„Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5,8)

Was bedeutet es, „Sünder“ zu sein? Im ersten Kapitel des Römerbriefes lesen wir vom Zustand des Menschen ohne Gott; wir finden eine Aufzählung von bösen Eigenschaften und Verhaltensweisen: Ungerechtigkeit, Neid, Mord, Verleumder, erfinderisch im Bösen usw. Es ist eine Bankrotterklärung der Menschheit. In diesem Zustand, in welchem wir uns befanden, starb Christus für uns. Als wir noch Sünder waren, schreibt Paulus, als noch lange nicht daran zu denken war, dass wir uns je für Gott interessieren könnten.

In dieser extremen hoffnungslosen Situation kommt Christus auf die Erde und stirbt für seine Feinde am Kreuz. Das ist unfassbar!! Nichts anderes hätte uns aus unserer Verlorenheit befreien können. Es war der einzige Weg! Und der Beweggrund, dass Gott seinen Sohn gab, war seine Liebe zu uns.

Manchmal höre ich Menschen sagen: ‚Gott liebt mich nicht‘ oder ‚Wenn Gott mich lieben würde, dann müsste…..passieren‘ oder ‚Ein Gott der Liebe kann nicht dieses Böse geschehen lassen‘.

Menschen haben eigene Ideen davon, wie Gottes Liebe auszusehen hat und welches Verhalten Liebe ausdrücken würde. Es ist vergleichbar mit der verkürzten Sichtweise eines kleinen Kindes, welches der Mama vorwirft: „Du hast mich nicht lieb, weil du mir kein Eis kaufst.“

Unsere Vorstellungen von Gottes Liebe sind oft sehr eingeschränkt und ich bin froh, dass Gott sich nicht danach richtet. ER weiß, dass wir Menschen nichts nötiger haben als die Erlösung von unserer Schuld; der größte Beweis seiner Liebe!

Ich wünsche uns allen, dass unsere eigenen Vorstellungen verblassen und verschwinden durch die Erkenntnis, was Gottes Liebe wirklich bedeutet und dass wir darin zur Ruhe kommen.

„Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ (1. Johannes 3, 8b)

Der Text spricht von den „Werken des Teufels“, eine Ausdrucksform, die mir zunächst fremd ist.

Der Teufel erschafft etwas, so wie der Künstler ein Bild oder eine Skulptur erschafft. Es gibt demnach Werke in unserer Welt, die vom Teufel geschaffen sind.

Der Johannesbrief nennt im Wesentlichen drei Werke des Teufels, gelebte Gesetzlosigkeit, gelebte Lieblosigkeit und gelebte Ungerechtigkeit. Drei Werke, die im Alltag viele Gesichter haben können: Stolz, Neid, Unversöhnlichkeit, Rechthaberei, Eitelkeit, Unfrieden … um nur einige zu nennen. Das sind Verhaltensweisen, die im Alltag manchmal sehr verlockend erscheinen und sich nicht selten hinter einer frommen Argumentation verstecken.

Jesus hat diesen Werken des Teufels den Kampf angesagt. Er tritt hier als Zerstörer auf. Jesus nimmt die Werke des Teufels sehr ernst. Jesus weiß, wie stark die Werke des Teufels in unserem Leben nachwirken können, wenn wir nur einfach ein neues Werk an das Alte angebaut haben. Altes im Leben abzubrechen, kann schmerzhaft sein. Sich von Liebgewonnenem zu verabschieden fällt oft schwer.

Leben als ein Kind Gottes, in seiner Nähe ist kein Anbau, sondern ein Neubau. Der Auferstandene Christus zerstört alle alten Werke des Teufels in unserem Leben und erschafft ein grundsätzlich neues Werk, eines das sich absolut unterscheidet. Christus zerstört, er lässt nichts beim Alten.

