du bist eingeladen, weiter zu denken.

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ (1. Petrus 1,3)

„Wer bist Du?“ – „Ich bin wiedergeboren, auf eine lebendige Hoffnung hin!“

Natürlich, das habe ich auch schon vorher gewusst. Aber so auf den Punkt gebracht, merke ich, wie identitätsstiftend dieser Satz ist.

Ich bin nicht nur wiedergeboren, sondern habe auch eine neue Ausrichtung für mein Leben bekommen, meine Wiedergeburt, mein neues Leben wird bestimmt von der „lebendigen Hoffnung“.

Ich habe mir von 833 angezeigten Synonymen zu „lebendig“ einige herausgesucht, die mir in Bezug auf Hoffnung besonders gefallen haben: geheilt, vehement, dynamisch, unverbraucht, greifbar, wirklichkeitsnah und aussagekräftig.

Auch wenn Hoffnung auf die Zukunft gerichtet ist, kommt sie mir sozusagen aus der Zukunft entgegen, und erfüllt meine Gegenwart mit genau den Eigenschaften, die ihr zu eigen sind.

Ich lebe mein Leben hier und jetzt, aber ich habe im Gepäck diese „lebendige Hoffnung“. Sie geht mir voran. Gott gibt mir eine Sicherheit mit auf den Weg, eine Stärkung, eine Zuflucht und einen Trost.

Seit Ostern, seit meiner Entscheidung für ein Leben mit Jesus Christus, gehört die „lebendige Hoffnung“ zu meiner Identität. Ich bin eine Hoffnungsträgerin.

Natürlich gelingt es mir nicht immer als Hoffnungsträgerin zu leben, aber ich bin es trotzdem, durch Jesus Christus. Und ganz ehrlich: Ich möchte auch gar nichts anderes sein.

Wir kennen die Kraft von Einreden, von inneren Dialogen, die oft negativen Charakter haben und unser Leben entsprechend prägen. Die sind aufgehoben, durch die Erlösungstat von Jesus Christus.

Lassen Sie sich von Gott zusprechen, wer sie sind. Geben Sie sich jeden Morgen die richtige Ausrichtung für den Tag und beantworten Sie die Frage: „Wer bin ich?“, mit der klaren Antwort:

„Ich bin wiedergeboren, auf eine lebendige Hoffnung hin.“

Christus spricht: Fürchte dich nicht, Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle (Übersetzung von Martin Luther). Offenbarung 1, 17b, 18.

Christus spricht: „Fürchte dich nicht, ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch ich lebe für immer und ewig. Ich habe die Schlüssel, um das Reich des Todes in der Unterwelt zu öffnen (Übersetzung von Berger/Nord). Offenbarung. 1,17b,18.

Die Offenbarung des Johannes enthält sieben Briefe an sieben Gemeinden in Kleinasien. Die Situation dieser Gemeinden war schwierig. Noch nicht lange hatte es einen Märtyrer, Antipas, gegeben. Das hat die Gemeinden erschreckt. Nun sollen sie den römischen Kaiser Nero als Gott anbeten unter Androhung des Todes bei Nichtbefolgen. Übereifrige heidnische Mitbürger hatten bereits ein Handelsverbot gegen die Christen ausgesprochen und vollzogen.

