Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. (Johannes 1,16)

Epiphanias – ein geistlicher Gesundheitserreger. Heute, am zweiten Sonntag nach dem Dreikönigsfest, geht es um die beiden herausragenden Begriffe Fülle und Gnade.

Fülle bedeutet: In Jesus ist mehr als genug vorhanden. Für jeden von uns, jeden Augenblick, jeden Atemzug, 24/7, ein Leben lang. Niemand braucht mehr von sich zu glauben, er genüge nicht, sei es nun seinen eigenen Ansprüchen oder fremden Erwartungen. Niemand braucht mehr zu glauben, er komme zu kurz oder nicht vor, werde übergangen, sei unwichtig.

Gnade bedeutet: Unverdientes Geschenk. In Jesus ist Gnade lebendig geworden. Niemand braucht mehr von sich zu glauben, er müsse alleine fertig werden mit seiner Schuld, den Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten, den Unsicherheiten und Unwägbarkeiten. Niemand braucht mehr am Leben zu verzweifeln,

vorbeizulaufen, zu scheitern.

Wörtlich übersetzt heißt es im Text: „Aus seiner Fülle empfangen wir Gnade um Gnade“. Jesus ist die Mensch gewordene göttliche Fülle und Gnade. Christen sind Beschenkte und Begnadete zugleich. Und haben damit beste Voraussetzungen für Biblisch Therapeutische Seelsorge. Als Beschenkte schenken wir Notleidenden aus der Fülle – unsere Wahrnehmung, Zeit, Kraft, Aufmerksamkeit, Echtheit, Empathie, Wertschätzung. Als Begnadete geben wir Gnade an Betroffene weiter – vergebend, authentisch, echt, wertschätzend, würdigend, zugewandt. In diesem Sinne ist Epiphanias ein wahrer Gesundheitserreger.

Mögen wir aus seiner Fülle und in seiner Gnade leben, jeden Tag.

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Römer 8,14)

Setzen wir unsere Epiphanias-Reise fort. Heute, am ersten Sonntag nach dem Dreikönigsfest, geht es um die beiden Kernbegriffe Geist Gottes und Kinder Gottes. Es geht darum, sich von Gottes Geist leiten zu lassen. Und darum, Gottes Kind zu sein. Beide Begriffe sind veränderungswirksame, existentielle Paradigmen. Sie bedingen einander, sind untrennbar miteinander verbunden und charakterisieren gelebtes Christsein.

Unser Wochenspruch stammt aus Römer acht, für viele Exegeten das Herzstück des Briefes. Paulus beschreibt in diesem Kapitel wichtige Gegensatzpaare, so genannte Ambivalenzen und stellt seine Leser vor die Wahl: Gnade oder Gesetz? Gerechtigkeit oder Verdammnis? Freiheit oder Knechtschaft? Frieden oder Feindschaft? Leben oder Tod? Wer oder was treibt uns an: Geld? Macht? Ehre? Selbstverwirklichung? Von wem oder was lassen wir uns leiten?

Auch heute sind wir wieder eingeladen zu wählen. Wählen können ist entscheidend. Denn immer dann, wenn ein Mensch Wahlmöglichkeiten hat, ist er nicht hilflos ausgeliefert. Anders gesagt: Wahlmöglichkeiten können unsere Selbstwirksamkeit erhöhen. Wer wählen kann, hat die Möglichkeit, veränderungswirksam zu entscheiden und zu handeln. Die Frage ist nur: Wofür entscheiden wir uns?

Bei einer Entscheidung ist eine Scheidung zu ihrem Ende gekommen. Gottes Kind zu sein und sich von seinem Geist leiten zu lassen, sind zwei Grund legende Entscheidungen. Zugleich sind sie weise, denn sie suchen das Leben und wollen Frucht bringen, die bleibt: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Sanftmut, Treue, Selbstbeherrschung (Gal. 5,22).

Mögest Du Dich vom Geist Gottes leiten lassen, Deine Gottes-Kindschaft umarmen und Frucht bringen, die bleibt.

Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon. (1. Joh. 2,8b)

Heute, am ersten Sonntag nach Neujahr, feiern wir Epiphanias. Welche Bedeutung wir diesem nach Ostern ältesten christlichen Fest auch zuschreiben – sei es „Erscheinung des Herrn“ (katholisch), „Dreikönigsfest“ (volkstümlich), „Weihnachtszwölfer“ (Österreich), „Hoch-Neujahr“ (regional vereinzelt) oder „Epiphanias“ (evangelisch) – immer geht es um IHN, um Jesus Christus.

Wenn Jesus erscheint, wenn die menschliche Gegenwart Gottes in unser irdisches, vergängliches Leben tritt, dann wird es Licht. So wie am ersten Schöpfungstag. Oder zur Geburt Jesu. Oder bei seiner Verklärung, oder Auferstehung. Dann geschieht Veränderung. Neues Leben entfaltet sich, Herrlichkeit überstrahlt Vergänglichkeit, neue Möglichkeitsräume entstehen, Menschen werden verwandelt. Licht ist im wahrsten Sinne des Wortes Lebens-Not-wendig. Ohne Licht kein Leben.

Wer oder was bringt Licht in Dein Leben? strahlen, schenkt Klarheit, gibt Orientierung? – Wo in Deinem Leben ist es dunkel geworden? Wo betrüben Dich Gedanken, bedrücken Dich Gefühle? Wo folgst Du dunklen Absichten oder Irrlichtern, machst finstere Pläne? Wo hat die Dunkelheit Dich am Wickel?

Licht oder Finsternis? Du hast die Wahl. Ich möchte Dich einladen, Dir heute einmal zwei Kantaten von Johann Sebastian Bach anzuhören. Er komponierte sie in Leibzig für Epiphanias, das Fest, welches die Weihnachtszeit beschließt:

Sie werden aus Saba alle kommen (BWV 65, 1724)
Liebster Immanuel, Herzog der Frommen (BWV 123, 1725)

Wenn Du magst, dann lausche doch auch intensiv dem sechsten Teil seines Weihnachtsoratoriums: „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“. Bach hat es speziell zur Aufführung im Gottesdienst für Epiphanias verfasst. Ich wünsche Dir viel Freude beim Hören.

Möge das wahre Licht in Dir scheinen und Dich immer mehr verwandeln.