Ist das nicht radikal? Ja, das ist radikal! Es geht aber auch immerhin um einen Herrschaftswechsel. Weg von dem zerstörerischen Werken des Teufels, hin zu einem siegreichen, hoffnungsvollen und sinnvollen Leben als Kind Gottes.

Christus spricht: „Ich lebe und Ihr sollt auch leben.“ Christus erobert für uns Lebensraum, indem er als Sieger über den Teufel und seine Werke triumphiert, indem er zerstört, damit mein Leben gelingt.

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lukas 18,31)

Jesus im Gespräch mit seinen Jüngern. Der Verlauf des Gesprächs macht deutlich, die Jünger verstehen Jesus mal wieder nicht. Dieses Phänomen kommt in den Evangelien öfter vor. Das zeigt mir, bei Jesus geht es in erster Linie um eine tragfähige Beziehung und nicht darum, alles verstanden zu haben. Manche meinen: ich muss Jesus – Gott – erst vollkommen verstanden haben, um mit ihm etwas zu tun zu haben. Und manche tun dann so, als hätten sie alles verstanden.

Ich bin sehr dankbar für Gottes Wort, dass die Jünger eben nicht alles verstanden haben und trotzdem eine gute und tragfähige Beziehung zu Jesus hatten.

Nun aber zu dem, was ich persönlich meine, von dem Gespräch verstanden zu haben.

Jesus stellt hier den Zusammenhang zwischen den Aussagen des Alten Testaments und seinem Leben her. Mir begegnen immer wieder Menschen, die mit dem Alten Testament nichts oder nur wenig anfangen können. Sie sagen dann: „Ich lese lieber im Neuen Testament, da wird von Jesus gesprochen und das reicht ja auch.“ Dabei wird das, was Jesus bedeutet für mich, erst auf dem Boden des Alten Testamentes deutlich.

Jesus erzählt hier seinen Jüngern von seiner Zukunft, von der Notwendigkeit seines Sterbens und von seiner Auferstehung und dass das alles schon in den Schriften des Alten Testaments vorhergesagt wird. Das allein macht doch das Alte Testament spannend, einmal herauszufinden, welche Stellen Jesus hier genau meint.

Wichtig ist mir vor allem der Bezug zu seinem Sterben und seiner Auferstehung. Viele Zeitgenossen können mit dem Kreuzestod nichts mehr anfangen und irgendwann dann auch mit dem ganzen Jesus nichts mehr.

Da ist für mich das Alte Testament als Deutungshilfe ganz arg wichtig. Im AT wird deutlich, dass Schuld immer ein Stück Leben kostet. Ein verleumderisches Wort tötet vielleicht nicht sofort, raubt aber Leben. Im Opferkult am Tempel wird das ganz deutlich. Für meine Schuld, für die Zerstörung von Leben, die ich verursacht habe, stirbt ein Tier an meiner Stelle. Schuld in unserer Welt hat immer Konsequenzen für andere. In der Beratungspraxis erleben wir diesen systemischen Zusammenhang ja auch sehr deutlich.

In den Riss, den ich nicht mehr reparieren kann – versuche mal eine zerstörerische Botschaft und seine Wirkung ungeschehen zu machen – in diesen Riss meiner Unfähigkeit tritt Jesus, der Sohn Gottes mit seinem Leben. Ich kann Leben zwar zerstören aber nicht wieder neu machen – Jesus kann das. Deshalb brauche ich ihn, wenn Dinge neu und heil werden sollen und deshalb ist das Wissen von ihn auch in der Beratung nicht wegzudenken. Jesus stirbt den Tod, den ich verursache und bringt mich zu einer neuen Lebensmöglichkeit.

Ich weiß nicht, ob ich Jesus richtig verstehe, aber ich möchte mit den Jüngern seiner Einladung folgen und mich in Gedanken mit ihm auf den Weg machen nach Jerusalem, nach Golgatha unters Kreuz und zum leeren Grab. Und dazu lade ich auch euch in den kommenden Wochen der Passionszeit ein.