Der Schreiber der Apokalypse sieht diese Benachteiligung bis hin zur Verfolgung als Versuchung an, die auf die Bekehrung folgt. Er fordert von den Gemeinden intensiven Glauben und Geduld. Es geht um das „Überwinden“, das „Siegen“ in der Kraft Jesu, wie es häufig in der Offenbarung heißt. Nur im Blick auf Jesus, auf seinen Tod und Auferstehung und das darauf folgende Leben in Gottes Herrlichkeit macht es in diesen Situationen möglich, der Versuchung zum Abfall vom Glauben zu widerstehen. In der Vision, die der Schreiber der Offenbarung sieht, spricht Christus selber dies Trostwort zu: „Ich lebe für immer und ewig und ich bin immer für die da, die an mich glauben“. Das ist der Gegensatz zu den Herrschern und Mächtigen dieser Welt: Sie vergehen, ihre Zeit ist begrenzt. Das ewige Reich Gottes gehört dem auferstandenen Jesus und seinen Nachfolgern in alle Ewigkeit. Für sie hat er die Macht des Todes gebrochen. So ist er auch der, der das letzte Wort auf diesem Äon zu sagen hat. Ihm anzugehören darf uns nicht nur an Ostern, sondern täglich zu Lob und Dank anregen. Es kann uns helfen, erlittenes Unrecht, Benachteiligungen u. a. wegen unseres Glaubens oder wegen des daraus entstehenden ethischen Verhaltens zu ertragen. Wie nötig diese Hinwendung und das Festhalten an Jesus, dem Auferstandenen und Lebendigen ist, können wir von allen Märtyrern von Anfang an bis in die Neuzeit und die Gegenwart lernen.

Aber nicht nur in diesen Extremsituationen, sondern auch in den Krisensituationen, aus denen unsere Ratsuchenden zu uns kommen, ist das Vergewissern der Nähe und der Treue Jesu ein unschätzbares Fundament, das auch dann trägt, wenn die Schwierigkeiten unüberwindbar scheinen.

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Johannes 3,14.15)

Das Wort dieser Woche versteht man besser, wenn man einen Blick ins Alte Testament wirft: Auf der Wüstenwanderung ist das Volk Israel verdrossen, es redet wider Gott und wider Mose: „Warum sind wir nicht in Ägypten geblieben?“

Da sendet Gott feurige Schlangen unter das Volk. Die Schlangen beißen das Volk und viele sterben. Die, die das sehen, gehen zu Mose und be­ken­nen: „Wir sind schuldig. Wir haben mit unserem Klagen gegen Gott gesündigt. Bitte Gott, dass er die Schlangen wieder fortnehme.“

Mose bittet Gott, und der hat eine Lösung: „Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben.“ Das steht in 4. Mose 21,8.

Die Israeliten sollen also ein Symbol ansehen, das genau das verkör­pert, was sie im Moment am meisten fürchten – eine Schlange. Sie sol­len der Gefahr ins Auge blicken und wissen: der Herr hat versprochen, wir sollen leben.

Genauso ist das auch mit dem Kreuz von Golgatha. Hier ist Christus für uns erhöht, wie auch die eherne Schlage auf der Wüstenwanderung erhöht war. Unsere größte Ge­fahr ist, für unsere Schuld sterben zu müssen. Wir sollen dieses Kreuz mit unserem erhöhten Herrn jedoch in die Mitte unserer Betrachtung stellen. Und wir sollen wissen, wir sollen mit dieser Blickrichtung, mit diesem Bild im Fokus, leben. Gott schenkt hier, mit diesem Augenmerk, das Leben neu. Und in die­sem neuen Leben erkennen wir Gottes Mitleiden mit uns Menschen, wir erfahren Ver­söhnung in dieser Hinwendung zum Kreuz.

Ja, du sollst leben. Auch im Angesicht der Gefahr. Gott hat sein Ver­sprechen dazu in Christus gegeben.

Danke, Herr, dass du treu bist und dein Wort hältst. Amen.

 

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2017, Freudenstadt: Fachverlag des IPP GbR, ISBN 978-3-943815-07-8
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der IPP Fachverlags

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. (Matthäus 20,28 )

Ärger unter den Jüngern. Auch im Jüngerkreis von Jesus scheint es nicht immer so harmonisch und nett zugegangen zu sein. Jedenfalls steht hinter der Aussage des Wochenspruchs ein ganz handfester Krach. Das Thema um das es ging: Wer steht in der Hackordnung der Gruppe höher. Oder, die Machtfrage spielt eben auch eine Rolle unter den Nachfolgern von Jesus.

Um der Geschichte noch einen ganz besonderen Reiz zu geben, spielt zu allem Überfluss die Frage von Vetternwirtschaft oder Lobbyismus mit eine Rolle.

