Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Römer 5,8)

Es gibt ja schon ganz verschieden Vorstellungen von Gott. Eine davon, die mir immer wieder begegnet ist die: ich muss erst mal gut sein oder werden, damit Gott etwas mit mir zu tun haben will. Ich muss mich anstrengen, denn Gott ist wie ein strenger Boss, der jeden Fehler bestraft. Bei ihm muss immer alles perfekt sein, auch ich. Im Schwarzwald erlebte ich das in der geschichtlichen Prägung bei einem ganzen Menschenschlag. Geprägte durch eine harte Umgebung mit eingeschränkten Lebensmöglichkeiten war die Botschaft an Menschen nicht die: Du bist herzlich willkommen, sondern: Wenn du schon da bist, dann schaff wenigstens etwas, mach dich nützlich. Dieser Leistungsgedanke wurde dann oft genug auf das Verhältnis zu Mitmenschen und auch zu Gott übertragen.

Dabei redet Gottes Wort ganz anders. Zum Beispiel in dem Satz aus dem Römerbrief. Gott liebt dich und mich unendlich. Er gibt sein Innerstes, seinen Sohn, damit wir eine Beziehung zu ihm haben können. Freunde kann ich ganz natürlich gern haben ja vielleicht sogar lieben aber Gegner doch nicht. Nun heißt es hier, dass Gott jeden von uns schon geliebt hat, als wir durch die Sünde noch seine Gegner waren. Sünde heißt da nichts anderes als in der Gegnerschaft zu Gott leben. Es heißt, in einer Lebensorientierung unterwegs zu sein, in der ich Gott ablehne, weil ich mir in mein Leben nicht dreinreden lassen will. Im Kindergarten heißt das: Ich will der Bestimmer sein.

Und nun geht Gott selber in die Vorleistung. Er geht das Risiko ein, sich völlig für mich einzusetzen ohne Gegenleistung einzufordern. Er macht den Weg frei damit ich zu ihm kommen kann. Stellen sie sich mal vor: jetzt ist es Winter, ihr Nachbar, der völlig in Feindschaft mit ihnen lebt und ihnen schon einiges an Gehässigkeiten zugemutet hat, ist total eingeschneit. Sie gehen trotz eines schmerzhaften Rückenleidens hin und schaufeln ihm den Weg frei, damit er eine freie Bahn hat. Mit so einer – und noch viel größeren – Liebe kommt Gott uns in der Person von Jesus entgegen. Von dieser unbedingten Liebe umgeben darf ich lernen mein Leben zu gestalten. Und egal, was schief geht im Leben, tiefer als in diese Liebe kann ich niemals fallen.

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Johannes 3,8)

Ein Kampfspruch gegen alle Entmutigung und das Liebesdefizit in dieser Welt.

Jesus ist am Kreuz gestorben und hat dadurch alle Werke des Teufels in die Vernichtung hineingezogen. Die Macht des Diabolos, des Durcheinanderbringers ist gebrochen.

Keine Macht, keine Kraft auf dieser Welt kann Jesus besiegen. Seine Auferstehungskraft ist größer als alle Mächte und Gewalten dieser Erde.

Daher gilt für uns Römer 8: (38) „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, (39) weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn“.

Gegen die Mächte der Zerstörung und der Gewalt (Krankheit und Tod) haben wir eine Gegenkraft geschenkt bekommen. Die Auferstehungskraft setzt in uns Glauben frei, ein Glaube, der über diese gefallene Schöpfung hinausgeht. Wir werden dazu befähigt zu lieben:

Gott unseren Nächsten und uns selbst.

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lukas 18,31 )

Jesus ist hier im Gespräch mit seinen Jüngern. Er erklärt ihnen wohin sein Weg gehen wird. Es geht nach Jerusalem, ans Kreuz und in den Tod. Jesus kennt das Ziel und den Sinn seines Lebens: Dazu ist der Menschensohn gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lukas 19,10)

Damit weiß er sich einem konkreten Lebensziel verpflichtet und er geht diesem Ziel entgegen auch wenn sich Widerstände und Schwierigkeiten ihm dabei in den Weg stellen. Das heißt, Jesus nimmt seinen schweren Weg in Kauf, um das Ziel seines Lebens zu erreichen. Er weiß genau worauf er sich einlässt. Zielgerichtet verfolgt er seinen Lebensweg. Man könnte sagen: Er weiß was er will und wohin er will und er weiß auch dass der Weg zum Ziel nicht leicht ist.