Und es bleibt dabei: Nicht das was ich verstanden habe oder auch noch nicht verstanden habe zählt, sondern die tragfähige Beziehung zu ihm.

Noch einmal zu dem, was gesagt ist: »Wenn ihr heute die Stimme Gottes hört, verschließt euch seinem Reden nicht wie bei jener Rebellion. (Hebräer 3:15)

Von der offenen Rebellion der Israeliten in der Wüste damals sind wir wahrscheinlich alle relativ weit entfernt, das ist doch schon mal beruhigend 😉

Nicht so wirklich im grünen Bereich fühlte ich mich in den letzten Jahren immer wieder bei der Frage, wann ich denn zuletzt das Reden Gottes persönlich vernommen habe… das war meist viele Monate her.

Auch wenig zufriedenstellend war mein Gebetsleben: Egal ob ich Stille Zeit frühmorgens oder spätabends versuchte, war es eher ein beständiges „Wegdämmern“ oder „Mit-Ablenkungen-kämpfen“.

Neben der persönlichen Betroffenheit beschäftigte mich auch schon länger die Frage, wie gläubige KlientInnen bei ihren Problemen mehr Veränderung durch Gottes Wirken (Faktoren Spiritualität und Kontingenz) erfahren könnten.

Diese Fragen führten mich zu neuen, bzw. ganz alten, geistlichen Übungen, die mich sehr begeistern: die sogenannten „Tagzeitengebete“. Sie werden in vielen Ordensbewegungen praktiziert, zum Teil seit Jahrhunderten.

Hier in aller Kürze ein Vorschlag, wie man das heute gestalten könnte:

  • mir ca. sieben Zeitpunkte am Tag überlegen, an denen ich mein Alltagstun für 10-15 Minuten unterbreche
  • mir zu Beginn bewusst machen, wo ich gerade bin und wie ich mich fühle
  • mir bewusst machen, dass ER da ist und ansprechbar ist, ich tatsächlich Zugang zu seinem Thron habe, und er sich auf mich freut
  • Einen Psalm pro Tag dazu nutzen: Den „meditieren“, d.h. immer wieder, Vers für Vers, lesen und auf mich wirken lassen. Nach jedem Vers mit Gott darüber ins Gespräch kommen
  • Mehr oder weniger kurz, vor ihm schweigen: Ich darf einfach sein, vor ihm
  • Eine Einheit am Tag lese ich fortlaufend die Bibel
  • Ggf. an einem Wochentag oder einer Uhrzeit ein Fürbitte-Ziel miteinbeziehen, z.B. „Menschen im Gefängnis

Meine Erfahrung damit:

  • Die Unterbrechungen meines geschäftigen Alltags tun mir sehr gut – die Uhrzeiten sind mir eine Hilfe, um daran zu denken, sehe ich aber nicht gesetzlich
  • Mein Alltag ist viel mehr durchdrungen vom Bewusstsein der Gegenwart Gottes
  • Die Worte des Psalms führen meine Gedanken immer wieder zurück zu Gott, ich bleibe wach und gedanklich präsent
  • Mein kleiner Horizont wird inspiriert durch den weiten Horizont von Jesus
  • Ich bin erstaunt, wie Gott auch durch einen Psalm, der meine Gefühlslage erst scheinbar überhaupt nicht trifft, durch einzelne Sätze mich inspiriert und herausfordert, tagesaktuell…

Vorsicht: Nicht als Horoskop lesen! 😉 Stattdessen als himmlisches Werkzeug, um mein Herz zu verändern und mich auf meine persönlichen Herausforderungen zuzurüsten.

Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. (Daniel 9,18)

Daniel befindet sich in Babylon, in der Gefangenschaft und als er feststellt, dass es Prophezeiungen gibt, die ein Ende der Gefangenschaft vorhersagen (Dan.9,2), spricht Daniel ein beeindruckendes und zu Herzen gehenden Bußgebet.