Aber zum Anfang der Geschichte, die zu unserem Wochenspruch führte. Die Mutter der Zebedäussöhne will für ihre beiden Söhne einen besonderen Ehrenplatz ergattern und bittet Jesus um eben einen solchen. Das erinnert ein bisschen an das Geschachere um Ministerposten in unseren Tagen.

Beim Rest der Jünger kommt dieses Vorgehen gar nicht gut an. In der Bibel heißt das so: „sie wurden unwillig über die zwei Brüder“. Ich kann mir lebhaft vorstellen was „unwillig“ bei jungen kräftigen Männern um die zwanzig herum so in etwa bedeuten kann.

Jesus nimmt diese Szene und den beginnenden handfesten Konflikt um die Rangordnung auf, um seine Wertevorstellung und seine Berufung deutlich zu machen.

Bei Jesus bedeutet herrschen gleich dienen. Damit stellt er die Hackordnung dieser Welt auf den Kopf. Während Menschen vielfach danach streben Macht zu bekommen und zu erhalten zeigt Jesus den Weg des Dienstes auf. „Wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht“. Damit deutet Jesus auf sein Beispiel und auf seine Berufung. Er kommt als der Sohn Gottes nicht um zu herrschen – dazu hätte er alles Recht – er kommt um uns Menschen mit seinem ganzen Leben zu dienen. Seine Frage ist nicht, was habe ich davon wenn ich mich einsetzte, sondern was kann ich für dich tun, damit du leben kannst?

Jesus beschreibt damit seinen Dienst-Weg in diese Welt und ans Kreuz für uns, damit wir leben können. Es ist das was wir in der laufenden Passionszeit bedenken.

Hinter dem Ganzen steckt für mich aber auch ein tiefes Geheimnis von gelingendem Leben. Das Ringen um Macht und um Machterhalt hat als ständigen Begleiter die Angst auf diesem Weg zu verlieren. Im Dienst-Einsatz für Menschen (Seelsorge; Ehrenamt; Nachbarschaftshilfe …) winkt ein unendlicher immateriellen Gewinn, den einem niemand nehmen kann. Lass wir uns vom Beispiel von Jesus in unserem Streben auf den Kopf stellen. Vom Herrschen wollen zum Dienen befähigt, durch Jesus unserem Vorbild.

 

 

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.
(Johannes 12,24)

Jesus spricht von sich. Er ist das Weizenkorn, das erstirbt. Und das meint er nicht im Sinn einer Metapher, er meint das auch nicht irgend­wie religiös-romantisch. Er spricht tatsächlich von seinem Tod. Die Frucht, die Jesu Tod bringt, ist Vergebung unserer Schuld und ein freier Weg zum Vater im Himmel. Jesus hat mit seinem Programm, das er hier in unserem heutigen Bibelwort vorträgt, Ernst gemacht.

Jesus spricht von dir und mir. Auch wir sollen ein Weizenkorn sein, das erstirbt, um viel Frucht zu bringen. Unsere Eitelkeit, unsere Ichbezo­gen­heit und Selbstsucht – auch unsere Bequemlichkeit – werden auf dem Weg mit Jesus täglich sterben müssen. Nur so taugen wir etwas für unseren Dienst.

„Bruder X hat mich gekränkt – Schwester Y hat mich verletzt“ – das gehört der Ver­gangenheit an, wenn du täglich stirbst. Denn, das ist der Vorteil am Sterben: wenn du als Weizenkorn in die Erde gefallen und erstorben bist, dann tun all diese Kränkungen und Verletzungen nicht mehr weh. Ein Toter kann nicht über Demütigungen klagen. Angriffe auf einen Menschen, der in Christus erstorben und zu einem neuen Leben mit viel Frucht gereift ist, werden zu Angriffen auf den Leib Christi. Mit solchen Angriffen umzugehen gehört allein in den Zustän­dig­keits­bereich unseres Herrn, des Hauptes der Gemeinde.

Einen letzten Blick wollen wir noch auf die Frucht tun. Galater 5,22 be­schreibt die Frucht aus dem neuen Leben im Geist mit Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Keuschheit.