Mich fasziniert wie konsequent Jesus hier sein Lebensziel verfolgt. Ich erlebe im Beratungsprozess immer wieder, wie oft ein zu erreichendes Ziel wünschenswert erscheint, dass aber das Erreichen dieses Zieles nichts kosten darf. Hier wird mir Jesus zum Vorbild. Über den Weg zum Leben sagt er: wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. (Luk. 9,23).

Wenn ich das wirklich will, dann ist Neues möglich eben auch das neue Leben zu dem Jesus uns bringen will. Das heißt manchmal, die Abkehr von alten eigenen Wegen, überwinden von Kreuzeswegen und hinfinden zu dem Leben das Bestand hat. Lasst uns mit ihm gehen nach Jerusalem und von dort weiter zum Leben.

Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht. (Hebräer 3, 15)

Diese Mahnung taucht im Hebräerbrief zweimal auf und erinnert an ein Geschehen, das bei Abfassen des Briefes ca. 1300 Jahre zurückliegt (2.Mose 17,1 ff.): Das Volk Gottes ist auf der Wanderung von Ägypten durch die Wüste in das versprochene Land. Die Wüste ist kein „Schlaraffenland“. Genauso wenig wie das Leben in dieser Zeit und Welt bereits der versprochene Himmel ist. Das Volk Gottes hat Durst. Es fehlt ihm an Wasser. Es jammert und klagt Mose an: „Warum hast du uns aus Ägypten geführt?“. Mose hat den Durchblick, es ist kein Angriff gegen ihn ist selbst, sondern eine Herausforderung, eine Provokation Gottes („Versuchung“). Mose geht weder in eine Verteidigungshaltung noch in einen Gegenangriff über. Er wendet sich an Gott selbst. Und Gott hilft. Er gibt dem Volk Wasser: durch Mose. Am Ende bekommt der Ort des Geschehens noch einen besonderen Namen: „Massa und Meriba“, d.h. Hadern und Versuchen. Der Schreiber des Hebräerbriefes verbindet den Namen des Ortes mit dem Begriff „Verbitterung“.

Wie viele Ratsuchende – und manchmal auch Seelsorgerinnen und Seelsorger – hadern mit ihren Mitmenschen, mit sich selbst, mit Gott und werden dadurch verbittert. Oder sie provozieren („versuchen“) und klagen gerade die an, die Ihnen helfen wollen. Seelsorgerinnen und Seelsorger sind dann gut beraten, solche Provokation nicht persönlich zu nehmen, sondern zu Gott zu führen und sich an ihn zu wenden. Und genauso wie Mose der Versuchung nicht erlag, selbst Abhilfe zu schaffen, sondern auf Gott zu hören, sollen und dürfen Seelsorger Werkzeug in seiner Hand sein und für „Wasser“ nach Leib, Seele und Geist im Auftrag und der Vollmacht Gottes sorgen.

Dafür ist Durchblick und ein offenes Ohr für Gottes Reden und Handeln jeden Tag notwendig. Unser Wochenvers mahnt uns, egal ob in der Person des Ratsuchenden oder in der Person des Seelsorgers, nicht „hartherzig“ zu werden. Dem Hören auf Gott gilt sein Versprechen in demselben Abschnitt, dem unser Vers für die Woche entnommen ist: „So ist also noch eine Ruhe – „Stille“ – vorhanden dem Volke Gottes“ (Hebr. 4, 9). Der Durst nach Leben wird „gestillt“.

Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. (Daniel 9,18)

Bevor ich angefangen habe diesen Impuls zu schreiben, habe ich mich hingelegt, ausgestreckt auf den Boden gelegt, mein Gesicht in den Teppich meines Arbeitszimmers gedrückt. Eine ganze Weile lang habe ich so gelegen und erspürt, welche Gedanken und Gefühle in mir hochkommen.

Es waren für mich überwiegend negative Gefühle: Ich konnte hören und nicht sehen. Was passiert mit mir? Ohnmächtig, ausgeliefert, hilflos, ohne Kontrolle. Ich kann die Situation nicht verlassen. Ich bin nicht mehr die Gestaltende.