Wir können davon ausgehen, dass Daniel nicht aktiv an den Sünden des Volkes beteiligt gewesen war, denn er wurde schon in sehr jungen Jahren nach Babylon deportiert. Er macht sich jedoch eins mit seinem Volk und bekennt stellvertretend die Schuld und die Gottlosigkeit des Volkes. Wiederholt stellt er fest, dass die Strafe der Wegführung und der Zerstörung Jerusalems eine Folge des Ungehorsams Israels war und zu Recht eingetroffen ist. Mose hatte es im Gesetz schon angekündigt (Dan.9,13).

Daniel hatte die richtige Haltung, um mit Gott zu reden. Er sieht ganz klar die unterschiedlichen Positionen: Gott ist gerecht und das Volk ist ungerecht. Das Unglück über Israel war ihre eigene Schuld und nicht Gottes Schuld. Doch hier macht Daniel nicht Schluss, denn er weiß: Gott ist nicht nur gerecht, sondern er ist auch barmherzig. Wenn es nur um Gerechtigkeit gehen würde, hätte das Volk keine Chance; sie wären de jure durchgefallen. Aber Gott ist barmherzig und voller Erbarmen und das ist ein Wissen, welches Daniel die Freimütigkeit gibt, Gott anzuflehen und um Hilfe zu bitte.

Es ist eine wunderbare Tatsache, dass wir einen barmherzigen Gott haben, der gern hilft und der barmherzig und gnädig ist. Aber die Voraussetzung, um mit Gott so reden zu können ist die richtige Haltung. Buße und Schuldbekenntnis sind der erste Schritt, damit Gott gnädig sein kann.

Ich wünsche mir selbst und meinen Ratsuchenden immer diese Haltung: Wir haben nichts verdient und wir können uns auch nichts verdienen, sondern alles ist Geschenk, ist Gnade, ist seine Barmherzigkeit! In diesem Wissen und mit dieser Einstellung dürfen wir zu Gott kommen und werden seine Hilfe erfahren, wie Daniel sie auch erfahren hat.

„Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.“ (Psalm 66,5)

Gott tut wunderbare Taten und er tut sie nicht irgendwo, er tut sie an seinen Kindern. Wir sind Bestandteil seines Tuns. Gottes wunderbares Tun ist auf uns hin ausgerichtet.

Er ist ein Gott der hinsieht, der Anteil nimmt, dem wir nicht egal sind. Gott ist ein Gott der handelt, der eingreift, der überraschende Wendungen einleitet.

Der Psalm spricht von wunderbaren Taten, die Gott tut. Das heißt doch, dass sie außergewöhnlich, Wundern ähnlich sind. Deshalb ist in anderen Übersetzungen ist die Rede davon, dass die großen Taten Gottes in uns Staunen und Ehrfurcht hervorrufen.

Sie sollen uns begreiflich machen, dass unser Leben nicht der Beliebigkeit ausgesetzt ist, nicht den Zufällen preisgegeben, die uns ohnmächtig erscheinen lassen und uns die Kraft zum Gestalten nehmen wollen.

Der Psalmist fordert uns auf, ebenfalls hinzusehen, hinzusehen auf das was Gott tut. „Kommt her und sehet …“. Ich kann also auch vorbeigehen und wegschauen, die wunderbaren Taten Gottes nicht wahrnehmen, mich nicht ins Staunen bringen lassen. So wie Gott sich uns zuwendet, sollen wir uns auch zuwenden, nicht achtlos vorübergehen.

Es geht um ein Miteinander, um ein Miteinander von Gott und seinen Kindern. Der Psalm beschreibt Erfahrungen mit Gott in der Geschichte des Volkes Israel. Er beschreibt Schweres und Schönes und erkennt darin das wunderbare Handeln Gottes. Er interpretiert das Geschehen mit dem Vorzeichen der Allmacht Gottes und nicht mit dem Vorzeichen der eigenen Ohnmacht.