Danke für das Kreuz, mein Herr. Amen.

 

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2017, Freudenstadt: Fachverlag des IPP GbR, ISBN 978-3-943815-07-8
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der IPP Fachverlags

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lukas 9, 62)

Es geht in dem Bibeltext um Nachfolge und um die Konsequenz der Nachfolge.

Ehrlich gesagt, habe ich nie wirklich verstanden, warum Jesus es verbietet, sich von seiner Familie zu verabschieden.

Aber vielleicht geht es gar nicht so sehr um das Verabschieden, sondern viel mehr um das Zurückblicken.

Wir blicken auch in der Beratung manchmal zurück. Wir beschäftigen uns mit unserem Gewordensein, um unser Heute zu verstehen. Wir erkennen Kausalitäten, und dieses Erkennen hilft uns, Neubewertungen der Vergangenheit vorzunehmen. Uns so aus negativen Kausalitätsketten zu befreien.

Wir wissen heute durch die Hirnforschung, wie sehr alte Denkmuster, Erfahrungen und Gewohnheiten in unserem Gehirn abgebildet sind und unser heutiges Denken, Fühlen und Handeln mitbestimmen.

Hier könnte der Schlüssel zu der Aussage von Jesus liegen. Vielleicht möchte Jesus die Radikalität zwischen dem Leben vor der Nachfolge und dem Leben in der Nachfolge verdeutlichen. Nachfolge bedeutet dann nicht, ein Weitermachen nur mit anderen Prioritäten, sondern der Beginn eines neuen Lebens, in einem neuen Herrschaftsbereich. Ich werde nicht mehr bestimmt von dem was war, sondern darf neue Furchen ziehen, auch in meinem Denken. Ich darf Freiheit erfahren, sogar die Freiheit von alten Systemen, wie es eine Familie sein kann.

Die Radikalität von Jesus kann manchmal sehr erschreckend sein und wirklichkeitsfremd erscheinen. Und ich bekenne, mir kommen während ich diesen Impuls schreibe, auch so meine Bedenken. Aber meine Bedenken sind eben auch von meinen Erfahrungen geprägt. Ich möchte mich aber erneuern lassen, mich immer wieder öffnen für die Möglichkeiten, die in der Nachfolge liegen, in dem Geschenk eines neuen Lebens, in einem Leben als neuer Mensch. Ich will Dinge für möglich halten, die außerhalb meines Denkens liegen, weil Jesus Christus, als der Sohn des allmächtigen Gottes, nicht meinem Denken und meinen Erfahrungen unterliegt.

Christus hat uns zur Nachfolge befreit. Ein Leben in dieser Freiheit ist tausendmal besser, als ein Leben in der Unfreiheit meines Denkens. Und wenn mich doch die Unfreiheit mal wieder gefangen nehmen will, dann höre ich die liebevolle Aufforderung von Jesus ihm erneut zu vertrauen:

FOLGE MIR NACH!

Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Römer 5,8)

Es gibt ja schon ganz verschieden Vorstellungen von Gott. Eine davon, die mir immer wieder begegnet ist die: ich muss erst mal gut sein oder werden, damit Gott etwas mit mir zu tun haben will. Ich muss mich anstrengen, denn Gott ist wie ein strenger Boss, der jeden Fehler bestraft. Bei ihm muss immer alles perfekt sein, auch ich. Im Schwarzwald erlebte ich das in der geschichtlichen Prägung bei einem ganzen Menschenschlag. Geprägte durch eine harte Umgebung mit eingeschränkten Lebensmöglichkeiten war die Botschaft an Menschen nicht die: Du bist herzlich willkommen, sondern: Wenn du schon da bist, dann schaff wenigstens etwas, mach dich nützlich. Dieser Leistungsgedanke wurde dann oft genug auf das Verhältnis zu Mitmenschen und auch zu Gott übertragen.