Von so einer Situation handelt der Bibeltext. Daniel tritt vor Gott im Gebet für sein Volk ein. Er wählt diese Geste der totalen Unterwerfung für sein Gebet. Er legt sich vor Gott hin: „Ich bin Dir ausgeliefert, gebe mich in deine Hand.“

Ich gebe meine Rechte an mir ab. Ich kapituliere vor mir selbst. Ich erkenne die Realität meiner Ohnmacht an.

Sich vor jemanden hinzulegen, als Geste der Unterwerfung, als Zeichen für: „Ich gebe auf!“, das erfordert Mut und Vertrauen. Denn tiefer geht es nicht.

Und genau von diesem Vertrauen spricht der Text.

Es braucht viel Ehrlichkeit und Mut zu erkennen: „Ich vertraue nicht auf meine Gerechtigkeit – Ich bin begrenzt! Ich bin gescheitert!“ Und ich meine hier nicht ein kokettieren mit meinen Fehlern, sondern ein tiefes Erschrecken darüber. Ein Erschrecken, dass mich in meinem Selbstbild erschüttert und dann in ein neues Vertrauen mündet.

Überraschend ist, dass Daniel nicht auf Gottes große Gerechtigkeit als Gegenpol zu unserer „Gerechtigkeit“ vertraut. Nein, er vertraut auf Gottes große Barmherzigkeit. Barmherzigkeit und Liebe sind Gottes Antwort auf unsere „Gerechtigkeit“. Damit richtet Gott uns wieder auf. Mein Selbstbild wird erweitert. Ich darf lernen neu zu vertrauen. Vertrauen darauf, dass mein Leben mit Gott gelingt.

PS: Variieren Sie die Übung vom Anfang und stellen sie sich vor, sie liegen vor Gott, vor Gott, der Sie barmherzig und voller Liebe anschaut.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Erfahrungen.

„Über Dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jes. 60, 2b)

Wenn wir in der Bibel nachlesen, werden wir feststellen, dass diese Zusage mit einem ‚Aber’ beginnt: Die Zusage der Herrlichkeit Gottes über Dir und mir und dem Nächsten steht im hellen Kontrast zur Dunkelheit und Finsternis um uns herum. Manchmal auch in uns. Das ganze Kapitel im Buch Jesaja, dem unser Vers für diese Woche entnommen ist, trägt in etlichen Übersetzungen die Überschrift ‚Die zukünftige Herrlichkeit Zions’.

In der gerade vergangenen Nacht hat mich die Nachricht eines früheren Kollegen und inzwischen Freundes erreicht, dass bei ihm eine sehr seltene Krankheit diagnostiziert wurde. Die Prognose ist negativ; weltweit kein Heilungsansatz bekannt. Niederschlagend. Nur noch geringe Lebenserwartung. Und dann schließt er mit „Gute Nachricht: Ich bin getröstet über das Leben nach diesem Leben.“

Mit unserem Seelsorge-Konzept ABPS® haben wir ein tolles Instrument Leidtragenden zu helfen. Ich beobachte mich allerdings immer wieder, dass ich am liebsten ‚oben links’ bei ‚Lernen durch Einsicht’ anfange und dann im Kreis herumgehe. Aber manchmal sind wir an einen Punkt geführt, wo wir nicht mehr können als das ‚Aber’ und das ‚Dennoch’ Gottes menschlicher Ohnmacht in Psyche und Soma entgegenzuhalten. Und dann bin ich immer froh, dass alle Felder in unserem Seelsorge-Konzept der ABPS® umrahmt und eingefasst sind mit SEinem Geist, SEiner Herrlichkeit und SEinem Frieden. Das ist Licht in unsere Dunkelheit und Traurigkeit.

Dass dieses Licht aufgeht, können wir nicht machen, weder als Seelsorger noch als Leidtragende. Aber bitten dürfen wir darum, weil er es versprochen hat zu geben. Bereits vor über 2000 Jahren Für uns, unsere Angehörigen, unsere Nächsten, unsere Freunde.

Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.
Johannes 1,17

Das Gesetz des Mose sollte zum Leben helfen. Mit dieser Richtschnur sollte das Leben gelingen. Doch das Gesetz des Mose war nicht in der La­ge, die Menschen zu erlösen. Wir scheitern am Gesetz durch unseren Ungehorsam und unsere Treulosigkeit.