„Komm her und schau hin!“, das verstehe ich als Einladung von Gott. Eine Einladung mein Leben aus der Beziehung mit ihm zu leben. Ich bin sein Menschenkind und er mein Vater. Ich will hinsehen und die wunderbaren Taten in meinem Leben erkennen.

„Der Herr wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen.“ (1.Korinther 4,5b)

Wie oft wünschten wir uns als Berater und Seelsorger, dass verborgene Dinge ans Licht kommen. Wenn ein Beratungsprozess ins Stocken gerät, weil es irgendwo klemmt und wir nicht wissen, wo. Vielleicht kann uns der Motivationstest dabei helfen, Beweggründe oder Motivationen des Ratsuchenden zu erkennen. Und durch Erfahrung, Austausch in der Supervision und nicht zuletzt durch Gebet können wir vorankommen und dem Ratsuchenden weiterhelfen.

Aber diese komplette Klarheit über versteckte und verborgene Dinge, wie in unserem Vers beschrieben, wird es erst in der Ewigkeit geben, nachdem der Herr wiedergekommen ist. Da wird es keine blinden Flecken oder verzerrte Wahrnehmung mehr geben!

Paulus schreibt diese Aussage, nachdem er die Korinther aufgefordert hat, nicht vor der Zeit zu richten. Er mahnt sie zur Zurückhaltung und zur Demut, indem er ihnen sinngemäß sagt: „Leute, seid vorsichtig mit dem Beurteilen, ihr habt noch nicht den gesamten Überblick. Wenn ein Richter ein Urteil spricht, dann hat er zuvor die Beweislage akribisch untersucht. Das ist notwendig, um nicht zu einem falschen Urteil zu gelangen. Könnt ihr denn das Trachten der Herzen beurteilen? Könnt ihr ins Herz schauen? Also wartet ab und richtet am besten gar nicht.“

Was passiert denn, wenn der Herr das Verborgene ans Licht bringen wird? Vielleicht fürchten wir uns davor, wenn offensichtlich werden wird, wie egoistisch und böse oft unsere Bewegründe waren. Aber das Geniale ist: Das Offenbarwerden endet nicht mit einer Verurteilung, weil die schon längst am Kreuz geschehen ist. Das Offenbarwerden endet bei Jedem mit einem Lob von Gott! („Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden.“)Wie groß ist Er, dass ER selbst unser Urteil trägt, uns freispricht und am Ende noch eine Belohnung gibt!

Deshalb sollten wir uns damit zurückhalten, die Beweggründe anderer zu richten! Und wir selbst sollten auch nicht immer danach fragen, was andere Menschen von uns denken.

Am Ende zählt doch nur, was unser Herr von und über uns denkt.

Über dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jesaja 60,2)

Was für Worte! Sie sind es wert, wochenlang, ja monatelang betrachtet zu werden. Der heutige, letzte Epiphanias-Festtag führt uns zwei starke Verheißungen und tiefe Wahrheiten vor Augen: (1) Gott, der Schöpfer des Universums und Liebhaber unseres Lebens, strahlt dauerhaft über uns auf. Gott, der Herr über alles, behütet, bewahrt, beschützt uns, gerade in Zeiten von Chaos, Komplexität, Wirrwarr und Durcheinander. (2) Gottes Herrlichkeit, das Hervorgehobene, Herausragende erscheint über uns. Gott ist der Einzigartige, alles Überlegene. Er umgibt sich mit Herrlichkeit, die diese unfassbare Tatsache für uns in Jesus sichtbar macht.