Dabei redet Gottes Wort ganz anders. Zum Beispiel in dem Satz aus dem Römerbrief. Gott liebt dich und mich unendlich. Er gibt sein Innerstes, seinen Sohn, damit wir eine Beziehung zu ihm haben können. Freunde kann ich ganz natürlich gern haben ja vielleicht sogar lieben aber Gegner doch nicht. Nun heißt es hier, dass Gott jeden von uns schon geliebt hat, als wir durch die Sünde noch seine Gegner waren. Sünde heißt da nichts anderes als in der Gegnerschaft zu Gott leben. Es heißt, in einer Lebensorientierung unterwegs zu sein, in der ich Gott ablehne, weil ich mir in mein Leben nicht dreinreden lassen will. Im Kindergarten heißt das: Ich will der Bestimmer sein.

Und nun geht Gott selber in die Vorleistung. Er geht das Risiko ein, sich völlig für mich einzusetzen ohne Gegenleistung einzufordern. Er macht den Weg frei damit ich zu ihm kommen kann. Stellen sie sich mal vor: jetzt ist es Winter, ihr Nachbar, der völlig in Feindschaft mit ihnen lebt und ihnen schon einiges an Gehässigkeiten zugemutet hat, ist total eingeschneit. Sie gehen trotz eines schmerzhaften Rückenleidens hin und schaufeln ihm den Weg frei, damit er eine freie Bahn hat. Mit so einer – und noch viel größeren – Liebe kommt Gott uns in der Person von Jesus entgegen. Von dieser unbedingten Liebe umgeben darf ich lernen mein Leben zu gestalten. Und egal, was schief geht im Leben, tiefer als in diese Liebe kann ich niemals fallen.

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Johannes 3,8)

Ein Kampfspruch gegen alle Entmutigung und das Liebesdefizit in dieser Welt.

Jesus ist am Kreuz gestorben und hat dadurch alle Werke des Teufels in die Vernichtung hineingezogen. Die Macht des Diabolos, des Durcheinanderbringers ist gebrochen.

Keine Macht, keine Kraft auf dieser Welt kann Jesus besiegen. Seine Auferstehungskraft ist größer als alle Mächte und Gewalten dieser Erde.

Daher gilt für uns Römer 8: (38) „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, (39) weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn“.

Gegen die Mächte der Zerstörung und der Gewalt (Krankheit und Tod) haben wir eine Gegenkraft geschenkt bekommen. Die Auferstehungskraft setzt in uns Glauben frei, ein Glaube, der über diese gefallene Schöpfung hinausgeht. Wir werden dazu befähigt zu lieben:

Gott unseren Nächsten und uns selbst.

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lukas 18,31 )

Jesus ist hier im Gespräch mit seinen Jüngern. Er erklärt ihnen wohin sein Weg gehen wird. Es geht nach Jerusalem, ans Kreuz und in den Tod. Jesus kennt das Ziel und den Sinn seines Lebens: Dazu ist der Menschensohn gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lukas 19,10)

Damit weiß er sich einem konkreten Lebensziel verpflichtet und er geht diesem Ziel entgegen auch wenn sich Widerstände und Schwierigkeiten ihm dabei in den Weg stellen. Das heißt, Jesus nimmt seinen schweren Weg in Kauf, um das Ziel seines Lebens zu erreichen. Er weiß genau worauf er sich einlässt. Zielgerichtet verfolgt er seinen Lebensweg. Man könnte sagen: Er weiß was er will und wohin er will und er weiß auch dass der Weg zum Ziel nicht leicht ist.

Mich fasziniert wie konsequent Jesus hier sein Lebensziel verfolgt. Ich erlebe im Beratungsprozess immer wieder, wie oft ein zu erreichendes Ziel wünschenswert erscheint, dass aber das Erreichen dieses Zieles nichts kosten darf. Hier wird mir Jesus zum Vorbild. Über den Weg zum Leben sagt er: wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. (Luk. 9,23).

Wenn ich das wirklich will, dann ist Neues möglich eben auch das neue Leben zu dem Jesus uns bringen will. Das heißt manchmal, die Abkehr von alten eigenen Wegen, überwinden von Kreuzeswegen und hinfinden zu dem Leben das Bestand hat. Lasst uns mit ihm gehen nach Jerusalem und von dort weiter zum Leben.

Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht. (Hebräer 3, 15)

Diese Mahnung taucht im Hebräerbrief zweimal auf und erinnert an ein Geschehen, das bei Abfassen des Briefes ca. 1300 Jahre zurückliegt (2.Mose 17,1 ff.): Das Volk Gottes ist auf der Wanderung von Ägypten durch die Wüste in das versprochene Land. Die Wüste ist kein „Schlaraffenland“. Genauso wenig wie das Leben in dieser Zeit und Welt bereits der versprochene Himmel ist. Das Volk Gottes hat Durst. Es fehlt ihm an Wasser. Es jammert und klagt Mose an: „Warum hast du uns aus Ägypten geführt?“. Mose hat den Durchblick, es ist kein Angriff gegen ihn ist selbst, sondern eine Herausforderung, eine Provokation Gottes („Versuchung“). Mose geht weder in eine Verteidigungshaltung noch in einen Gegenangriff über. Er wendet sich an Gott selbst. Und Gott hilft. Er gibt dem Volk Wasser: durch Mose. Am Ende bekommt der Ort des Geschehens noch einen besonderen Namen: „Massa und Meriba“, d.h. Hadern und Versuchen. Der Schreiber des Hebräerbriefes verbindet den Namen des Ortes mit dem Begriff „Verbitterung“.

Wie viele Ratsuchende – und manchmal auch Seelsorgerinnen und Seelsorger – hadern mit ihren Mitmenschen, mit sich selbst, mit Gott und werden dadurch verbittert. Oder sie provozieren („versuchen“) und klagen gerade die an, die Ihnen helfen wollen. Seelsorgerinnen und Seelsorger sind dann gut beraten, solche Provokation nicht persönlich zu nehmen, sondern zu Gott zu führen und sich an ihn zu wenden. Und genauso wie Mose der Versuchung nicht erlag, selbst Abhilfe zu schaffen, sondern auf Gott zu hören, sollen und dürfen Seelsorger Werkzeug in seiner Hand sein und für „Wasser“ nach Leib, Seele und Geist im Auftrag und der Vollmacht Gottes sorgen.

Dafür ist Durchblick und ein offenes Ohr für Gottes Reden und Handeln jeden Tag notwendig. Unser Wochenvers mahnt uns, egal ob in der Person des Ratsuchenden oder in der Person des Seelsorgers, nicht „hartherzig“ zu werden. Dem Hören auf Gott gilt sein Versprechen in demselben Abschnitt, dem unser Vers für die Woche entnommen ist: „So ist also noch eine Ruhe – „Stille“ – vorhanden dem Volke Gottes“ (Hebr. 4, 9). Der Durst nach Leben wird „gestillt“.

Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. (Daniel 9,18)

Bevor ich angefangen habe diesen Impuls zu schreiben, habe ich mich hingelegt, ausgestreckt auf den Boden gelegt, mein Gesicht in den Teppich meines Arbeitszimmers gedrückt. Eine ganze Weile lang habe ich so gelegen und erspürt, welche Gedanken und Gefühle in mir hochkommen.

Es waren für mich überwiegend negative Gefühle: Ich konnte hören und nicht sehen. Was passiert mit mir? Ohnmächtig, ausgeliefert, hilflos, ohne Kontrolle. Ich kann die Situation nicht verlassen. Ich bin nicht mehr die Gestaltende.

Von so einer Situation handelt der Bibeltext. Daniel tritt vor Gott im Gebet für sein Volk ein. Er wählt diese Geste der totalen Unterwerfung für sein Gebet. Er legt sich vor Gott hin: „Ich bin Dir ausgeliefert, gebe mich in deine Hand.“

Ich gebe meine Rechte an mir ab. Ich kapituliere vor mir selbst. Ich erkenne die Realität meiner Ohnmacht an.