Jesus hat gezeigt, dass das Gesetz in vollem Umfang erfüllt werden kann. Durch Gott. Jesus hat in seiner Zeit auf der Erde Gehorsam ge­lernt. Der Herr ändert unsere Natur, er ändert unsere gottfeindliche Gesinnung. Das alles geschieht durch Wahrheit – wir erken­nen, wie verloren wir sind. Und es geschieht durch Gnade – wir erleben Verge­bung und Versöhnung mit Gott in Christus.

Wir lassen das Gesetz nicht hinter uns. Wir wissen, dass Jesus es bis ins kleinste Detail hin erfüllt hat. Wir heißen das Gesetz gut. Und wir unterwerfen uns dem Urteil unseres Herrn. Und dann erfahren wir, wie er uns verzeiht, aufrichtet und stärkt. So löschen Gnade und Wahrheit das Gesetz nicht aus, sondern sie ergänzen es – durch die beson­dere Ini­tiative, durch das besondere Engagement Gottes.

Nun leben wir aus Jesus. Er wird zur Quelle, die uns nährt und er­frischt. Wir wollen uns klar machen, welchen Reichtum wir in Christus haben. Und er regiert voller Weisheit in unser Leben – und damit in die Welt – hinein. Wir sind nicht allein gelassen. Wir können in Christus die feste, sichere Verbindung zum Vater im Himmel haben – zu dem, dem kein Ding unmöglich ist.

Danke, Herr, dass du für mich das Gesetz voll erfüllt hast. Amen.

 

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2017, Freudenstadt: Fachverlag des IPP GbR, ISBN 978-3-943815-07-8
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der IPP Fachverlags

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Römer 8,14)

Mich beeindrucken die Berichte in der Bibel, in denen von Menschen- oder gar von Jesus selbst-berichtet wird, die „auf Anregen des Geistes“ handeln. Da wird in der nachweihnachtlichen Geschichte von dem greisen Simeon erzählt, der sich vom Geist treiben lässt, in den Tempel zu gehen um dort den versprochenen Heiland zu sehen. Da wird von Jesus erzählt, der vom Geist in die Wüste geführt wird, um vom Teufel versucht zu werden. Da wird auch im Alten Testament von Jeremia berichtet, der im Auftrag des Herrn Dinge ankündigen soll, die dem widersprechen, was der weitaus überzeugendere Prophet Hananja weissagt: wer ist nun vom Geist Gottes getrieben? Wer ist nun ein echtes Kind Gottes? Und wie kann ich vom Geist Gottes erfüllt werden? Wie kann ich die Kinder Gottes erkennen

Selbst die frommen Juden waren unwissend, wie der Mensch für das Reich Gottes aufgeschlossene Antennen bekommen kann. Jesus gibt Nikodemus eine unmissverständliche Antwort: Niemand kann das Reich Gottes erkennen, es sei, denn, dass er von neuem geboren wird- aus Wasser und Geist.

Für mich heißt das, ich brauche mich nicht beeindrucken lassen von stark auftretenden „Pseudopropheten“, diese sind wohl „getrieben“, aber nicht unbedingt vom Geist Gottes. Kognitive und persönlichkeitsbedingte Überlegenheit können zwar beeindrucken, aber müssen noch lange kein Echtheitsbeweis sein für von Gottes Geist erfülltes Prophetentum. Den Geist Gottes kann ich mit den sensiblen Antennen erkennen, die durch Neugeburt und Leben im Geist geschärft sind (Bibellesen, Beten, Leben in Gemeinschaft und im Brotbrechen, Dienst). Ein gehorsames Einüben solch eines Lebensstils mag nicht gerade Aufsehen erregend sein, aber doch dazu führen, dass der Geist Gottes treibende Kraft in mir wird. Paulus weist seine Galater darauf hin: „Denn eure irdische Gesinnung kämpft gegen den Geist Gottes und der Geist Gottes gegen eure irdische Gesinnung“ (Gal 5,17). Offensichtlich sind wir Christen gefährdet, uns kampflos unserer irdischen Gesinnung zu überlassen. Dabei gibt es doch die weitaus lohnendere Alternative: Leben und Freiheit im Geist Gottes.

Herr, komm in mir wohnen mit deinem Geist.