Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.
Johannes 1,17

Das Gesetz des Mose sollte zum Leben helfen. Mit dieser Richtschnur sollte das Leben gelingen. Doch das Gesetz des Mose war nicht in der La­ge, die Menschen zu erlösen. Wir scheitern am Gesetz durch unseren Ungehorsam und unsere Treulosigkeit.

Jesus hat gezeigt, dass das Gesetz in vollem Umfang erfüllt werden kann. Durch Gott. Jesus hat in seiner Zeit auf der Erde Gehorsam ge­lernt. Der Herr ändert unsere Natur, er ändert unsere gottfeindliche Gesinnung. Das alles geschieht durch Wahrheit – wir erken­nen, wie verloren wir sind. Und es geschieht durch Gnade – wir erleben Verge­bung und Versöhnung mit Gott in Christus.

Wir lassen das Gesetz nicht hinter uns. Wir wissen, dass Jesus es bis ins kleinste Detail hin erfüllt hat. Wir heißen das Gesetz gut. Und wir unterwerfen uns dem Urteil unseres Herrn. Und dann erfahren wir, wie er uns verzeiht, aufrichtet und stärkt. So löschen Gnade und Wahrheit das Gesetz nicht aus, sondern sie ergänzen es – durch die beson­dere Ini­tiative, durch das besondere Engagement Gottes.

Nun leben wir aus Jesus. Er wird zur Quelle, die uns nährt und er­frischt. Wir wollen uns klar machen, welchen Reichtum wir in Christus haben. Und er regiert voller Weisheit in unser Leben – und damit in die Welt – hinein. Wir sind nicht allein gelassen. Wir können in Christus die feste, sichere Verbindung zum Vater im Himmel haben – zu dem, dem kein Ding unmöglich ist.

Danke, Herr, dass du für mich das Gesetz voll erfüllt hast. Amen.

 

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2017, Freudenstadt: Fachverlag des IPP GbR, ISBN 978-3-943815-07-8
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der IPP Fachverlags

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Römer 8,14)

Mich beeindrucken die Berichte in der Bibel, in denen von Menschen- oder gar von Jesus selbst-berichtet wird, die „auf Anregen des Geistes“ handeln. Da wird in der nachweihnachtlichen Geschichte von dem greisen Simeon erzählt, der sich vom Geist treiben lässt, in den Tempel zu gehen um dort den versprochenen Heiland zu sehen. Da wird von Jesus erzählt, der vom Geist in die Wüste geführt wird, um vom Teufel versucht zu werden. Da wird auch im Alten Testament von Jeremia berichtet, der im Auftrag des Herrn Dinge ankündigen soll, die dem widersprechen, was der weitaus überzeugendere Prophet Hananja weissagt: wer ist nun vom Geist Gottes getrieben? Wer ist nun ein echtes Kind Gottes? Und wie kann ich vom Geist Gottes erfüllt werden? Wie kann ich die Kinder Gottes erkennen

Selbst die frommen Juden waren unwissend, wie der Mensch für das Reich Gottes aufgeschlossene Antennen bekommen kann. Jesus gibt Nikodemus eine unmissverständliche Antwort: Niemand kann das Reich Gottes erkennen, es sei, denn, dass er von neuem geboren wird- aus Wasser und Geist.

Für mich heißt das, ich brauche mich nicht beeindrucken lassen von stark auftretenden „Pseudopropheten“, diese sind wohl „getrieben“, aber nicht unbedingt vom Geist Gottes. Kognitive und persönlichkeitsbedingte Überlegenheit können zwar beeindrucken, aber müssen noch lange kein Echtheitsbeweis sein für von Gottes Geist erfülltes Prophetentum. Den Geist Gottes kann ich mit den sensiblen Antennen erkennen, die durch Neugeburt und Leben im Geist geschärft sind (Bibellesen, Beten, Leben in Gemeinschaft und im Brotbrechen, Dienst). Ein gehorsames Einüben solch eines Lebensstils mag nicht gerade Aufsehen erregend sein, aber doch dazu führen, dass der Geist Gottes treibende Kraft in mir wird. Paulus weist seine Galater darauf hin: „Denn eure irdische Gesinnung kämpft gegen den Geist Gottes und der Geist Gottes gegen eure irdische Gesinnung“ (Gal 5,17). Offensichtlich sind wir Christen gefährdet, uns kampflos unserer irdischen Gesinnung zu überlassen. Dabei gibt es doch die weitaus lohnendere Alternative: Leben und Freiheit im Geist Gottes.

Herr, komm in mir wohnen mit deinem Geist.