Sich vor jemanden hinzulegen, als Geste der Unterwerfung, als Zeichen für: „Ich gebe auf!“, das erfordert Mut und Vertrauen. Denn tiefer geht es nicht.

Und genau von diesem Vertrauen spricht der Text.

Es braucht viel Ehrlichkeit und Mut zu erkennen: „Ich vertraue nicht auf meine Gerechtigkeit – Ich bin begrenzt! Ich bin gescheitert!“ Und ich meine hier nicht ein kokettieren mit meinen Fehlern, sondern ein tiefes Erschrecken darüber. Ein Erschrecken, dass mich in meinem Selbstbild erschüttert und dann in ein neues Vertrauen mündet.

Überraschend ist, dass Daniel nicht auf Gottes große Gerechtigkeit als Gegenpol zu unserer „Gerechtigkeit“ vertraut. Nein, er vertraut auf Gottes große Barmherzigkeit. Barmherzigkeit und Liebe sind Gottes Antwort auf unsere „Gerechtigkeit“. Damit richtet Gott uns wieder auf. Mein Selbstbild wird erweitert. Ich darf lernen neu zu vertrauen. Vertrauen darauf, dass mein Leben mit Gott gelingt.

PS: Variieren Sie die Übung vom Anfang und stellen sie sich vor, sie liegen vor Gott, vor Gott, der Sie barmherzig und voller Liebe anschaut.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Erfahrungen.

„Über Dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jes. 60, 2b)

Wenn wir in der Bibel nachlesen, werden wir feststellen, dass diese Zusage mit einem ‚Aber’ beginnt: Die Zusage der Herrlichkeit Gottes über Dir und mir und dem Nächsten steht im hellen Kontrast zur Dunkelheit und Finsternis um uns herum. Manchmal auch in uns. Das ganze Kapitel im Buch Jesaja, dem unser Vers für diese Woche entnommen ist, trägt in etlichen Übersetzungen die Überschrift ‚Die zukünftige Herrlichkeit Zions’.

In der gerade vergangenen Nacht hat mich die Nachricht eines früheren Kollegen und inzwischen Freundes erreicht, dass bei ihm eine sehr seltene Krankheit diagnostiziert wurde. Die Prognose ist negativ; weltweit kein Heilungsansatz bekannt. Niederschlagend. Nur noch geringe Lebenserwartung. Und dann schließt er mit „Gute Nachricht: Ich bin getröstet über das Leben nach diesem Leben.“

Mit unserem Seelsorge-Konzept ABPS® haben wir ein tolles Instrument Leidtragenden zu helfen. Ich beobachte mich allerdings immer wieder, dass ich am liebsten ‚oben links’ bei ‚Lernen durch Einsicht’ anfange und dann im Kreis herumgehe. Aber manchmal sind wir an einen Punkt geführt, wo wir nicht mehr können als das ‚Aber’ und das ‚Dennoch’ Gottes menschlicher Ohnmacht in Psyche und Soma entgegenzuhalten. Und dann bin ich immer froh, dass alle Felder in unserem Seelsorge-Konzept der ABPS® umrahmt und eingefasst sind mit SEinem Geist, SEiner Herrlichkeit und SEinem Frieden. Das ist Licht in unsere Dunkelheit und Traurigkeit.

Dass dieses Licht aufgeht, können wir nicht machen, weder als Seelsorger noch als Leidtragende. Aber bitten dürfen wir darum, weil er es versprochen hat zu geben. Bereits vor über 2000 Jahren Für uns, unsere Angehörigen, unsere Nächsten, unsere Freunde.

Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.
Johannes 1,17

Das Gesetz des Mose sollte zum Leben helfen. Mit dieser Richtschnur sollte das Leben gelingen. Doch das Gesetz des Mose war nicht in der La­ge, die Menschen zu erlösen. Wir scheitern am Gesetz durch unseren Ungehorsam und unsere Treulosigkeit.