Als Seelsorger sind diese Verheißungen für uns mit der Aufgabe verbunden, auf die Herrlichkeit dieses Gottes durch unsere Haltung und Handlung hinzuweisen. In unseren Beratungen können wir die Herrlichkeit zurückspiegeln, von der wir uns anstrahlen lassen. Paulus fasst diese Wechselwirkung wunderbar zusammen, wenn er uns auffordert: „Wandelt würdig vor Gott, der euch berufen hat zu seiner Herrlichkeit“ (1. Thess. 2,12). Die Verheißung weist uns darauf hin: Unser Ziel hier auf Erden ist es, Teil der Ausstrahlung Gottes, das heißt seiner Herrlichkeit und Ehre, zu sein. Die Konsequenz ist nicht Hochmut, sondern die Aufforderung an uns selbst, eines solchen Gottes würdig zu wandeln. Als seine Nachfolger tragen wir dieses Angeld auf himmlische Herrlichkeit in uns.

Erinnern wir uns noch an den 6. Januar, als hunderttausende Kinder und Jugendliche sich verkleidet haben und als Sternsinger in Städten und Dörfern von Haus zu Haus gezogen sind? Als sie zum Schutz mit Kreide die aktuelle Jahreszahl und »C+M+B« an die Türen geschrieben haben? Die Buchstaben stehen für »Christus Mansionem Benedicat«, was übersetzt heißt: »Christus segne dieses Haus«.

Mögen wir uns täglich bewusst machen, dass der Herr und seine Herrlichkeit mit uns sind, wenn wir durch unsere Haustüren gehen.

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. (Johannes 1,16)

Epiphanias – ein geistlicher Gesundheitserreger. Heute, am zweiten Sonntag nach dem Dreikönigsfest, geht es um die beiden herausragenden Begriffe Fülle und Gnade.

Fülle bedeutet: In Jesus ist mehr als genug vorhanden. Für jeden von uns, jeden Augenblick, jeden Atemzug, 24/7, ein Leben lang. Niemand braucht mehr von sich zu glauben, er genüge nicht, sei es nun seinen eigenen Ansprüchen oder fremden Erwartungen. Niemand braucht mehr zu glauben, er komme zu kurz oder nicht vor, werde übergangen, sei unwichtig.

Gnade bedeutet: Unverdientes Geschenk. In Jesus ist Gnade lebendig geworden. Niemand braucht mehr von sich zu glauben, er müsse alleine fertig werden mit seiner Schuld, den Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten, den Unsicherheiten und Unwägbarkeiten. Niemand braucht mehr am Leben zu verzweifeln,

vorbeizulaufen, zu scheitern.

Wörtlich übersetzt heißt es im Text: „Aus seiner Fülle empfangen wir Gnade um Gnade“. Jesus ist die Mensch gewordene göttliche Fülle und Gnade. Christen sind Beschenkte und Begnadete zugleich. Und haben damit beste Voraussetzungen für Biblisch Therapeutische Seelsorge. Als Beschenkte schenken wir Notleidenden aus der Fülle – unsere Wahrnehmung, Zeit, Kraft, Aufmerksamkeit, Echtheit, Empathie, Wertschätzung. Als Begnadete geben wir Gnade an Betroffene weiter – vergebend, authentisch, echt, wertschätzend, würdigend, zugewandt. In diesem Sinne ist Epiphanias ein wahrer Gesundheitserreger.

Mögen wir aus seiner Fülle und in seiner Gnade leben, jeden Tag.

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Römer 8,14)

Setzen wir unsere Epiphanias-Reise fort. Heute, am ersten Sonntag nach dem Dreikönigsfest, geht es um die beiden Kernbegriffe Geist Gottes und Kinder Gottes. Es geht darum, sich von Gottes Geist leiten zu lassen. Und darum, Gottes Kind zu sein. Beide Begriffe sind veränderungswirksame, existentielle Paradigmen. Sie bedingen einander, sind untrennbar miteinander verbunden und charakterisieren gelebtes Christsein.