Jesus hat gezeigt, dass das Gesetz in vollem Umfang erfüllt werden kann. Durch Gott. Jesus hat in seiner Zeit auf der Erde Gehorsam ge­lernt. Der Herr ändert unsere Natur, er ändert unsere gottfeindliche Gesinnung. Das alles geschieht durch Wahrheit – wir erken­nen, wie verloren wir sind. Und es geschieht durch Gnade – wir erleben Verge­bung und Versöhnung mit Gott in Christus.

Wir lassen das Gesetz nicht hinter uns. Wir wissen, dass Jesus es bis ins kleinste Detail hin erfüllt hat. Wir heißen das Gesetz gut. Und wir unterwerfen uns dem Urteil unseres Herrn. Und dann erfahren wir, wie er uns verzeiht, aufrichtet und stärkt. So löschen Gnade und Wahrheit das Gesetz nicht aus, sondern sie ergänzen es – durch die beson­dere Ini­tiative, durch das besondere Engagement Gottes.

Nun leben wir aus Jesus. Er wird zur Quelle, die uns nährt und er­frischt. Wir wollen uns klar machen, welchen Reichtum wir in Christus haben. Und er regiert voller Weisheit in unser Leben – und damit in die Welt – hinein. Wir sind nicht allein gelassen. Wir können in Christus die feste, sichere Verbindung zum Vater im Himmel haben – zu dem, dem kein Ding unmöglich ist.

Danke, Herr, dass du für mich das Gesetz voll erfüllt hast. Amen.

 

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2017, Freudenstadt: Fachverlag des IPP GbR, ISBN 978-3-943815-07-8
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der IPP Fachverlags

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Römer 8,14)

Mich beeindrucken die Berichte in der Bibel, in denen von Menschen- oder gar von Jesus selbst-berichtet wird, die „auf Anregen des Geistes“ handeln. Da wird in der nachweihnachtlichen Geschichte von dem greisen Simeon erzählt, der sich vom Geist treiben lässt, in den Tempel zu gehen um dort den versprochenen Heiland zu sehen. Da wird von Jesus erzählt, der vom Geist in die Wüste geführt wird, um vom Teufel versucht zu werden. Da wird auch im Alten Testament von Jeremia berichtet, der im Auftrag des Herrn Dinge ankündigen soll, die dem widersprechen, was der weitaus überzeugendere Prophet Hananja weissagt: wer ist nun vom Geist Gottes getrieben? Wer ist nun ein echtes Kind Gottes? Und wie kann ich vom Geist Gottes erfüllt werden? Wie kann ich die Kinder Gottes erkennen

Selbst die frommen Juden waren unwissend, wie der Mensch für das Reich Gottes aufgeschlossene Antennen bekommen kann. Jesus gibt Nikodemus eine unmissverständliche Antwort: Niemand kann das Reich Gottes erkennen, es sei, denn, dass er von neuem geboren wird- aus Wasser und Geist.

Für mich heißt das, ich brauche mich nicht beeindrucken lassen von stark auftretenden „Pseudopropheten“, diese sind wohl „getrieben“, aber nicht unbedingt vom Geist Gottes. Kognitive und persönlichkeitsbedingte Überlegenheit können zwar beeindrucken, aber müssen noch lange kein Echtheitsbeweis sein für von Gottes Geist erfülltes Prophetentum. Den Geist Gottes kann ich mit den sensiblen Antennen erkennen, die durch Neugeburt und Leben im Geist geschärft sind (Bibellesen, Beten, Leben in Gemeinschaft und im Brotbrechen, Dienst). Ein gehorsames Einüben solch eines Lebensstils mag nicht gerade Aufsehen erregend sein, aber doch dazu führen, dass der Geist Gottes treibende Kraft in mir wird. Paulus weist seine Galater darauf hin: „Denn eure irdische Gesinnung kämpft gegen den Geist Gottes und der Geist Gottes gegen eure irdische Gesinnung“ (Gal 5,17). Offensichtlich sind wir Christen gefährdet, uns kampflos unserer irdischen Gesinnung zu überlassen. Dabei gibt es doch die weitaus lohnendere Alternative: Leben und Freiheit im Geist Gottes.

Herr, komm in mir wohnen mit deinem Geist.