Unser Wochenspruch stammt aus Römer acht, für viele Exegeten das Herzstück des Briefes. Paulus beschreibt in diesem Kapitel wichtige Gegensatzpaare, so genannte Ambivalenzen und stellt seine Leser vor die Wahl: Gnade oder Gesetz? Gerechtigkeit oder Verdammnis? Freiheit oder Knechtschaft? Frieden oder Feindschaft? Leben oder Tod? Wer oder was treibt uns an: Geld? Macht? Ehre? Selbstverwirklichung? Von wem oder was lassen wir uns leiten?

Auch heute sind wir wieder eingeladen zu wählen. Wählen können ist entscheidend. Denn immer dann, wenn ein Mensch Wahlmöglichkeiten hat, ist er nicht hilflos ausgeliefert. Anders gesagt: Wahlmöglichkeiten können unsere Selbstwirksamkeit erhöhen. Wer wählen kann, hat die Möglichkeit, veränderungswirksam zu entscheiden und zu handeln. Die Frage ist nur: Wofür entscheiden wir uns?

Bei einer Entscheidung ist eine Scheidung zu ihrem Ende gekommen. Gottes Kind zu sein und sich von seinem Geist leiten zu lassen, sind zwei Grund legende Entscheidungen. Zugleich sind sie weise, denn sie suchen das Leben und wollen Frucht bringen, die bleibt: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Sanftmut, Treue, Selbstbeherrschung (Gal. 5,22).

Mögest Du Dich vom Geist Gottes leiten lassen, Deine Gottes-Kindschaft umarmen und Frucht bringen, die bleibt.

Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon. (1. Joh. 2,8b)

Heute, am ersten Sonntag nach Neujahr, feiern wir Epiphanias. Welche Bedeutung wir diesem nach Ostern ältesten christlichen Fest auch zuschreiben – sei es „Erscheinung des Herrn“ (katholisch), „Dreikönigsfest“ (volkstümlich), „Weihnachtszwölfer“ (Österreich), „Hoch-Neujahr“ (regional vereinzelt) oder „Epiphanias“ (evangelisch) – immer geht es um IHN, um Jesus Christus.

Wenn Jesus erscheint, wenn die menschliche Gegenwart Gottes in unser irdisches, vergängliches Leben tritt, dann wird es Licht. So wie am ersten Schöpfungstag. Oder zur Geburt Jesu. Oder bei seiner Verklärung, oder Auferstehung. Dann geschieht Veränderung. Neues Leben entfaltet sich, Herrlichkeit überstrahlt Vergänglichkeit, neue Möglichkeitsräume entstehen, Menschen werden verwandelt. Licht ist im wahrsten Sinne des Wortes Lebens-Not-wendig. Ohne Licht kein Leben.

Wer oder was bringt Licht in Dein Leben? strahlen, schenkt Klarheit, gibt Orientierung? – Wo in Deinem Leben ist es dunkel geworden? Wo betrüben Dich Gedanken, bedrücken Dich Gefühle? Wo folgst Du dunklen Absichten oder Irrlichtern, machst finstere Pläne? Wo hat die Dunkelheit Dich am Wickel?

Licht oder Finsternis? Du hast die Wahl. Ich möchte Dich einladen, Dir heute einmal zwei Kantaten von Johann Sebastian Bach anzuhören. Er komponierte sie in Leibzig für Epiphanias, das Fest, welches die Weihnachtszeit beschließt:

Sie werden aus Saba alle kommen (BWV 65, 1724)
Liebster Immanuel, Herzog der Frommen (BWV 123, 1725)

Wenn Du magst, dann lausche doch auch intensiv dem sechsten Teil seines Weihnachtsoratoriums: „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“. Bach hat es speziell zur Aufführung im Gottesdienst für Epiphanias verfasst. Ich wünsche Dir viel Freude beim Hören.

Möge das wahre Licht in Dir scheinen und Dich immer mehr verwandeln.